Transkription

Precaria sive complacitatio domnae Chvnigvndae imperatricis auguste atque venerabilis Gvntherii Zalzpurgensis ecclesiae archiepiscopi. Anno dominicae incarnationis millesimo vigesimo quinto summe divinitatis miseratione provisum est, ut pia deoque amabilis domina Chunigunda imperatrix augusta ob amorem celestis desiderii ac ob recordationem dive memorie Heinrici imperatoris augusti scilicet senioris sui, necnon ob quoddam vite temporalis emolumentum cum consilio gloriosi Baioariorum ducis Heinrici scilicet fratris sui cunctorumque procerum et optimatum Baioarice gentis ac iudicum quasdam res sui iuris traderet in manus venerandi Guntherii Zalzpurgensis aecclesiae archiepiscopi et advocati sui Waltherii sic nominatas, id est cortem Otingun et Burchusun et IIII forestes, quorum nomina hec sunt: Otingarahart, .... (Lücke) tercius Genhaan, Hesilinstudun cum omnibus etiam ad eandem curtem Otingun pertinentibus utilitatibus, scilicet cum terris cultis et incultis, mancipiis utriusque sexus, exceptis tantum illis mancipiis, que Adelhardus, eiusdem curtis prepositus, in beneficio habuit .... quoque atque cum decimis, vineis, molendinis, silvis, pascuis, venationibus, aquis aquarumve decursibus necnon cum omnibus utensilibus, que vel dici vel nominari possunt, exceptis tantum LX mansis non illa parte Hin fluminis, ubi supradicta curtis Otingun iacet, sitis, sed in altera parte eiusdem fluminis. Econtra vero prelibatus archiepiscopus cum consilio atque consensu suorum fidelium tam clericorum quam laicorum maximeque pii ducis Heinrici suorumque optimatum retradidit deo devote imperatrici Chunigundae auguste precaria, ut supradictum est, lege cum manu advocati sui Waltherii V curtes sic nominatas: Houua, Garaza, Asgauua, Stadalara, Amphinga necnon L hobas cum mancipiis ad easdem curtes pertinentibus ....

Huiusmodi traditionis atque retraditionis testes adtracti sunt: comes Sizo iterumque Sizo, Tiemo, Gerolt comites, Ruodolf, Engiluuan, Meginhart, Dietmar, Penno, Eberaro, ...... Odelscalch, Eberhart, Aribo, Gozpreth, Eberaro. Actum Ratespone, anno primo domni Chunradi regis invictissimi.


Die von Johann Dorner für das Burghauser Urkundenbuch angefertigte Transkritpion sowie die Übersetzung wurden uns freundlicherweise vom Stadtarchiv Burghausen überlassen.

Übersetzung

Prekarienvertrag oder Übereinkunft zwischen der Frau Kunigunde, der erhabenen Kaiserin, und dem ehrwürdigen Gunther, Erzbischof der Kirche von Salzburg. Im Jahr 1025 nach Christi Geburt hat es sich durch das überaus große Erbarmen Gottes gefügt, dass die fromme und die von Gott geliebte Frau Kunigunde, die erhabene Kaiserin, gewisse Besitzungen, die ihrem Recht unterstanden, in die Hände des ehrwürdigen Gunther, des Erzbischofs von Salzburg, und seines Vogtes Walther übergeben hat. Dies geschah infolge ihrer heißen Sehnsucht nach dem Himmel und in Erinnerung an ihren Gatten seligen Angedenkens, den erhabenen Kaiser Heinrich, nämlich den älteren, und auch wegen eines gewissen Nutzens im irdischen Leben, auf den Rat Heinrichs, des ruhmreichen Herzogs der Baiern, nämlich ihres Bruders, und aller Edlen und Vornehmen des bairischen Stammes und der Richter. Die Besitzungen nennt man folgendermaßen: den Hof Landesausstellung 2012: Bayern und Österreich im Mittelaltertting und Burghausen und vier Forste, deren Namen folgende sind: Landesausstellung 2012: Bayern und Österreich im Mittelalterttingerforst, Heit, der dritte heißt Genhaan und Hesilinstudun. Die Übergabe erfolgte auch einschließlich aller Nutzungsmöglichkeiten, die zu dem genannten Hof Landesausstellung 2012: Bayern und Österreich im Mittelaltertting gehören, nämlich mit bebauten und unbebauten Ländereien, mit Hörigen beiderlei Geschlechts - ausgenommen nur jene Hörigen, die Adelhard, der Vorsteher des genannten Hofes, zu Lehen hatte - und auch mit .... sowie mit Zehnten, Weinbergen, Mühlen, Wäldern, Weiden, Jagden, stehenden und fließenden Gewässern und überhaupt mit allen nutzbaren Dingen, die man aussprechen oder mit Namen bezeichnen kann - ausgenommen nur 40 Mansen, die nicht auf jener Seite des Inn liegen, wo der oben erwähnte Hof Landesausstellung 2012: Bayern und Österreich im Mittelaltertting steht, sondern auf der anderen Seite des genannten Flusses. Andererseits aber hat der vorgenannte Erzbischof mit dem Rat und der Zustimmung seiner Getreuen, sowohl der Kleriker wie auch der Laien, und ganz besonders des frommen Herzogs Heinrich und seiner Vornehmen der gottergebenen Kaiserin Kunigunde in dem Prekarienvertrag, wie es oben dargelegt ist, durch die Hand seines Vogtes Walther als Gegenleistung 5 Höfe gegeben, die folgendermaßen heißen: Au, Gars, Aschau, Stadl und Ampfing, sowie 50 Hufen mitsamt den Hörigen, die zu diesen Höfen gehören.

