Lehmann Bernheimer kam in der kleinen jüdischen Landgemeinde von Buttenhausen (Kgr. Württemberg) zur Welt, sein Vater war ein reisender Stoffhändler. Im Jahr 1864 zog Bernheimer nach München und eröffnete eine selbstständige Stoffhandlung. 1870 verlegte er seinen Firmensitz an die Neuhauserstraße und konzentrierte sich zunehmend auf den Kunst- und Antiquitätenhandel. 1882 wurde er mit dem Titel eines kgl. Hoflieferanten ausgezeichnet. Am Maximiliansplatz (heute Lenbachplatz 3) ließ Bernheimer 1888/89 das "größte Kunsthaus der Welt" errichten, bei dessen Einweihung auch Prinzregent Luitpold anwesend war. Als selbstbewusster und erfolgreicher deutsch-jüdischer Staatsbürger setzte er damit ein prägendes Wahrzeichen für die Goldenen Jahre der Kunstmetropole München. 1938 wurde die Firma "arisiert". Das "Bernheimer-Haus" ging nach 1945 in den Besitz der Familie zurück, die es 1987 an einen Investor verkaufte.
Lehmann Bernheimer kam in der kleinen jüdischen Landgemeinde von Buttenhausen bei Münsingen zur Welt, welches damals zum Königreich Württemberg gehörte. Er war das jüngste der vier Kinder von Sara geb. Kahn (1803-1881) und Meier Bernheimer (1801-1870), der als Stoffhändler verschiedene Märkte in Süddeutschland bereiste. Der junge Lehmann besuchte die örtliche, christliche Volksschule in Buttenhausen und wechselte dann auf die Realschule nach Stuttgart, die er als Vierzehnjähriger mit einem regulären Abschluss verließ. Er wurde von seinem Vater in das Familiengeschäft eingewiesen. Wahrscheinlich hatte er auf einer Geschäftsreise zur Auer Dult die großen wirtschaftlichen Möglichkeiten erkannt, die sich in der stetig wachsenden königlichen Haupt- und Residenzstadt boten (die Vorstadt Au wurde 1854 eingemeindet). Als die einschränkenden Judenmatrikel in Bayern abgeschafft wurden, siedelte Lehmann Bernheimer nach München um. Er übernahm die Konkursmasse eines gescheiterten Unternehmens am Salvatorplatz und gründete am 10. Mai 1864 sein erstes Geschäft für Kleiderstoffe und Konfektionswaren. 1870 verlegte er das erfolgreiche Geschäft in die Kaufingerstraße 17, wo er sein Angebot zunehmend auf Orientteppiche, Kunst und Luxusgüter für den Wohnbereich ausweitete. Schließlich meldete Lehmann Bernheimer sein Geschäft um und firmierte nun als "Kunst- und Auktionshaus L. Bernheimer". Da er seine Antiquitäten vor Ort ausfindig machte, konnte er relativ günstig einkaufen und bei den Versteigerungen seinen Gewinn steigern. So kam er rasch zu Wohlstand. Im Jahr 1864 heiratete er Fanny geb. Heimann (1843-1911), die aus einer in Württemberg weit verzweigten und angesehen Familie entstammte. Aus der Verbindung gingen fünf Kinder hervor: Emma verh. Loewi (1865-1950), Max (1870-1933), Ernst (1875-1956), Otto (1877-1960) und Isidor (Daten unbekannt).
Im Jahr 1882 folgte für Lehmann Bernheimer ein geschäftlicher Ritterschlag: Er wurde von König Ludwig II. von Bayern (reg. 1864-1886) zum geheimen Kommerzienrat und Hoflieferanten ernannt und dufte von da an mit dem Wappen des Königreichs Bayern werben. Nun plante er einen repräsentativen Neubau außerhalb der engen Altstadt. An der Grenze zur planmäßig angelegten Maxvorstadt erwarb er 1887 am Maximiliansplatz 1 (heute Lenbachplatz 3), nahe der Kgl. Bayerischen Börse, das Grundstück des "Englischen Cafés". Zum Gebäude gehörte auch ein großzügiger Biergarten, der aus einem alten Glacis der barocken Stadtbefestigungen entstanden war.
