Konfessionsverteilung in Europa zur Zeit Friedrichs V. (um 1618)
Quelle: Der Winterkönig, Landesausstellung 2003
Signatur: WINT-LA-2003-02
Entwurf: Haus der Bayerischen Geschichte / Peter Wolf und Stefan Lippold
Grafik: Würth & Winderoll
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Beschreibung:
Kurztext:
Im Reformationszeitalter bildeten sich drei große Konfessionen heraus ? die Katholiken, die Lutheraner und die Kalvinisten bzw. Reformierten. Der Konflikt zwischen diesen Konfessionen spitzte sich vor allem seit den 1580er Jahren immer mehr zu. Im Heiligen Römischen Reich entstanden mit der von der Kurpfalz angeführten protestantischen Union (1608) und der unter dem bayerischen Oberbefehl stehenden katholischen Liga (1609) zwei konfessionelle militärische Machtbündnisse.
Ausführliche Information:
Als ?gesellschaftlicher Fundamentalprozess? erfasste die Konfessionalisierung des 16. und 17. Jahrhunderts nahezu alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens und veränderte diese tief greifend. Nach der ?Initialzündung? der Veröffentlichung der Thesen Luthers am 31. Oktober 1517 spaltete sich die Kirche. Unter der Vielzahl der Gruppierungen kam den drei großen Konfessionen, den Lutheranern, Katholiken und Kalvinisten bzw. Reformierten, eine herausragende Rolle zu. Mit dem Prinzip des ?cuius regio, eius religio? (der Landesherr bestimmt die Religion seiner Untertanen) versuchte man im Augsburger Religionsfrieden von 1555 ? der allerdings nur die Katholiken und die Lutheraner, nicht aber die Kalvinisten umfasste - zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Doch spitzte sich der Konflikt zwischen den Konfessionen vor allem seit den 1580er- Jahren im Zuge der ?Zweiten Reformation? weiter zu. Viele sahen die Zeit eines eschatologischen Endkampfes zwischen Licht und Dunkelheit gekommen. Es bildete sich ein dualistisches System von protestantischen und katholischen Mächten heraus. Im Heiligen Römischen Reich entstanden 1608 (protestantische Union) bzw. 1609 (katholische Liga) zwei konfessionelle militärische Machtblöcke, wobei diese allerdings nicht alle Stände der jeweiligen Seite einigten. Die Konfrontation der konfessionspolitischen Lager und die damit verbundene Lähmung der Rechtsinstitutionen des Reiches trug maßgeblich zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges bei, der aber zu einem nicht unerheblichen Teil auch durch machtpolitische und wirtschaftliche Interessen bedingt war. So zeigen Beispiele wie die Konfrontation der katholischen Mächte Frankreich und Spanien oder der Gegensatz der protestantischen Mächte Dänemark und Schweden, dass der konfessionelle Gegensatz oft von machtpolitischen Interessen überlagert war. Konfessionssolidarität und Staatsinteressen gingen nie ganz konform.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ergibt sich für Europa unter Vernachlässigung von mehr oder weniger starken Minderheiten bzw. nicht dominierenden Gruppierungen folgende konfessionelle Prägung der Staaten: Protestantisch waren Norwegen, Schweden, Dänemark und die nördlichen Niederlande (?Generalstaaten?), katholisch waren Spanien, Frankreich, die südlichen ?spanischen? Niederlande und die österreichischen Erblande. England ist mit seiner Sonderform der anglikanischen Staatskirche den protestantischen Mächten zuzuordnen.
Das Heilige Römische Reich war in einen protestantischen Norden und einen eher katholischen Süden geteilt. Im Norden waren die katholischen Bistümer von protestantischen Territorien eingekreist und wurden vielfach nach und nach in die weltlichen protestantischen Gebiete integriert. In der Mitte Deutschlands lagen mit den Erzbistümern Köln, Mainz und Trier die wichtigsten katholischen Territorien.
Zusammen mit dem habsburgischen König von Böhmen hatten die Erzbischöfe im Kurkollegium eine katholische Mehrheit von vier Sitzen gegenüber den drei protestantischen Kurfürsten. Im Süden bildete Bayern die katholische Bastion.
Einen Sonderfall stellte Böhmen dar, wo zwar die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung protestantisch, das Herrscherhaus jedoch katholisch war. Dieser Gegensatz war 1618 eine der zentralen Ursachen des böhmischen Ständeaufstandes, mit dem der Dreißigjährige Krieg begann.
Text: Stephan Lippold
Literatur:
- Beer, Norbert (Hg.): Christliche Kirchen feiern das Abendmahl