Der Kriegszug der Ligatruppen bis zur Schlacht am Weißen Berg bei Prag


Quelle: Der Winterkönig, Landesausstellung 2003

Signatur: WINT-LA-2003-08

Entwurf: Haus der Bayerischen Geschichte / Peter Wolf und Stefan Lippold
Grafik: Würth & Winderoll

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Beschreibung:

Rund 30000 Mann hatten Herzog Maximilian von Bayern und die Liga bei Dillingen für den Kriegszug gegen Friedrich V. gesammelt. Am 13. Juli brachen Maximilian und die Truppen mit General Tilly an der Spitze auf. Am 17. standen sie in Schärding. Sie wurden begleitet von Jesuitenpredigern, viele Messen wurden auf dem Marsch gelesen und die zwölf größten Kanonen waren nach den Aposteln benannt. Tilly, auch der ?geharnischte Mönch? genannt, und Herzog Maximilian waren zweifellos auch von religiösem Eifer erfüllt, ob dies jedoch für ihre Truppe in gleichem Umfang gilt, ist zumindest fraglich: Die Söldner stammten aus ganz Europa. Für viele war die Aussicht auf Plünderungsgut ein wichtiger Antrieb.
Am 21. Juli drangen erste Truppenteile der Liga nach Oberösterreich ein, wo sich die protestantischen Landstände mit Friedrich solidarisiert hatten und aufständische Bauern wichtige Orte besetzt hielten. Über Haag, Ried und Wels rückte das ligistische Heer auf Linz vor, wo die oberösterreichischen Stände am 20. August Maximilian huldigen mussten. Vier Tage später erreichte der Herzog Freystadt, wo er Friedrich ein letztes Friedensangebot machte. Friedrich lehnte ab. Von dort aus machte Maximilian sich in Richtung Neupölla auf, wo die Vereinigung mit dem kaiserlichen Heer unter Buquoy stattfinden sollte. Dabei betrat die Armee erstmals böhmischen Boden. Am 9. September fand die Vereinigung der Heere statt, rund 50000 Mann rückten nun gegen Böhmen vor. Nach der Einnahme von Horn und Eggenburg marschierten das ligistische und das kaiserliche Heer in Böhmen ein. Hier erreichten die Truppen am 22. September Budweis, wo ein 8000 Mann starker spanischer Hilfstrupp zu ihnen stieß.
Am 26. September war Wodnian in der Hand der Liga, am 1. Oktober trafen die Truppen in Strakonitz ein, am 12. kapitulierte Taus, am gleichen Tag wurde auch Klattau eingenommen. Einen Tag später wurde in Liditz (Litice) das neue Hauptquartier aufgeschlagen. Das böhmische Heer stand zu diesem Zeitpunkt im nicht weit entfernten Rokitzan. Beim weiteren Vormarsch auf Prag häuften sich die Zusammenstöße mit dem gegnerischen Heer. Als sich, kurz vor Prag, die böhmischen Truppen auf den Weißen Berg zurückzogen, verließ sich Maximilian ? entgegen der militärischen Logik ? auf seinen Instinkt und griff an. Am 8. November errang er in der Schlacht am Weißen Berg den entscheidenden Sieg und marschierte kurz darauf in Prag ein. Friedrich und seine Familie waren zu diesem Zeitpunkt bereits aus der Stadt geflohen.
Der Kriegszug der Liga ging relativ schnell vor sich; es kam nur zu wenigen Schlachten. Trotzdem erreichte von anfänglich rund 30000 Soldaten nur ein kleinerer Teil den Weißen Berg, vielleicht rund 10000. Der Hauptgrund für diesen außergewöhnlichen Schwund des Heeres auf einem ansonsten relativ verlustarmen Feldzug ist in den Krankheiten zu suchen, die das Lager der Liga-Truppen heimsuchten. Zeitgenossen berichten vom ?ungarischen Fieber? oder ?Kopffieber?, dem tausende Soldaten und Begleiter des Heeres zum Opfer fielen. Zum Teil sind diese Epidemien dem kalten Herbstwetter geschuldet: Aus einem Bericht ist zu entnehmen, dass in der kalten Nacht zum 26. Oktober rund 1000 Soldaten erkrankten. Ein wichtigerer Grund aber war der Hunger: Für ihre Versorgung waren die Heere auf die Plünderung von Dörfern angewiesen.
Die Zivilbevölkerung hatte deshalb am meisten zu leiden. Durch den schon zwei Jahre dauernden Krieg waren weite Teile des Landes verwüstet, und auch beim Zug gegen Friedrich blieb ?kaum ein von Truppen berührter Ort in Böhmen von Plünderung verschont? (Riezler, S. 93). Auch von Gräueltaten der Soldaten wird berichtet. Das abschreckendste Beispiel dafür ist der Fall Píseks: Die Stadt war am 30. September von der bayerischen und kaiserlichen Armee beschossen worden, nachdem sie sich geweigert hatte, ihre Tore den Eroberern zu öffnen. Schließlich hatte man sich zu Verhandlungen bereit erklärt. Doch während der Gespräche fielen wallonische und kroatische Söldner in der Stadt ein und richteten ein Blutbad unter der Bevölkerung an.
Auch wenn der Feldzug der Liga und des Kaisers gegen Böhmen im Sommer und Herbst 1620 nur ein relativ kurzer Krieg war: Er forderte viele Opfer und hinterließ in Böhmen eine Spur der Verwüstung.

Daten:
13. Juli 1620: Aufbruch des Liga-Heeres aus Dillingen
21. Juli: Beginn der Kampfhandlungen mit Einmarsch in Oberösterreich
20. August: Huldigung der oberösterreichischen Stände in Linz
24. August: Ankunft Maximilians in Freystadt
9. September: Vereinigung des ligistischen mit dem kaiserlichen Heer bei Neupölla
22. September: Einmarsch in Böhmen, bei Budweis Vereinigung mit spanischem Hilfskorps
25./26. September: Einnahme von Wodnian
1. Oktober: Eintreffen der Armeen in Strakonitz
12. Oktober: Einnahme von Klattau
Mitte/Ende Oktober: Erster Kontakt mit dem böhmischen Hauptheer
7. November: Böhmen ziehen sich auf den Weißen Berg zurück
8. November: Sieg der katholischen Heere in der Schlacht am Weißen Berg


Text: Marcus Golling

Literatur:

  • Kaiser, Michael: Politik und Kriegführung. Maximilian von Bayern, Tilly und die Katholische Liga im Dreißigjährigen Krieg, Münster 1999 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 28)
  • Peters, Jan: Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg. Eine Quelle zur Sozialgeschichte, Berlin 1993
  • Edel, Andreas: Auf dem Weg in den Krieg. Zur Vorgeschichte der Intervention Herzog Maximilians I. von Bayern in Österreich und Böhmen 1620, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 65 (2002), S. 157-251