Philipp Wilhelm Gerngros entstammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen und wuchs in der jüdischen Kultusgemeinde von Baiersdorf aus. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann zog er nach Nürnberg und wurde Teilhaber in der erfolgreichen Hopfengroßhandlung seines Bruders Ludwig (von) Gerngros. Nach dessen Rückzug führte er die Firma noch einige Jahre alleine weiter. Ähnlich wie sein Bruder erwarb Wilhelm große Verdienste als wohltätiger Stifter und Kunstmäzen. Unter anderem engagierte er sich als Schatzmeister für die Bayerische Landes-Gewerbe-, Industrie- und Kunstausstellung im Jahr 1906. Wilhelm Gerngros erhielt viele Auszeichnungen, darunter die Ehrenbürgerschaft von Baiersdorf sowie 1913 den bayerischen Kronenorden mit dem persönlichen Adelstitel.
Philipp Wilhelm Gerngros (zumeist wird nur der zweite Vorname verwendet) kam in Baiersdorf zur Welt. Seine Eltern waren der Färber Ephraim Hirsch Gerngros (1803-?) und Clara geb. Bonté (Daten unbekannt). Ephraim Gerngros stammte aus Treuchtlingen und lebte seit 1830 in Baiersdorf. Auch wenn der Färberberuf nicht viel einbrachte und die Lebensumstände gewiss dürftig blieben, war Ephraim dennoch ein angesehenes Mitglied der jüdischen Kultusgemeinde. Wilhelm besuchte die Israelitische Volksschule im Ort und ging zunächst auf die Handelsschule in Fürth. 1866 wurde er Teilhaber in der Hopfengroßhandlung seines älteren Bruders Ludwig (von) Gerngros. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Nürnberg zum Zentrum des bayerischen Hopfenhandels; von hier aus wurden nicht nur deutsche, sondern auch europäische und amerikanische Industriebrauereien beliefert. Der Handel mit Hopfen hatte schon seit Jahrhunderten zum Geschäftsfeld der mobilen "Handelsjuden" gehört, daher konzentrierte sich auch der moderne Großhandel mehrheitlich auf jüdische Firmen. Am 30. Mai 1869 heiratete Wilhelm Gerngros in Baiersdorf die gebürtige US-Amerikanerin Emilie "Milly" geb. Frauenfeld (1848-1905). Die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Rückzug seines Bruders führte Wilhelm die Hopfenhandlung noch einige Jahre alleine weiter.
Im Jahr 1900 wurde er von Prinzregent Luitpold zum Kommerzienrat ernannt und begann seine Tätigkeit als Handelsrichter. Sein ökonomischer Erfolg ermöglichte ihm, sich wie sein Bruder kunstsinnigen und wohltätigen Neigungen zu widmen. Wilhelm Gerngros engagierte sich unter anderem als Schatzmeister der Bayerischen Landes-Gewerbe-Industrie- und Kunstausstellung 1906 und die Stiftung "Prinzregent-Luitpold-Spende" 1912 für Münchner Kunstschaffende aus den Bereichen der Bildenden und Angewandten Kunst. Er förderte auch die Lungenheilanstalt Engelthal, das Nürnberger Künstlerhaus, das Germanische Nationalmuseum (in dessen Vorstand sein Bruder Ludwig saß) sowie die Kunstgenossenschaft. Zu diesem Zweck richtete er anlässlich des Todes seiner Frau 1905 die "Wilhelm und Milly Gerngros Stiftung" ein. In Baiersdorf unterstützten die Brüder Ludwig und Wilhelm Gerngros das "Seligmann'sche Kinderheim", eine interkonfessionelle Einrichtung für arme Kinder. Wilhelm finanzierte dort außerdem eine Stiftung für die Freiwillige Feuerwehr. Am Geburtshaus in der Forchheimer Straße 3 erinnert eine Gedenktafel an Ludwig und Wilhelm Gerngros, die während des NS-Regimes abgehängt wurde. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil, darunter 1905 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Baiersdorf, 1913 zum 70. Geburtstag die Goldene Bürgermedaille der Stadt Nürnberg und noch im selben Jahr der bayerische Kronenorden mit der Erhebung in den persönlichen Adelsstand.
(Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Lilian Harlander / Bernhard Purin: "Wegen der israelitischen Feiertage geschah gestern und heute im Hopfengeschäft nichts…". Über jüdische Hopfenhändler in Bayern. In: Lilian Harlander / Bernhard Purim (Hg.): AK Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten. München 2016, S. 53-69.
- Miachel Diefenbacher / Rudolf Endres (Hg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 1999, S. 334.
GND: 116589566