Biografien
Menschen aus Bayern

Richard Lindner Maler und Grafiker

geboren: 11.11.1901, Hamburg
gestorben: 16.04.1978, New York

Wirkungsort: Nürnberg | Berlin | München | New York

Richard Lindner, geboren in Hamburg, war ein jüdischer Künstler. Nach dem Tod seiner Schwester zog die Familie nach Nürnberg. Lindner begann eine Pianisten-Ausbildung, wechselte jedoch zur Kunstgewerbeschule. Als Werbegrafiker in Berlin tätig, floh er 1933 vor den Nazis nach Prag und emigrierte 1941 in die USA. Dort arbeitete er als Illustrator und später als Maler. Seine Werke, geprägt von flachen Räumen und grellen Farben, zeigen entindividualisierte Frauenfiguren. Lindners Gemälde sind in bedeutenden Museen weltweit ausgestellt, darunter das Whitney Museum und das Museum of Modern Art in New York. Kurz vor seinem Tod beschrieb er das Leben als "Wartezimmer auf den Tod".

Lindner wurde als Sohn des jüdischen Verkäufers Julus (Jüdell) Lindner und seiner Frau Mina, geb. Bornstein, in Hamburg geboren. Der frühe Tod seiner Schwester Lizzy, einer begabten Opernsängerin, im Jahr 1915, war für den sieben Jahre jüngeren Richard ein schwerer Verlust. Nach dem Umzug der Familie nach Nürnberg, wo Jüdell Lindner als Handelsvertreter tätig war (1907 erlangte er die bayerische Staatsbürgerschaft) und seine Mutter ein Geschäft für maßgeschneiderte Korsetts betrieb, begann Lindner eine Ausbildung zu Pianisten, brach diese aber ab und arbeitete als Verkäufer. 1922 schrieb sich Lindner an der Nürnberger Kunstgewerbeschule, der heutigen Akademie der Bildenden Künste. Dort wurde er 1925 Meisterschüler von Professor Max Körner (1887-1963) und nahm erfolgreich an mehreren Werbegrafik-Wettbewerben teil. 

1927 verließ Lindner Nürnberg und zog nach Berlin, wo er als selbstständiger Werbegrafiker, Bühnenbildner und Karikaturist tätig war. 1929 kehrte der Grafiker nach Bayern zurück und ließ sich in München nieder, wo er für das Verlagshaus Knorr & Hirth als Illustrator für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher arbeitete und auch die Vorlagen für Plakate erstellte. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten floh Lindner 1933 nach Prag und wanderte von dort 1941 in die USA aus, deren Staatsbürgerschaft er 1948 erwarb. Dort arbeitete er anfänglich als Buch- und Zeitschriftenillustrator unter anderem für die Zeitschriften "Fortune", "Harper’s Bazaar" und "Vogue". Von 1952 bis 1965 lehrte er als Dozent am Pratt Institute in New York, und gründete eine Klasse für "creative expression". 1957 war er Lehrer an der School of Art and Architecture der Yale University und 1965 Dozent an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste.

Um 1952 gab Lindner seine bisherige Tätigkeit auf und konzentrierte sich auf die Malerei. In flachen Räumen, mit klar umgrenzten Formen und in grellen Farben präsentierte der Künstler Motive aus dem Leben der Großstädte, die er vor allem im New Yorker Alltag fand. Typisch für Lindners Kunst ist die aggressive Darstellung der entindividualisierten Frauenfiguren, die für den Betrachter unerreichbar sind. Kurz vor seinem Tod beschreib Lindner das Leben als "Wartezimmer auf den Tod". Seine Gemälde finden sich in zahlreichen, international bedeutsamen Museen wie der Kunstsammlung Düsseldorf, dem Rotterdamer Museum Boymans-van-Breuningen und zwei in New York ansässigen Häusern: dem Whitney Museum und dem Museum of Modern Art.


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Thomas Heyden: "... dass man nicht in Amerika zum Amerikaner wird, sondern indem man nach Europa zurückkehrt" – Der Maler Richard Lindner. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Margot Hamm u.a. (Hg.): Good Bye Bayern, Grüß Gott America. Auswanderung aus Bayern nach Amerika seit 1683. Katalog zur Landesausstellung 2004. Augsburg 2004 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 48), S. 114f.
  • Klaus D. Bode (Hg.): Richard Lindner – Bilder – Papierarbeiten – Grafik. Nürnberg 2001.
  • Claudia Loyall / Werner Spies (Bearb.): Richard Lindner. Catalogue Raisonné of Paintings, Watercolours, and Drawings. München. New York 1999.
  • Judith Zilczer: Richard Lindner. Gemälde und Aquarelle. München / New York 1997.
  • Werner Spies: Lindner. Mit einem Statement von Saul Steinberg. Paris 1980.
  • Hilton Kramer: Richard Lindner. Boston 1975.
  • Dore Ashton: Richard Lindner. New York 1970.

GND: 118728407