geboren: 03.08.1924,
München
gestorben: 27.02.2011,
New York City
Wirkungsort:
Frankfurt a.M. | New York City | Long Island (NY)
Roger Jay Klauber (geb. Otto Adolph Klauber) entstammte einer der bekanntesten jüdischen Unternehmerfamilien Münchens. Seine Urgroßmutter Rosa Klauber (1820–1901) gründete 1859 das "Spitzenhaus Rosa Klauber“, das von ihren Nachkommen zu einem international erfolgreichen Unternehmen ausgebaut wurde. Mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung endete diese Erfolgsgeschichte in Deutschland: Nach der „Arisierung“ des Unternehmens emigrierte die Familie 1939 in die Vereinigten Staaten und gründete in New York das neue Unternehmen Klauber Brothers Inc. Während des Zweiten Weltkriegs trat Otto Klauber in die US-Armee ein. In dieser Zeit anglifizierte er seinen Namen zu Roger Jay Klauber. Nach Kriegsende gründete Roger Klauber eine Familie und ließ sich auf Long Island nieder. Er begann im Familienunternehmen und trug maßgeblich zu dessen erfolgreichem Wiederaufbau bei. Bis ins hohe Alter blieb er beruflich und gesellschaftlich engagiert. Heute wird Klauber Brothers in New York in sechster Generation geführt und versteht sich als Fortsetzung der Münchner Firmengeschichte.
Otto Adolph Klauber war der Sproß einer in München sehr bekannten jüdischen Familie: Ottos Urgroßmutter Rosa Klauber (1820–1901) hatte das "Spitzenhaus Rosa Klauber" gegründet, ihre Söhne und Enkel entwickelten das erfolgreiche Unternehmen weiter. Ottos Vater Ernst Klauber Ernst Klauber begann neben dem Detailgeschäft im Stammhaus an der Theatinerstraße einen Export-Großhandel. 1926 eröffnete eine zweite Filiale am Marienplatz 2. Zusammen mit seinem Bruder Ludwig gründete Ernst Klauber im Jahr 1927 eine eigene Wäschefabrik in der Dachauer Straße 112, auf dem ehemaligen Gelände des Rüstungsbetriebs Deutsche Werke AG. Sein Bruder Siegfried Klauber übernahm die Geschäftsleitung des Spitzenhauses. 1927 arbeiteten rund 25 Näherinnen in der Fabrik und weitere 65 in Heimarbeit. Dazu kamen Vertreter (die Firma hatte eigene Büros in Berlin und London) sowie kaufmännische Angestellte, darunter zwischen 1935 und November 1938 auch der ehemalige FC Bayern-Prasident Kurt Landauer (1884–1961).
Als sich die politische Lage in Deutschland zunehmend zuspitzte, wurde Otto Adolph Klauber bereits im Alter von nur acht Jahren auf ein Internat in der Schweiz geschickt. Siegfried und Ludwig Klauber emigrierten im Sommer 1938 nach New York. Ihre Firma wurde vom NS-Regime „arisiert“. Ernst Klauber mit Frau Alice und Sohn Otto gelang noch 1939 die Flucht über Frankreich in die Vereinigten Staaten von Amerika. In Frankreich gingen sie an Bord der S.S. Manhatten – desselben Schiffes, das bereits die amerikanische Olympiamannschaft zu den Spielen von 1936 nach Berlin gebracht hatte. In New York City wurde das Familienunternehmen unter dem Namen Klauber Brothers Inc. neu gegründet.
Otto Adolph Klauber trat um 1944 in das US-Militär ein, um gegen das nationalsozialistische Deutschland zu kämpfen. Zunächst gehörte er der 10th Mountain Division – einer Spezialeinheit für den Kampf im Gebirge – und wurde dann dem Nachrichtendienst (OSS) zugeteilt: Vor allem wegen seiner ausgezeichneten Kenntnisse Deutschlands und seiner deutschen Muttersprache, vielleicht auch weil er ein fundiertes Memorandum über die mögliche Gestaltung einer Nachkriegswirtschaft in Deutschland verfasst hatte. Während des Krieges anglifizierte Klauber seinen Namen und hieß von da an Roger Jay Klauber. Nach dem Untergang der NS-Diktatur wurde er in das deutsche Hauptquartier der US-Armee, nach Frankfurt am Main versetzt. Anfangs gab es ein strenges Fraternisierungsverbot zwischen Deutschen und allierten Soldaten. Dennoch lernte Klauber auf seiner Arbeit Hildegard "Hilde" Schaffer (*1928) kennen, als sie sich nach einer Stelle erkundigte. Hildegard stammte aus einem katholischen, antifaschistischen Haushalt, und es gab von keiner der beiden Familie Einwände gegen eine Hochzeit.
Im Jahr 1946 verließ Roger Klauber die Armee und kehrte mit Hildegard in die Vereinigten Staaten zurück, wo sie sich im Ort Great Neck auf Long Island (NY) niederließen. Schon bald wurden die Söhne Mark und Gordon Klauber geboren. Innerhalb der Familie wurde auch weiterhin zuweilen Deutsch gesprochen. Klauber trat in das New Yorker Familienunternehmen ein; dank seines persönlichen Charismas und einer engen Kundenbindung konnte er neue Absatzmärkte erschließen, unter anderem auf Kuba. Er war stolz auf das Vermächtnis seiner Familie und liebte seine Arbeit – besonders, als sein Sohn Mark nach dem College in das Unternehmen eintrat. Einige Jahre später kehrte auch Gordon nach einer Zeit als Lehrer in Wisconsin zurück, und schloss sich der Firma an. Bis ins hohe Alter blieb Klauber beruflich wie auch privat aktiv. Im Laufe seines Lebens engagierte er sich für zahlreiche soziale Anliegen und unterstützte viele gemeinnützige Organisationen. Besonders verbunden fühlte er sich der Spondylitis Association of America (Spondylitis = entzündlich-rheumatische Erkrankungen an Wirbelsäule und Gelenken), welche er großzügig förderte.
Das Spitzen-Kaufhaus Klauber Brothers wird heute in der sechsten Generation geführt. Die Firma legt weiterhin großen Wert auf seine Tradition und die Anfänge in München. Das ehemalige Fabrikgelände an der Dachauer Straße 12 gehört zu einem neuen "Kreativquartier" mit Wohnungen, Ateliers und Veranstaltungshallen. Eine illustrierte Informationstafel erinnert dort an die Firmengründerin Rosa Klauber.
Persönlicher Dank geht an Mark Klauber, New York City, für die freundliche Bereitstellung unveröffentlichter Informationen.
Patrick Charell
Literatur
- Lara Theobalt / Jüdisches Museum München (Hg.): Ausstellungsbroschüre "Spitzenhaus Rosa Klauber". München 2021.
Weiterführende Links
Quellen
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