Der Name Adolf Hirsch ist eng mit der berühmten Warenhauskette "Hermann Tietz GmbH" verbunden, denn seit 1893 leitete Hirsch die große Landshuter Filiale, konnte sie sogar erwerben und errichtete in der Theaterstraße einen repräsentativen Neubau. Hirsch war nicht nur der bedeutendste und wohlhabendste Landshuter Geschäftsmann seiner Zeit, sondern eine geachtete Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Er machte sich als Wohltäter und Finanzier zahlreicher sozialer Einrichtungen um das Gemeinwohl der Stadt sehr verdient. Nach der NS-Machtübernahme 1933 wurde seine Geschäftsgrundlage Stück für Stück beschnitten und 1938 das Warenhaus "arisiert". 1942 kam Adolf Hirsch in Haft und wurde in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er ums Leben kam. Hirsch hatte 1897 in Dresden die Fabrikantentochter Cäcilie "Cilly" geb. Ließmann (1876-1941) geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.
Adolf, eigentlich Abraham Hirsch stammte aus der damals ostpreußischen Stadt Znin im Regierungsbezirk Bromberg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung führten ihn seine Wege nach Stuttgart, wo er sich als erfolgreicher (Textil-)Kaufmann einen Namen machte. Als im Jahr 1892 Oscar Tietz in Landshut eine Filiale seiner Warenhauskette eröffnete, wurde Adolf Hirsch als Leiter angeworben. Er zog in die alte bayerische Herzogsstadt, heiratete jedoch am 9. Juni 1897 in Dresden die aus Koblenz gebürtige Fabrikantentochter Cäcilie "Cilly" Ließmann (1876-1941). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, die alle in Landshut zur Welt kamen: Kurt (1898-1978), Edith (1900-1942) und Erich Hermann (1909-1916).
Im Zuge seiner sehr erfolgreichen Geschäftstätigkeit war es Adolf Hirsch möglich, am 9. Juni 1899 das Landshuter Filialgeschäft zu erwerben. Der Firmenname wurde nur leicht verändert: "Hermann Tietz Nachfolger", weil Tietz inzwischen in ganz Deutschland einen guten Ruf genoss und Kunden anlockte. Anfang März 1900 kaufte Hirsch den Gasthof "Zur Goldenen Traube", den er mitsamt seinen Nebengebäuden abreißen lies. Auf der Baufläche errichtete er unter der Adresse Theaterstraße 55-57 einen repräsentativen Neubau für sein Kaufhaus. Der Geschäftsbetrieb eröffnete im Jahr 1901.
Adolf Hirsch wurde im Laufe seines Lebens in Landshut zu einer sehr geachteten Persönlichkeit. Er gehörte zu den wohlhabendsten Leuten in Landshut und der Umgebung. Dabei machte er sich als Wohltäter und Finanzier zahlreicher sozialer Einrichtungen sehr verdient um das Gemeinwohl der Stadt. Dazu förderte er zahlreiche Vereine, besonders die Landshuter Turngemeinde, weswegen er bereits im Jahr 1919 zum deren Ehrenmitglied ernannt wurde. Anlässlich des 50. Jubiläums des Turnvereins ließ Hirsch noch im Mai 1941 auf eigene Kosten die Jägerhalle dekorieren und eine Bühne mit Elektrotechnik ausstatten.
