Biografien
Menschen aus Bayern

Kurt Landauer Kaufmann, Vereinspräsident des FC Bayern München

geboren: 28.07.1884, Planegg
gestorben: 21.12.1961, München

Wirkungsort: München

Kurt Landauer wuchs in Planegg südwestlich von München auf. Im Jahr 1901 trat er dem FC Bayern bei und avancierte zum talentierten Torhüter und engagierten Vereinsmitglied. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm er die Präsidentschaft beim FC Bayern, wurde jedoch 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft zum Rücktritt genötigt. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er vier Wochen im KZ Dachau festgehalten, dann emigrierte er 1939 in die Schweiz. Ab 1947 leitete er wieder den FC Bayern. Sein Neffe Uri Siegel über Kurt Landauer: "Für ihn gab es eben nur den FC Bayern - das war sein Leben". Unter Landauers Führung erfolgte der Wiederaufbau, inklusive des Vereinsgeländes an der Säbener Straße. Der FC Bayern ernannte 2013 Kurt Landauer posthum zum Ehrenpräsidenten. Sein Leben wurde 2014 von Hans Steinbichler im Historiendrama "Landauer - der Präsident" verfilmt.

Kurt Landauer wurde im Juli 1884 als dritter Sohn des jüdischen Kaufmanns Otto Landauer (1842-1913) und dessen Ehefrau Hulda geb. Bernheimer (1844-1930) in Planegg geboren, einem südwestlichen Vorort Münchens. Sein Vater betrieb ein Geschäft für Damenoberbekleidung in der Kaufingerstraße 26/Frauenplatz 6 in München. Bereits in seiner Jugend spielte Landauer ab 1901 als Torhüter der zweiten Mannschaft für den FC Bayern München und amtierte 1913/1914 das erste Mal als Präsident des Vereins. Nach einer Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg, in dem Landauer mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, wurde der Kriegsveteran 1919 erneut zum Präsident des FC Bayern gewählt und bekleidete diese Funktion bis 1933. In dieser von Landauer geprägten Phase gewannen die Bayern 1926 und 1928 zweimal die süddeutsche Meisterschaft und erreichten 1926, 1928 und 1929 die Endrunde der deutschen Meisterschaft. Am 12. Juni 1932 gewann der FC Bayern mit dem 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt in Nürnberg erstmals die deutsche Meisterschaft.

Kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten legte Landauer am 22. März 1933 sein Amt als Präsident des FC Bayern nieder. Auch beruflich brachte die NS-Zeit für den ehemaligen Sportfunktionär einschneidende Erinnerungen mit sich: Aufgrund seiner jüdischen Abstammung verlor er die Stelle als Büroleiter in der Anzeigenabteilung der "Münchner Neuesten Nachrichten", wo er seit 1930 tätig gewesen war, und wurde nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit 1935 in einem Münchner Wäschegeschäft angestellt. Zwei Jahre später verkaufte Landauer mit seinem Bruder Franz Ende 1937 das väterliche Geschäftshaus in der Kaufingerstraße an die Warenhauskette "Woolworth". Nachdem er nach dem Novemberpogrom 1938 vier Wochen im Konzentrationslager Dachau interniert worden war, gelang Landauer nach seiner Entlassung im Mai 1939 die Flucht in die Schweiz, während vier seiner Geschwister der Shoah zum Opfer fielen. 

1947 kehrte Landauer nach München zurück und wurde im August erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Während seiner letzten Amtszeit entstand das Vereinsgelände des FC Bayern in der Säbener Straße, und 1950 beging der Verein das 50-jährige Gründungsjubiläum. Obwohl Landauer 1951 überraschend zugunsten Julius Scheurings, des Abteilungsleiters der Handballabteilung, abgewählt worden war, unterstützte der abgewählte Präsident auch weiterhin seinen Verein finanziell. Er starb 1951 im Klinikum Schwabing und ruht auf dem Neuen jüdischen Friedhof in München. Rund 50 Jahre nach Landauers Tod 1961 ernannte der FC Bayern den erfolgreichen Sportfunktionär am 13. November 2013 posthum zum Ehrenpräsidenten. 

2011 wurde der 2010 vom Kreisjugendring München-Stadt und dem NS-Dokumentationszentrum erstellte Dokumentarfilm "Kick it like Kurt" über das Leben Kurt Landauers und die frühe Geschichte des FC Bayern mit dem "Münchner Bürgerpreis Gegen Vergessen – Für Demokratie 2011" ausgezeichnet. Drei Jahre später fand 2014 beim Münchner Filmfest die Premiere des im Auftrag von BR, ARD Degeto und WDR produzierten Fernsehfilms "Landauer – Der Präsident" über das Leben Landauers statt. Die 2014 erstellte Augmented Reality App LandauerWalk bietet geolokalisiertes Storytelling und ermöglicht eine Zeitreise auf den Spuren Kurt Landauers in München. Seit 2019 erinnert eine Bronzestatue auf dem Trainingsgelände des FC Bayern in der Säbener Straße an den Ehrenpräsidenten des Fußballklubs.


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Gregor Hofmann: Mitspieler der "Volksgemeinschaft". Der FC Bayern und der Nationalsozialismus. Göttingen 2022. S. 289-294.
  • FC Bayern München / Jutta Fleckenstein / Rachel Salamander (Hg.): Kurt Landauer. Präsident FC Bayern. Lebensbericht und Briefwechsel mit Maria Baumann. Berlin 2021.
  • Dirk Kämper: Kurt Landauer. Der Mann, der den FC Bayern erfand. Sankt Margarethen 2014.
  • Dietrich Schulze-Marmeling: Kurt Landauer. Der Vater des modernen FC Bayern. Berlin 2018 (= Jüdische Miniaturen 189).
  • Dietrich Schulze-Marmeling: Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur. Göttingen 2011.

GND: 140351779