Handelswege im späten Mittelalter zwischen Bayern und Böhmen
Quelle: Bayern und Böhmen
Signatur: ZWIE-LA-2007-04
Entwurf: Ulrich List, München
Grafik: Heinz Muggenthaler, Regen
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Beschreibung:
Anders als die linearen Verkehrsverbindungen heute bestanden die Handelsrouten des Mittelalters aus vielfältigen Wegesystemen. So waren Franken, Bayern und Böhmen mit einem ganzen Netz von Handelsstraßen verbunden. Am Weg liegende Ortschaften blühten auf. Wegesysteme der Goldenen Straße, der Regensburger Straße und des Goldenen Steigs
Bereits seit frühgeschichtlicher Zeit bestanden bedeutende Kommunikations- und Tauschhandelswege zwischen dem Donauraum und dem böhmischen Becken. Dabei wurden zu Beginn der Verkehrsentwicklung vor allem die Flüsse als Verkehrswege genutzt, die bereits im Neolithikum als Handelswege für Feuersteine nachweisbar sind. In der frühen Neuzeit verlagerte sich der Verkehr immer stärker auf Wege und Steige, die zunächst noch oft an den bäuerlich geprägten Ortschaften vorbei verliefen. Erst der rege Handelsverkehr des späten Mittelalters machte es nötig, die Fernstraßen durch Orte hindurch zu leiten, um die Last- und Zugtiere sowie auch die Fuhrleute versorgen zu können. Viele Ortschaft en blühten durch diesen Fernhandel auf, wobei nicht nur die Handwerker und Gastwirte profitierten, sondern auch die Orte selbst durch das Recht auf die Erhebung eines Pflasterzolls oder ein Marktrecht Einnahmen erzielen konnten. Obgleich die Mittelgebirgsschwelle des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes sowie des Böhmischen Walds/Český les und des Bömerwalds/Šumava ein Hindernis für den Verkehr darstellte, wurde dieses Gebirge von einem differenzierten System sich verzweigender Routen überquert, die sich untereinander berührten und große Bedeutung erlangten. Bei einer starken Generalisierung der nachweisbaren Trassen lassen sich dennoch drei Hauptstränge des Verkehrs herausarbeiten:
– Durch die herausragende Bedeutung des Handelszentrums Regensburg wurde noch bis ins frühe 12. Jahrhundert der aufkommende Verkehr zwischen Böhmen und dem Rhein-Main-Gebiet sowie dem süddeutschen und auch dem italienischen Raum über die Stadt an der Donau und dann hauptsächlich über die Cham-Further Senke und eventuell über das Gebiet um Waldmünchen nach Böhmen und dort vor allem nach Prag geleitet.
– Mit dem schnellen Aufstieg der erst um 1040 gegründeten Stadt Nürnberg verlagerte sich ein Großteil des Verkehrs auf die weiter nördlich verlaufenden Trassen der heute als „Goldene Straße“ bekannten Verbindung durch die nördliche Oberpfalz. Diese Straßen, auf denen vor allem Waffen, Tuche und Gebrauchsgüter in das weltliche und geistige Zentrum Prag transportiert wurden, erlangten ihre Blütezeit in der Regierungszeit Karls IV.
– In der Regierungszeit dieses böhmischen Königs und deutschen Kaisers wurde auch das bereits seit dem 11. Jahrhundert urkundlich erwähnte System der so genannten „Goldenen Steige“ ausgebaut. Auf diesen, durch das Gelände bedingt, oft steilen Trassen, die im Gegensatz zu den Routen der „Goldenen Straße“ nur als Saumtierwege ausgebaut waren, wurde vor allem Salz von Passau aus ins böhmische Becken transportiert.
Ulrich List, in: Bayern-Böhmen, 1500 Jahre Nachbarschaft, hg. Von Rainhard Riepertinger u.a., Augsburg 2007 (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 54/2007), S. 143f.