Mitteleuropa 1923


Quelle: Bayern und Böhmen

Signatur: ZWIE-LA-2007-06

Entwurf: Ulrich List, München
Grafik: Heinz Muggenthaler, Regen

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Beschreibung:

Die Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg veränderte die politische Landkarte Mitteleuropas. Die Auflösung der k. u. k. Donaumonarchie führte zur Gründung von neuen Staaten wie der Tschechoslowakischen Republik. Mitteleuropa 1923 Als Ergebnis der Verträge von Versailles, St. Germain und Trianon 1919/20 entstanden mit Polen, der Tschechoslowakei und teilweise dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen neue Staaten, die damit ihre seit langem angestrebte Eigenstaatlichkeit erreichten. Österreich und Ungarn wurden zu eigenständigen Staaten. Die neu gegründete Tschechoslowakei beanspruchte die bisherigen Außengrenzen des Königreichs Böhmen. Die Grenze des slowakischen Staatsteils zu Ungarn wurde erst nach längeren Auseinandersetzungen im Vertrag von Trianon 1920 endgültig festgelegt. 1921 zählte die Tschechoslowakei 14 Millionen Einwohner, davon waren 50 Prozent Tschechen, 23 Prozent Deutsche, 15 Prozent Slowaken und sechs Prozent Ungarn. Die Deutschen lebten vor allem in den Grenzgebieten zum Deutschen Reich im Norden und Westen und zu Österreich im Süden – eine Region, die nun immer öfter als Sudetenland bezeichnet wurde. Hier dominierten die Sudetendeutschen mit 80 bis über 90 Prozent. Es gab dort nur wenige Orte, die einen bedeutenden Anteil tschechischer Bevölkerung aufwiesen. Parallel zur tschechoslowakischen Staatgründung im Oktober 1918 proklamierten die deutsch-böhmischen Abgeordneten im Wiener Reichsrat unter Führung von Lodgman von Auen die Errichtung einer Provinz „Sudetenland“ als Teil Deutsch-Österreichs. Als dies von Wien abgelehnt wurde, betrieben die Sozialdemokraten und Sozialisten, die nach dem Zusammenbruch der Monarchie in beiden Gebieten tonangebend waren, den „Anschluss“ Deutsch-Österreichs und der deutsch dominierten tschechischen Grenzgebiete „an das sozialistische Deutschland“. Im Vorentwurf der Reichsverfassung waren diese Gebiete als Teile des Deutschen Reichs vorgesehen. Der Zusammenschluss scheiterte am Veto der Alliierten, die das Deutsche Reich, das sie für den Krieg verantwortlich machten, nicht stärken, sondern schwächen wollten, um es von einem weiteren Krieg abzuhalten. Der zwischen Österreich und 27 alliierten und assoziierten Mitgliedern am 10. September 1919 geschlossene Vertrag von St. Germain legte fest, dass Böhmen und Mähren Teil der Tschechoslowakei werden, damit auch die im Oktober 1918 gebildeten, den Anschluss an Österreich bzw. das Deutsche Reich anstrebenden deutsch-böhmischen Provinzen. Außerdem beinhaltete der Vertrag das Verbot des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. Die Grenze zwischen Bayern und Böhmen blieb unverändert, aber die Grenze war nun eine andere. Sie war nun nicht mehr die Schnittstelle zwischen zwei verbündeten Reichen, vielmehr trennte sie zwei einander misstrauisch beobachtende Staaten. Der Umgang mit der grenznahen deutschsprachigen Bevölkerung durch die tschechische Regierung wurde nun für Bayern zu einem Kriterium für die Beziehung zur Tschechoslowakei.