Die Glossare des HdBG

Jiddisch syn. Yiddisch Detailansicht

Stichwörter: jiddisch, Jiddisch, Jiddisch syn. Yiddisch, yiddisch


(= Deutsch-Jüdische Schrift- und Alltagssprache, bis in die 1940er Jahre in Mittel- und Südosteuropa weit verbreitet). Das Jiddische entstand während des 13.-14. Jahrhundert im aschkenasischen Judentum: Die aramäische/hebräische Grammatik verschmolz mit dem damaligen deutschen Wortschatz. Jiddisch entwickelte sich zur Alltagssprache, während in der Synagoge und bei religiösen Zusammenkünften weiterhin die Schriftsprache Hebräisch gesprochen wurde. Das Jiddische breitete sich von Mitteleuropa auch nach Osteuropa aus. Dort nahm es auch Wörter aus slawischen Sprachen auf und entwickelte sich zu einer autonomen Sprache, die auch in der Literatur verwendet wurde. Noch heute gehören über 100 jiddische Wörter oder von ihnen abgeleitete Begriffe zur der deutschen Umgangssprache: Zum Beispiel das "Zocken" = spielen = "zschoken" (jidd. spielen, Glücksspiel), "Kaff" = despektierlich für kleiner Ort = "kefar" (jidd. Dorf), oder "Schlamassel" = Missgeschick = jidd. Gegenteil von Glück. Einige jiddische Wörter wurden auch in die internationalen Gaunersprache "Rotwelsch" aufgenommen, eine Art Geheimdialekt der Vagabunden und Räuberbanden, mit dem man das Jiddische aber keinesfalls verwechseln darf.

Sowohl das Hebräische als auch das Jiddische gerieten mit der zunehmenden jüdischen Assimilation in den entwickelten Nationalstaaten West- und Mitteleuropas aus dem aktiven Gebrauch. Als im späten 19. Jahrhundert die Idee des Zionismus an Kraft gewann, stellte sich jedoch die Frage nach einer "jüdischen Nationalsprache". Auf der "Konferenz für die jüdische Sprache", die 1908 in der Stadt Czernowitz (heute Ukraine) stattfand, wurde diskutiert ob Jiddisch die offizielle Sprache der jüdischen Nationalität sein sollte; Befürworter argumentierten, dass es weniger elitär als das Hebräische sei. Das Ergebnis der Konferenz wurde jedoch von weiten Kreisen abgelehnt und blieb daher ohne Wirkung. Nach dem Zivilisationsbruch der NS-Diktatur, als zehntausende jüdische "Displaced Persons" vor allem aus Osteuropa in Deutschland strandeten, fand die interne Kommunikation in den DP-Unterkünften größtenteils noch in der jiddischen Sprache statt. Als offizielle Amtssprache im Staat Israel (gegründet am 14. Mai 1948) wurde allerdings Hebräisch eingeführt, inklusive einer modernisierten hebräischen Schrift.

Quelle: Hans Peter Althaus: Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft. München 2019. // Gennady Estraikh: Sprachkonferenz. In: Dan Diner (Hg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 5. Stuttgart/Weimar 2014, S. 557–560. // Quellensammlung und Bilder: The First Yiddish Language Conference (Englisch), online unter: http://czernowitz.org/Tshernovits.html [20.11.2023]. // Ulrike Wanderer: Die Renaissance der jüdischen Kultur. In: Irene A. Diekmann (Hg.): Juden in Berlin. Bilder, Dokumente, Selbstzeugnisse. Leipzig 2009 (= Juden in Berlin 3), S. 172-183. // Salcia Landmann: Jiddisch. Das Abenteuer einer Sprache. Frankfurt a. M./Berlin 1962.
Aus: Jüdisches Leben in Bayern (hdbg.eu/juedisches_leben)

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