Von 1888 bis 1889 ließ Bernheimer am durch den renommierten Architekten Friedrich von Thiersch ein Neubau errichten. Die Kosten beliefen sich auf rund 900.000 Mark. Die Fassade aus Donaukalkstein stammt von Thierschs damaligen Schüler Martin Dülfer. A m 10. Dezember 1889 wurde das das "größten Kunsthaus der Welt" im Beisein von Prinzregent Luitpold eingeweiht. Das "Haus Bernheimer", auch "Palais Bernheimer" oder gar "Bernheimer Palast" gilt als "erster repräsentativer Neubarockbau Münchens" und war zugleich eines der ersten kombinierten Wohn- und Geschäftshäuser. Mit damals modernsten Konstruktionsmethoden (Eisenträger) und einer avantgardistischen Ausstattung erregte es überregional Aufsehen. Das "Haus Bernheimer" war nicht nur ein luxuriöser Kauftempel, sondern auch ein Statement: Lehmann Bernheimer betonte seinen städtebaulichen Gestaltungswillen als jüdisch-deutscher Staatsbürger, mit dem er sich selbstbewusst für die Allgemeinheit einbringen wollte. Der Platz wurde zu einer der ersten Adressen der Stadt.
Bis 1900 entstanden hier das Münchner Künstlerhaus, die Hauptsynagoge der jüdischen Kultusgemeinde und anstelle der obsoleten Börse die neue Hauptfiliale der Deutschen Bank. Im Februar 1897 kam es zu einem Feuer im Untergeschoss, bei dem der Warenbestand und Teile des Gebäudes schwer beschädigt wurden. Zu Pfingsten 1897 konnte das Geschäft wieder eröffnet werden, beim Umbau wurde das rückseitige Cafégebäude in das Gebäude integriert. Als das Geschäft wuchs, reichten die Räume erneut nicht. Daher wurde 1909/10 das Geschäftshaus um einen rückseitigen Neubau zur Ottostraße ergänzt, wofür das "Englische Café" endgültig weichen musste.
Lehmann Bernheimer führte seinen Sohn Otto Bernheimer (1877-1960) nach und nach in das Unternehmen ein. Als er am 29. Mai 1918 die Augen schloss, lag auch seine Welt, jene "gute alte Zeit" mit Königen, Kunst und unbeschwertem Optimismus im weiß-blauen Himmel bereits im Sterben. Er liegt neben seiner Ehefrau auf dem Neuen jüdischen Friedhof von München, auf dem auch viele andere einflussreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Kommerz und Politik ihre letzte Ruhe gefunden haben. Otto Bernheimer übernahm das Geschäft und überstand sowohl die Münchner Räterepublik 1919, wie auch die schwierigen Jahre der Inflation und Wirtschaftskrisen. Die großen Münchner Warenhäuser blieben den völkischen Kreisen ein Dorn im Auge: Sie wetterten gegen die "jüdische Kaufhauskultur", da sie den deutschen Einzelhandel zerstöre - wobei sie geflissentlich ignorierten, dass die jüdische Unternehmer natürlich alles selbst Deutsche waren, und Kaufhäuser erwiesenermaßen durch ihre Magnetwirkung auch dem umgebenden Einzelhandel zugute kamen. Nach der NS-Machtübernahme 1933 blieb der Betrieb zunächst dadurch geschützt, dass Otto Bernheimer ein Honorarkonsul von Mexiko war. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde das Unternehmen jedoch "arisiert", die Familie Bernheimer zunächst im KZ Dachau inhaftiert und dann in die Emigration gezwungen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kaufhaus schwer beschädigt. Nach dem Krieg erhielt es Otto Bernheimer im Rahmen der Restitution zurückerstattet, er ließ es in vereinfachter Form wiederaufbauen und vermietete große Teile. In das Erdgeschoss zog das "Filmtheater am Lenbachplatz" ein, das 1980 zu einem Nachtklub wurde. Otto Bernheimer baute das Familiengeschäft wieder auf und wandelte es zu einem reinen Antiquitäten- und Kunsthandel um. Sein Enkel Konrad übernahm das Geschäft 1977 und spezialisierte es auf Kunst vom 16. bis 19. Jahrhundert ("Bernheimer Fine Old Masters"). 1987 verkaufte Konrad O. Bernheimer das Gebäude an den später bankrott gegangenen Bauunternehmer Jürgen Schneider. Nach dem Umbau erstrahlt das Gebäude wieder in seinem alten Glanz und dominiert wie ehedem die Sichtachse vom nördlichen Stachus auf den Lenbachplatz. Heute sind im "Lenbach-Palais" Läden, Büros und ein Restaurant unterbracht.
(Patrick Charell | Stefan W. Römmelt)
Bilder
Literatur
- Konrad O. Bernheimer: Narwalzahn und Alte Meister. Hoffmann und Campe 2013.
- Stadt Münsingen (Hg.): Juden und ihre Heimat Buttenhausen. Münsingen 1988..
- Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verein (Hg.): München und seine Bauten. München 1912. Unverän. nachd. hg. vom Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Verband e.V., München 1978.
- Josef H. Biller / hans-Peter Rasp: München Kunst & Kultur. Stadtführer und Handbuch. München 2003, S. 204.
Weiterführende Links
Quellen
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