Otto Bernheimer wurde 1877 in München als Sohn des erfolgreichen Kunst- und Antiquitätenhändlers Lehmann Bernheimer (1841-1918) geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1918 übernahm Otto dessen Unternehmen, für das er bereits in den Jahren davor gearbeitet hatte. Durch zunehmende Repressalien während der NS-Zeit hatte auch Bernheimer mit Feindseligkeiten zu kämpfen, wobei sich seine Kunstgegenstände auch bei Mitgliedern der NSDAP weiterhin großer Beliebtheit erfreuten. Nach 1938 wurden die Geschäfte von den Nationalsozialisten fortgeführt und Otto Bernheimer ins KZ Dachau gebracht. Da er aber nebenbei auch als Generalkonsul Mexikos tätig war, konnte er durch Einwirkung dieses Staates freikommen. Allerdings musste er Deutschland verlassen. Bereits kurz nach Kriegsende kehrte er jedoch nach München zurück, wo er daraufhin wieder im Kunsthandel aktiv war.
Der jüdische Kunsthändler Otto Bernheimer wurde am 14. Juli 1877 in München geboren. Er war Sohn von Lehmann Bernheimer (1841-1918), der ebenfalls im Kunsthandel tätig war und von Fanny, geboren Heinemann (1843-1911). Er hatte außerdem mit Emma, Max, Ernst und Isidor vier Geschwister. Im Jahr 1905 heiratete er Carlotta (Lotte) Guttmann. Mit ihr bekam er die Söhne Ludwig (1906-1967) und Kurt (1911-1954). Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit war er außerdem jahrelang mexikanischer Generalkonsul. Vor der Übernahme der Führungsposition seines Vaters wurde er außerdem während des Ersten Weltkriegs vonseiten Deutschlands im Garnisonsdienst eingesetzt.
Seine berufliche Karriere begann 1893 mit einer Lehre im Unternehmen seines Vaters Lehmann, nachdem er davor eine Handelsschule besucht hatte. Dieser hatte das Unternehmen nach seinem Umzug nach München ab 1864 aufgebaut, welches sich im Laufe der Zeit zu einem der größten Möbel- und Kunstgeschäfte der Welt entwickelt hatte. Vor allem Gegenstände und Stoffe aus Fernost zogen hier Aufmerksamkeit auf sich. Auch das Konzept, dass nicht nur einzelne Gegenstände geliefert wurden, sondern die Mitarbeiter auf Wunsch sogar Pläne für die gesamte Inneneinrichtung eines Zimmers erstellten, trug zum Erfolg bei. In Interaktion mit Museen kam es zu Tauschgeschäften und Leihgaben. Die große Bedeutung manifestierte sich nicht zuletzt auch dadurch, dass Lehmann 1884 Königlicher Hoflieferant bayerischer Kommerzienrat wurde. 1889 konnte die Eröffnung eines neuen, prachtvollen Geschäftshauses am Lenbachplatz gefeiert werden. Nach dem Tod Lehmanns 1918 übernahm Otto gemeinsam mit seinem Bruder Ernst schließlich das Unternehmen, nachdem beide zuvor viel Zeit mit Reisen verbracht hatten, auf denen sie neue Verkaufsstücke suchten. Aber auch sein Unternehmen hatte wie viele andere in den folgenden Jahren mit der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen.
Auch wenn im Jahr 1936 der Gesamtumsatz noch bei 1,25 Millionen Reichsmark lag, kam es ab diesem Jahr wegen Boykottaufrufen gegen jüdische Geschäfte zu immer größeren Schwierigkeiten. Dennoch erfreuten sich Bernheimers Waren bei NSDAP-Mitgliedern großer Beliebtheit, auch Hermann Göring erwarb hier einen Teppich. Um dennoch den Kontakt mit jüdischen Ladenbesitzern zu meiden, erfolgte der Kauf meist über Mittelsmänner. Trotzdem erfolgte nach der Reichspogromnacht 1938 auch hier eine Arisierung des Unternehmens, was unter kommissarischer Leitung des Treuhänders Karl Löscher vollzogen wurde, welcher wiederum vom Gauleiter eingesetzt wurde. Otto Bernheimer musste den Kunsthandel dafür zwangsverkaufen, wobei von dem Erlös nicht viel übrigblieb, musste er doch gleichzeitig eine Reichsfluchtsteuer, eine Judenabgabe und eine Auswanderungsabgabe bezahlen. Die Geschäfte wurden daraufhin als Münchner Kunsthandelsgesellschaft - Kameradschaft der Künstler e.V. weitergeführt. Der Fortbestand wurde aus wirtschaftlichen Gründen als notwendig erachtet, nicht zuletzt auch wegen weltweiter Bekanntheit. Kurz danach wurde auch Otto Bernheimer für kurze Zeit ins Konzentrationslager Dachau verbracht, konnte allerdings, da er Konsul von Mexiko war, nach Intervention dieses Landes freikommen. Die dortige Regierung hatte unter anderem damit gedroht, als Reaktion auf Bernheimers Deportation mehrere bekannte Deutsche, die sich zu diesem Zeitpunkt in ihrem Land befanden, festzunehmen. Bereits 1939 begannen verschiedene Familienmitglieder mit der Emigration in unterschiedlichste Erdteile. 1940 wanderte Otto Bernheimer schließlich nach Venezuela aus, musste dafür aber Hermann Göring persönlich eine dort befindliche und sehr heruntergewirtschaftete Plantage abkaufen.
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrte Otto bereits 1946 nach München zurück und nahm auch die Geschäfte dort wieder auf. Das Unternehmenshaus wurde vorerst vereinfacht rekonstruiert, außerdem erhielt er einige seiner Waren zurück, da er sie davor in Klöstern ausgelagert hatte. Otto Bernheimer trat außerdem als Präsident des deutschen Kunsthandelsverbands, als Gründer des Künstlerhausvereins und als Mitgründer der Deutschen Kunst- und Antiquitätenmesse 1956 in Erscheinung. Er starb am 05. Juli 1960 im Alter von 83 Jahren in München. Nach seinem Tod übernahmen zunächst sein Sohn Ludwig und ab 1977 sein Enkel Konrad die Geschäfte. Letzterer modernisierte das Unternehmen und spezialisierte sich auf den Handel mit Gemälden. Er tritt seitdem unter dem Namen Bernheimer Fine Old Masters auf. Die anderen Bestände wurden veräußert und das große Hauptgebäude am Lenbachplatz 1987 verkauft, welches in der Zwischenzeit baulich wieder dem Vorkriegszustand angenähert worden war.
(Moritz Fischer)
Literatur
- Rick Tazelaar: Hüter des Freistaats. Das Führungspersonal der Bayerischen Staatskanzlei zwischen Nationalsozialismus und Nachkriegsdemokratie. Berlin 2023, S. 189.
- Andreas Heusler/Tobias Wegner: Kristallnacht. Gewalt gegen Münchner Juden im November 1938; Veröffentlichung des Stadtarchivs München. München 1998, S. 97-102.
- Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden. München 1988, S. 32.
- Institut für Zeitgeschichte/Werner Röder (Hg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München 1980, S. 59.
- Hans Lamm: Von Juden in München. Ein Gedenkbuch. München 1959, S. 376.
Quellen
GND: 116146672