Biografien
Menschen aus Bayern

Max Süßheim Politiker, SPD-Landtagsabgeordneter

geboren: 20.07.1876, Nürnberg
gestorben: 01.03.1933, Nürnberg

Wirkungsort: Nürnberg | München

Max Süßheim, Sohn eines erfolgreichen jüdischen Hopfenhändlers, wuchs in einem liberalen Umfeld auf, obwohl seine Mutter religiös war. Sein Großvater war David Morgenstern (1814-1882), der erste jüdische Abgeordneter in Bayern, sein jüngerer Bruder der Orientalist Prof. Karl Süßheim (1878-1947) . Entgegen den Erwartungen seines Vaters entschied sich Max Süßheim für ein Jurastudium und wurde später ein engagierter Sozialdemokrat. Von 1907 bis 1920 saß er als SPD-Abgeordneter für den Wahlkreis Nürnberg im bayerischen Landtag. Nach dem Sturz der Monarchie war er Mitglied im Provisorischen Nationalrat und danach erneut im Bayerischen Landtag. Bis zu seinem Tod durch einen Herzinfarkt 1933 blieb er eine prägende Figur des öffentlichen Lebens in Nürnberg. Er engagierte sich in verschiedenen kulturellen und politischen Bereichen seiner Vaterstadt, außerdem kämpfte er gegen den wachsenden Einfluss der Nationalsozialisten.

Max Süßheim war der älteste Sohn des erfolgreichen jüdischen Hopfenhändlers Sigmund Süßheim (1836-1910) und wurde in Nürnberg geboren. Seine Mutter Clara geb. Morgenstern war die jüngste Tochter des Politikers und Juristen David Morgenstern (1814-1882), der als erster jüdischer Landtagsabgeordneter Bayerns für die Emanzipation der jüdischen Staatsbürger einsetzte. Obwohl seine Mutter persönlich sehr religiös war und dafür sorgte dass er zunächst eine Israelitische Volksschule mit Hebräischunterricht besuchte, wuchs Max Süßheim in einem liberal-säkularem Umfeld aus. Obwohl Sigmund Süßheim wohl hoffte, dass einer seiner Söhne den Hopfenhandel weiterführen würde, entschieden sich seine Nachkommen für völlig andere Berufe: Der jüngere Bruder Prof. Karl Süßheim (1878-1947) wurde Orientalist und Sprachwissenschaftler, Max Süßheim jedoch begann nach dem Abitur ein Jurastudium in München, wo er im Jahr 1898 als Rechtspraktikant mit seiner Dissertation "Die Begünstigung" promoviert wurde. Außerdem studierte er Philosophie an der Universität Erlangen und promovierte dort im Jahr 1900 ein zweites Mal. Von 1898 bis 1901 sammelte Max Süßheim als Rechtspraktikant in München, Füssen und Kempten praktische Berufserfahrung. Im Februar 1902 eröffnete Süßheim in Fürth eine eigene Kanzlei, die er jedoch schon im folgenden Herbst nach Nürnberg verlegte.

In Nürnberg trat Max Süßheim 1903 in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein und engagierte sich aktiv als Kommunalpolitiker. Von 1907 bis 1920 saß er als Abgeordneter der SPD für den Wahlkreis Nürnberg im bayerischen Landtag. Von 1914 bis 1919 war er Gemeindebevollmächtigter und von 1919 bis 1933 als führender SPD-Politiker Mitglied und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat seiner Heimatstadt Nürnberg. Süßheim war ein strikter Gegner des Ersten Weltkriegs und Wortführer der anschließenden Revolution in Nürnberg. Er galt als der bedeutendste jüdische Politiker im Nürnberg des frühen 20. Jahrhunderts. Nach dem Sturz der Monarchie war er 1918/19 Mitglied des Provisorischen Nationalrats und gehörte dem Staatsgerichtshof an, später saß er erneut als gewählter Abgeordneter im Bayerischen Landtag.

In seiner Vaterstadt gehörte er am 20. Juli 1921 mit dem damaligen Oberbürgermeister Hermann Luppe (1874-1945) und dem Fabrikanten Siegfried Guggenheimer (1875-1938) zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Verein der Freunde der Handelshochschule Nürnberg. Außerdem wirkte Süßheim als Pfleger des Konservatoriums, der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs Nürnberg. Als Anwalt vertrat er Bürgermeister Lippe bei dessen Prozess gegen Julius Streicher und seine Hetzkampagnen. Max Süßheim verstarb während eines Spaziergangs an einem Herzinfarkt. Bei seiner Grablegung hielt Bürgermeister Hermann Luppe die Trauerrede und beklagte den wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft. Süßheims Frau Hedwig nahm sich am Tag nach dem Novemberpogrom 1938 das Leben. Ein Weg zwischen Pegnitztal und Westfriedhof ist zu ihrer beiden Erinnerung als Süßheimweg benannt.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Dominik Radlmaier: Die Süßheims in Nürnberg, Geschichte der Familie und ihrer Sammlung von den Gründerjahren bis in die NS-Zeit, in: Michael Diefenbacher (Hg.): Die Süßheims, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler, Sammler. Nürnberg 2018, S. 55-197.
  • Dieter Rossmeissl: Max Süßheim, Politiker. In: Christoph von Imhoff (Hg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. 2. Aufl. Nürnberg 1989, S. 361-362.
  • Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Tübingen 1968 (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts 68), S. 174.

GND: 134255542