Ludwig Ritter von Gerngros entstammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen und wuchs in der jüdischen Kultusgemeinde von Baiersdorf aus. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann zog er nach Nürnberg und eröffnete dort eine erfolgreiche Hopfengroßhandlung. Sein jüngerer Bruder Philipp Wilhelm (von) Gerngros wurde Teilhaber der Firma. Ludwig von Gerngros etablierte sich im Großbürgertum und engagierte sich als Mäzen. Unter anderem stiftete er mit seiner Frau Julie geb. Tuchmann (1845-1923) den Abguss des barocken Neptunbrunnens, der heute im Nürnberger Stadtpark steht. Ludwig von Gerngros erhielt viele Auszeichnungen, darunter die Ehrenbürgerschaft von Nürnberg und Baiersdorf sowie den bayerischen Kronenorden mit dem persönlichen Adelstitel.
Ludwig Gerngros' Eltern waren der Färber Ephraim Hirsch Gerngros (1803-?) und Clara geb. Bonté (Daten unbekannt). Ephraim Gerngros stammte aus Treuchtlingen und lebte seit 1830 in Baiersdorf. Auch wenn der Färberberuf nicht viel einbrachte und die Lebensumstände gewiss dürftig blieben, war Ephraim dennoch ein angesehenes Mitglied der jüdischen Kultusgemeinde Baiersdorf. Ludwig besuchte die Israelitische Volksschule im Ort, anschließend ging er auf die Handelsschule in Fürth und begann eine Lehre im Handelshaus Mayer Kohn. 1864 zog er nach Nürnberg und gründete zusammen mit Moritz Frauenfeld eine Hopfengroßhandlung mit Niederlassung in Baiersdorf. Sein jüngerer Bruder Philipp Wilhelm (von) Gerngros wurde ein Teilhaber der Firma. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Nürnberg zum Zentrum des bayerischen Hopfenhandels; von hier aus wurden nicht nur deutsche, sondern auch europäische und amerikanische Industriebrauereien beliefert. Der Handel mit Hopfen hatte schon seit Jahrhunderten zum Geschäftsfeld der mobilen "Handelsjuden" gehört, daher konzentrierte sich auch der moderne Großhandel mehrheitlich auf jüdische Firmen. Am 11. März 1866 heiratete Ludwig Gerngros die Uehlfelderin Julie Tuchmann (1845-1923), die Ehe blieb kinderlos. Ludwig Gerngros war derart erfolgreich, dass er sich 1899 als Pensionär vom aktiven Berufsleben zurückziehen konnte.
Durch seinen wirtschaftlichen Erfolg zählte Ludwig Gerngros zu den Honoratioren der Stadt und war fest in der Gesellschaft etabliert. Er gehörte seit etwa 1890 bis zu seinem Tod 1916 der "Morgengesellschaft" an, einem Gesprächskreis liberal gesinnter großbürgerlicher Sponsoren, die sich von 1830 bis 1931 im Gasthaus Lutzgarten in Großreuth versammelten. Er betrachtete sich in erster Linie als patriotischer deutscher Staatsbürger und zeigte dass auch öffentlich: Er war Mitglied im Geschichtsverein der Stadt Nürnberg und 1902 Ehrenmitglied im Künstlerverein. Ab 1908 saß er im Verwaltungsausschuss des 1852 gegründeten Germanischen Nationalmuseums, dass er auch stets finanziell förderte. Gerngros unterstützte das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Nürnberger Egidienberg, den Bau des Künstlerhauses, des Ludwigseisenbahndenkmals und machte weitere künstlerische sowie wohltätige Stiftungen. Zusammen mit seiner Gemahlin hatte er 1896 einen Abguss des Neptunbrunnens gestiftet, welcher 1797 für 66.000 Gulden von der Stadt an den russischen Zaren verkauft wurde und heute im Park von Schloss Peterhof bei St. Petersburg steht. Der Abguss von Ernst Lenz und Friedrich Wanderer wurde am 22. Oktober 1902 auf dem Hauptmarkt eingeweiht. In Baiersdorf unterstützte Gerngros das "Seligmann'sche Kinderhaus", eine interkonfessionelle Einrichtung für notleidende Kinder. Am Geburtshaus in der Forchheimer Straße 3 erinnert eine Gedenktafel an Ludwig und Wilhelm Gerngros, die während des NS-Regimes abgehängt wurde.
Ludwig Gerngros erhielt für sein Engagement zahlreiche Ehrungen: Prinzregent Luitpold verlieh ihm den Titel eines Kommerzienrats, später noch den Michaelsorden und den Kronenorden, verbunden mit einem persönlichen Adelstitel. Im Jahr 1901 wurde er Ehrenbürger der Stadt Nürnberg und von Baiersdorf. 1909 erhielt er zum 70. Geburtstag die goldene Bürgermedaille (71,5 g Gold!). Als Ludwig Ritter von Gerngros im Jahr 1916 verstarb, ließ ihm die Kommune Nürnberg auf dem Neuen jüdischen Friedhof ein prunkvolles Ehrengrab errichten. Die Trauerrede anlässlich des großen Ehrenbegräbnisses hielt der Nürnberger Oberbürgermeister (und spätere Reichswehrminister der Weimarer Republik) Otto Geßler.
Die Gerngrosstraße im Nürnberger Bezirk Schleifweg ist nach ihm benannt. Aus ideologischen Gründen ließen die Nationalsozialisten den "jüdischen" Neptunbrunnen 1934 abbauen und später auf dem damaligen Schlageterplatz, dem heutigen Willy-Brandt-Platz, aufbauen. 1962 wurde der Brunnen in den Stadtpark versetzt. Der bisher letzte Versuch, ihn wieder auf dem Hauptmarkt aufzubauen, scheiterte 2012.
(Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Lilian Harlander / Bernhard Purin: "Wegen der israelitischen Feiertage geschah gestern und heute im Hopfengeschäft nichts…". Über jüdische Hopfenhändler in Bayern. In: Lilian Harlander / Bernhard Purim (Hg.): AK Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten. München 2016, S. 53-69.
- Miachel Diefenbacher / Rudolf Endres (Hg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 1999, S. 334.
Weiterführende Links
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