Stichwörter: Gelber Kreis, Gelber Ring, Judenkreis, Judenring
Der Gelbe Ring – synonym auch Gelber Kreis, Judenring oder auch Judenkreis genannt – ersetzte von 1451 bis 1780 im deutschsprachigen Kulturraum (Heiliges Römisches Reich mit den Österreichische Erblanden, Böhmen und der Schweiz) den bis dahin üblichen "Judenhut" als öffentliche Kennzeichnung von Juden. Der humanistische Gelehrte und Kardinallegat Nikolaus von Kues (auch Cusanus, 1401-1464) regelte auf Weisung des Papstes die Kennzeichnung der jüdischen Kleidung neu. Seine Grundlage war das 4. Buch Moses (15,38): "Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen, daß sie sich eine Quaste an die Zipfel ihrer Obergewänder machen, in ihren [künftigen] Geschlechtern, und eine Schnur von blauem Purpur an der Quaste des Zipfels befestigen". Gemeint sind die langen Troddeln (Zizith) am sog. Kleinen Gebetsmantel (Tallit Katan), den fromme Juden unter ihrer Oberkleidung tragen. Während der hebräische Text also eindeutig eine blaue Farbe vorschreibt, kann die griechische Version blau oder gelb bedeuten; Martin Luther hatte sich in seiner deutschen Bibelübersetzung für gelb entschieden, während Kues beide Farben verwendete, den gelben Ring für Männer und blaue Bänder für Frauen.
Die Neubauer Chronik aus Nürnberg schreibt dazu: "Anno 1451 Jar haben die Juden angefangen, die gelben Ringlein an den Kleidern zu tragen und die Weiber die blaben Stramen auf den Schlaren, das man sie darbey kendt". Die Farbe Gelb wurde nicht zufällig ausgewählt: In der mittelalterlichen Farbenlehre war ein fahles, fast grünliches Gelb (im Gegensatz zu Gold) das Symbol für das Höllenlicht, stand für Gottesfeindschaft und Sünde, für Wollust, Neid, Ketzerei und Krankheit. Bis in das 20. Jahrhundert hinein hissten Schiffe eine gelbe Quarantänefahne, wenn an Bord eine ansteckende Krankheit ausgebrochen war; der Spruch "Gelb vor Neid!" ist bis heute in Gebrauch. Diskriminierte Randgruppen der Gesellschaft wurden durch gelbe Abzeichen gebrandmarkt: Prostituierte waren an ihren gelben Bändern oder Hauben zu erkennen, Juden mussten den zumeist gelben "Judenhut" oder später den Gelben Ring tragen, wenn sie auf die Straße traten.
Quelle: Jens J. Scheiner: Vom "Gelben Flicken" zum "Judenstern"? Genese und Applikation von Judenabzeichen im Islam und christlichen Europa (841–1941). Peter Lang, Frankfurt am Main 2004. // Stefan Schwarz: Die Juden in Bayern im Wandel der Zeiten. München / Wien 1963. // Adolf Abraham Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1910, unver. Nachdr. Bamberg 1988. // Thomas Lange: "...möchten verbrennet werden" Ausgrenzung und Gewalt gegen Ketzer, Juden, Hexen ... auch in der hessischen Geschichte (Staatsarchiv Darmstadt, online unter: https://www.hstad-online.de/ausstellungen/online/webhexen/index.htm.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern
(hdbg.eu/juedisches_leben)