Die Glossare des HdBG

Judenhut Detailansicht

Stichwörter: Judenhut


(lat. pileu cornutus = gehörnter Hut): Ungewiss bleibt, wie ein "Judenhut" in Wirklichkeit aussah und aus welchen Materialien er bestand. Die Kopfbedeckung unterlag in seiner Gestaltung einem zeitlichen Wandel und offensichtlich gab es auch verschiedene, als typisch empfundene Formen nebeneinander. Im späten 13. und 14. Jahrhundert konnte der Hut bei unterschiedlichen Krempenformen konisch oder flach bis spitzkegelförmig sein; sein wichtigstes Merkmal blieb jedoch sein charakteristisches "Horn", ein röhren- oder fingerförmig vom Scheitelpunkt des Hutes nach oben gehender Aufsatz, der zunehmend von einem runden Knauf abgeschlossen wurde.

Ab dem 11. Jahrhundert diente er in der Kunst zur Markierung von Juden, entsprach damals aber noch ungefähr einer freiwillig getragenen jüdischen Tracht. Im Vierten Laterankonzil von 1215 forderte Papst Innozenz III., dass Muslime und Juden in der Öffentlichkeit durch ein Zeichen klar erkennbar sein sollten: Der Judenhut wurde zum zwangsweise getragenen Stigma (Siehe im Glossar: "Diskriminierung"). In der mittelalterlichen christlichen Kunst wurden jüdische Figuren zumeist einseitig propagandistisch dargestellt, wobei der Judenhut als Attribut für sich genommen nichts negatives bedeuten muss: Je nach dem ikonografischen Zusammenhang kann die Wiedergabe des Judenhutes die Dargestellten entweder neutral als Repräsentanten des Alten Bundes oder abwertend als Feinde Christi kennzeichnen.

Gleichzeitig erscheint der Judenhut auch als überraschend selbstbewusstes Zeichen in den Siegeln jüdischer Gemeinden oder Einzelpersonen, außerdem wurde er in der europäischen Heraldik zur sog. "Gemeinen Figur". Im deutschen Raum behielten Juden noch bis ins 15. Jahrhundert weit überwiegend ihre traditionelle Kleidung und insbesondere den Hut bei, ab 1451 setzte sich bis ins 18. Jahrhundert der aufgenähte "Gelbe Ring" durch.

Quelle: Ulrike Brinkmann / Rolf Lauer: Judendarstellungen im Kölner Dom. In: Bernd Wacker / Rolf lauer (Hg.): Der Kölner Dom und "die Juden". Sonderband des Kölner Domblatts. 2. überarb. Aufl. Köln 2018, S. 13-58. // Harald Schlüter: "... damit man sij vur Jueden bekennen moege". Ein bisher kaum beachtetes ikonografisches Detail des Petersportals. In: Kölner Domblatt Jg. 88 (2023), S. 140-181. // Jens J. Scheiner: Vom „Gelben Flicken“ zum „Judenstern“? Genese und Applikation von Judenabzeichen im Islam und christlichen Europa (841–1941). Peter Lang, Frankfurt am Main 2004. // Stefan Schwarz: Die Juden in Bayern im Wandel der Zeiten. München / Wien 1963.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)

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