Biografien
Menschen aus Bayern

Joachim Fromm Hopfenhändler

geboren: 05.09.1816, Fischach
gestorben: 23.01.1885, Nürnberg

Wirkungsort: Augsburg | München

Joachim Fromm, der ursprünglich aus Fischach stammt und dort 1816 geboren wurde, gründete 1872 in Augsburg eine Firma für Hopfenhandel und Hopfenpräparation. Schon wenige Jahre nach Gründung übernahmen seine Söhne das Unternehmen und expandierten nach München. Unter Joachims Enkeln wurden schließlich vermehrt Geschäfte mit dem Ausland betrieben, bis sie und ihre Familien während des Nationalsozialismus zur Auswanderung gezwungen waren. Nach dem Krieg bestand das Unternehmen bis 1998 fort.

Joachim Fromm wurde am 05. September 1816 in Fischach, einer Marktgemeinde mit langer jüdischer Geschichte in der Nähe von Augsburg, geboren. Am 19. Juli 1842 heiratete er Emilie Götz (1819-1871). Das Ehepaar bekam insgesamt 10 Kinder. Für sein Unternehmen relevant sind die Söhne Jakob (1843-1923), David (geb. 1818) und Gustav (1849-1916) Am 24. April 1871 starb seine Ehefrau Emilie im Alter von nur 51 Jahren. Joachim Fromm starb am 23. Januar 1885 im Alter von 68 Jahren in Nürnberg.

Im Jahr 1872 zog Fromm nach Augsburg und gründet dort im selben Jahr mit 8000 Gulden Startkapital eine Firma, die sich auf Hopfenhandel und Hopfenpräparation spezialisierte. Über die Jahre davor gibt es keine eindeutigen Nachweise darüber, was er gearbeitet hat. Einigen Quellen zufolge soll Fromm zuerst Stoffhändler gewesen sein. Die familieninternen Überlieferungen geben hierbei an, dass sein Unternehmen bereits 1845 gegründet worden sein soll. Ein erstes schriftliches Dokument zu der Firma liegt jedoch erst aus dem Jahr 1872 vor, dem Jahr, in dem er nach Augsburg zog. Zwischen 1880 und 1882 übernahmen Joachims Söhne Jakob, David und Gustav die Geschäfte. Die ersten beiden gründeten 1887 einen Firmenableger in München, zwei Jahre später erfuhr die Joachim Fromm OHG einen Eintrag im Münchner Handelsregister. Den Hauptsitz in Augsburg hatte währenddessen der jüngste der drei Söhne, Gustav, übernommen. 1901 stieg Adolf Fromm, der Sohn von Gustavs Bruder David und Enkel von Firmengründer Joachim Fromm, in das Unternehmen ein. Dieser und sein Vetter übernahmen schließlich in dritter Generation zwischen 1912 und 1913 die Geschäfte.

Unter Adolf Fromm begann das Unternehmen vermehrt, in den Auslandshandel zu investieren, zum einen in andere Teile Europas, zum anderen aber auch nach Mittel- und Südamerika. Mutmaßlich als Reaktion auf die Herausforderungen der zunehmenden Inflation schloss sich die Joachim Fromm OHG 1923 mit anderen Unternehmen der gleichen Wirtschaftssparte zusammen. Aufgrund des zunehmendem Drucks durch die Nationalsozialisten und einem Zwang zur Aufgabe des Geschäfts entschied sich Adolf Fromm schließlich, mit seiner Frau Selma und seinen Kindern nach Brasilien auszuwandern. Nach dem Krieg konnte das Unternehmen durch die nachfolgenden Generationen wieder aufgebaut werden. In den 50er Jahren wurde die es in Fromm, Mayer-Bass GmbH umbenannt, was somit auch die anderen Firmen inkludierte, die sich 1923 zusammengeschlossen hatten. Nach zunehmend erschwerenden Umweltauflagen im Stadtgebiet Münchens verlegte man 1966 die Produktion und das Hopfenlager nach Wolnzach, welches mitten im Hopfenanbaugebiet Hallertau gelegen ist. Mit der endgültigen Schließung des Firmensitzes in München 1998 und einer bereits zuvor getätigten Übernahme der Produktion durch die Simon H. Steiner Hopfen GmbH endete jedoch der Fortbestand des von Joachim Fromm gegründeten Unternehmens.


(Moritz Fischer)

Literatur

  • Bernhard Schoßig/Gudrun Azar: Ins Licht gerückt. Jüdische Lebenswege im Münchner Westen. München 2008, S. 73-84.

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