Das Ehepaar Hirsch wohnte zuerst in der Theaterstraße direkt am Geschäft, ab dem 2. Januar 1929 in einer eigenen Villa mit 7000 qm Grund am Annaberg (heute Brühfeldweg 18), nach späterer Aussage der NS-Kreisleitung "der schönste Besitz in Landshut". Mit fortgeschrittenem Alter übergab Adolf Hirsch das Kaufhaus an seinen Schwiegersohn, den späteren Verleger Dr. Richard Landauer (1882-1960), und an den Geschäftspartner Helmut Teichner (dessen Bruder Hans Teichner wurde später in den USA als Skifahrer berühmt). Beide fungierten als Gesellschafter.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begannen Repressalien und eine zunehmende Entrechtung. 1936 wurde das Kaufhaus "Hermann Tietz" mit Hetzplakaten beklebt, die zum Boykott aufriefen. Im Zuge der "Arisierungen" übernahm Dr. August Brandl das Unternehmen und eröffnete es am 18. November 1938 unter dem Neuen Namen "Modehaus Brandl". Am 18. Januar 1939 musste Adolf Hirsch den Namen "Israel" und seine Frau den Vornamen "Sarah" annehmen. Weil in seiner Geburtsurkunde nur der hebräische Vorname Abraham eingetragen war, wollten ihm die NS-Machthaber den "deutschen" Vornamen Adolf aberkennen. Letztlich trug seine Kennkarte den Namen "Adolf Abraham Israel". Das Ehepaar Hirsch plante wohl die Auswanderung, doch dazu kam es nicht. Ein Grund war auch, dass sie zahlreiche Bekannte, freunde und Verwandte in den Arbeits- und Konzentrationslagern mit Lebensmittelpäckchen versorgte und dies nur von deutschem Boden aus möglich blieb.
Das Ehepaar Hirsch wurde 1941 denunziert, dass sie eine größere Menge an Geld in ihrem Wohnhaus am Brühfeldweg 182 versteckt hätten. Cäcilie Hirsch stürzte sich bei einer Hausdurchsuchung der Gestapo 1941 aus dem Fenster ihres Schlafzimmers und wird schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Nachdem eine ebenfalls auf dieser Station liegende Ehefrau des Landshuter SA-Sturmführers Oette das Krankenhauspersonal gezwungen hatte, Cilly Hirsch aus dem gemeinsamen Krankenzimmer auf dem Flur unterzubringen, erlag sie dort ihren Verletzungen am folgenden Tag dem 30. Oktober 1941. Sie wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München im Grab des Sohnes Erich beigesetzt. Die Landshuter Hirsch-Villa ging für 110.000 Reichsmark in den Besitz der Reichspostdirektion über, wobei dieses Geld auf einem Sperrkonto ruhte.
Am 1. Juni 1942 wurde Adolf Hirsch von der Gestapo in das jüdische Altersheim nach Regensburg gebracht. Von dort aus deportierte man ihn am 23. September 1942 (Transport II/26) über Nürnberg in das Ghetto/KZ Theresienstadt deportiert. Durch die menschenunwürdigen Lebensbedingungen verstarb der 75jährige am 22. September 1943.
Kurt Hirsch studierte Musik in München, dienten im Ersten Weltkrieg und emigrierte nach seinem Abschluss nach Großbritannien. Er arbeitete als Dirigent in Südafrika, wo er auch 1978 verstarb. Die gemeinsame Tochter Edith konnte am 19. November 1938 ihrem Mann, dem Verleger Dr. Richard Landauer und den gemeinsamen Kindern Eva Maria (*1922), Stefan Klaus (*1925) und Robert Robert Klaus (*1927) nach London folgen. Dort starb sie jedoch schon Ende des Jahres 1942 an einer Lebensmittelvergiftung. An die Familie Hirsch erinnern seit 2012 Stolpersteine des Künstlers Gunther Demnig. Auch auf der Gedenktafel in der ehem. Synagoge Straubing mit den Namen der aus Landshut ermordeten Gemeindeglieder ist Adolf Hirsch verzeichnet. Das Bayerische Nationalmuseum restituierte 2023 ein silbernes Salzgefäß an Miriam Landor, Nachfahrin der Kaufmannsfamilie Hirsch-Landauer. Sie übergab es anschließend als Dauerleihgabe an das LANDSHUTmuseum.
(Mario Tamme | Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Stadtarchiv Landshut (Hg.) / Mario Tamme: "Ich bin so traurig". Das Schicksal der jüdischen Landshuter 1933-1942. Landshut 2013 (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Landshut zur Zeitgeschichte 1), S. 61-72.
Weiterführende Links
Quellen
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