Als Zeugen für diese Übergabe und Gegenleistung wurden herangezogen: der Graf Sizo und der andere Sizo, die Grafen Tiemo und Gerolt, dazu Rudolf, Engilwan, Meginhart, Dietmar, Penno, Eberar....., Utalschalk, Eberhard, Aribo, Gozpreth und Eberaro. Der Vertrag wurde abgeschlossen in Regensburg, im 1. Regierungsjahr des Herrn Konrad, des unbesiegbaren Königs.

Der Aufbau einer mittelalterlichen Urkunde

Urkunden dienten und dienen der Rechtssicherheit; feste Formeln sichern ihre Rechtswirksamkeit. Sie sind die wichtigsten Quellen für die Erforschung des Mittelalters. Geschrieben wurde sie in der königlichen Kanzlei. Die mittelalterlichen Urkunden haben einen dreiteiligen Aufbau: das eröffnende Protokoll, die Beschreibung des eigentlichen Rechtsakts im Kontext und das abschließende Eschatokoll.

Das Protokoll umfasst Chrismon und Invocatio.



Das Chrismon ist ein verschlungenes c-förmiges zeichen. Mit der Invocatio "In nomine sanctae et individuae trinitatis" wird gemäß dem mittelalterlichen herrschaftsverständnis Gott angerufen und zum Ausdruck gebracht, dass der König "im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit" handelt.



In der anschließenden Intulatio nennt sich der König oder Kaiser, hier Heinrich II. als "Heinricus divina favente clementia rex", "Heinrich, König durch Gottes wohlwollende Güte". Das ist die jahrhundertelang geltende Titulatur.

Im Kontext, dem eigentliche Kern der Urkunde, wird mit der Publicatio darauf hingewiesen, dass der Rechtsakt "allen unseren Getreuen jetzt und in Zukiunft bekanntgegben wird: "Notum sit omnibus fidelibus nostris praesentibus scilicet et futuris".
In der Arenga oder Narratio wird die Rechtsgrundlage dargelegt. Der eigentliche Inhalt der Urkunde, zum Beispiel ein Grundstücksgeschäft, ist in der Dispositio niedergelegt. nimmt ausgeführt, gefolgt von der Pertinenzformel, in der die einzelnen in Frage stehenden Rechte formelhaft aufgezählt werden.
Mit der Corroboratio endet der urkundentext. Diese lautet formelhaft so: "Et ut haec nostrae auctoritatis pagina stabilis permaneat, eam manu propria roborantes sigilli nostri impressione iussimus insigniri" – "Um der Autorität … feste und unerschütterliche Dauer zu verleihen, haben Wir befohlen, diese durch Unsere eigenen Hand durch das Eindrücken Unseres Siegels zu unterzeichnen".


Im Eschatoll steht nun die Signumzeile. In dem aus den Buchstaben seines Namens zusammengezogenen Namenszeichen setzte der Herrscher von eigener Hand den sogenannten Vollziehungsstrich ein – eine kunstvolle Unterschrift, die beeindruckt.
Damit aber noch nicht genug. Die Rekognitionszeile stellt den Kanzleivermerk dar. Sie gibt Auskunft, welcher Kanzler und Erzkapellan als Notar an der Urkunde beteiligt war.
Nun wurde das Siegel angebracht – ein Abdruck der königlichen Petschaft auf Wachs oder Metall, das an einer Schnur angehängt oder durch einen Schlitz im Pergament gedrückt wurde. Im Siegelbild bleibt der Herrscher seinen Getreuen sozusagen als Person präsent. Ab dem 11. Jahrhundert zeigt es den Herrscher meist auf dem Thron sitzend.


Abgeschlossen wird das Eschatokoll mit Datum und Actum, also Ausstellungsdatum und Ausstellungsort, wobei die Datierung höchst kompliziert war. Angegeben werden die christliche Zeitrechnung, die antik-kaiserliche Steuereinteilung, genannt "Indiktion" sowie die eigenen Herrscherjahre. Das hier gezeigte Beisiel ist datiert auf: "Data kal. iul. anno dominicae incarnationis MII, indictione XV, anno vero domni Heinrici regis I; actum Suntheime", also "Gegeben an den Kalenden des Juli im Jahr 1002 der Fleischwerdung des Herrn (=1.7.1002), in der 15. Indiktion, im ersten Jahr des Herrn Königs Heinrich, geschehen zu Sontheim".


(Haus der Bayerischen Geschichte, www.hdbg.de.)




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