Burgen
in Bayern

Burgschloss Hohensalzburg

Der vor- und frühgeschichtlich besiedelte Berg soll 1077 während des Investiturstreits durch Erzbischof Gebhard von Helfenstein (1060-85) als Zentralplatz des Erzbistums Salzburg befestigt worden sein und wurde unter Erzbischof Konrad I. von Abenberg (1106-47) ausgebaut. Im Zuge zunehmender kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Bauern (Mitte 1460er Jahre) und dem Kaiser (Ungarischer Krieg 1479-82) begannen die Erzbischöfe, häufiger auf der immer mehr ausgebauten Veste zu wohnen. 1525 widerstand die mittlerweile stark befestigte Bischofsburg einer Belagerung durch die Bauern, im Dreißigjährigen Krieg flüchtete u. a. der bayerische Kurfürst samt seiner Landschaftskasse wiederholt auf die H. Im Jahr 1800 besetzten französische Truppen die Festung, 1803 wurde Salzburg säkularisiert und 1805 der österreichischen Monarchie einverleibt. Die Festung diente fortan 1809 als Gefängnis und ab 1816 als Kaserne. Nach 1861 begriff man das Bauwerk als touristische historische Attraktion und erschloss es dementsprechend. 1977 ging die H. vom Bund an das Land. 1993-98 führte man in der Hauptburg archäologische Grabungen durch, 1997 entdeckte man die bemalten Fensterarkaden des Saalbaus (um 1120/40).
Die Festung ist zu Fuß oder per Schrägaufzug erreichbar und gegen Gebühr zu besichtigen.

Text: Joachim Zeune

Koordinaten: 13.045470, 47.794948

Baugeschichte

Die Baugeschichte dieses bedeutenden, immer in Nutzung gebliebenen Bollwerks ist extrem komplex. Aus der Zeit um 1077 können einzig die Grundmauern der Kapelle stammen, während Konrad I. um 1120/40 das Gipfelplateau ummauerte und mit einer kleinen Kernburg, bestehend aus einem Saalbau und Hof, versah, weiterhin die Kapelle umbaute. Erzbischof Eberhard II. verdichtete um 1220 die Kernbebauung zu einem kubischen Gebäude von 22 x 33 m und ließ den neuen Festsaal prachtvoll ausmalen. Ab dem 13. Jhdt. begann man, die Zuwegung zur Hauptburg durch mehrere Verteidigungsabschnitte zu sichern. Der artilleriegerechte Ausbau durch Bastionen, Rondelle und Kasematten sowie gestaffelte Torzwinger erfolgte unter Erzbischof Burghard von Weißpriach (1461-66), während der Ausbau der nunmehr zu einem Burgschloss ausgebauten Veste H. zu einer Festung unter Erzbischof Bernhard von Rohr (1466-81) einsetzte. Damals wurde u. a. auch das große Zeughaus erbaut. Die Erzbischöfe Johann II. von Beckenschlager (1481-89) und Leonhard von Keutschach (1495-1519) realisierten den repräsentativen Ausbau der Kernburg zu Wohnzwecken, wobei letzterer u. a. 1496/97 etliche Türme (Reckturm, Hasenturm, Geyerturm), die innere Schlossbastei und die St. Georgskirche errichten sowie die Kernburg durch einen mächtigen Hallenbau erweitern ließ. Nach dem Bauernkrieg (1525) wurden die Wehranlagen durch Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg (1519-40) und dessen Nachfolger wiederholt verstärkt, doch erst 1633-45 erfuhr die Feste den Ausbau zu einer gewaltigen bastionierten Festung.

Text: Joachim Zeune

Baubestand

Die den gesamten Berg belegenden, gewaltige Festungsanlage beeindruckt durch ihre gewaltigen Bastionen und Rondelle des 16. und 17. Jhdts., von denen viele baudatiert sind. Besonders sehenswert sind der steile Reißzug (= Schienenaufzug) des 15. Jhdts., die1501 errichtete St. Georgskirche mit ihrem Schlingrippengewölbe, der in die Gründungszeit um 1120/40 zurück reichende Hohe Stock mit seinen freigelegten Fensterarkaden, den Freskenresten des frühen 13. Jhdts., der prachtvollen „Goldenen Stube“(1501) und der zeitgleichen Privatkapelle.

Text: Joachim Zeune

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