Burgen
in Bayern

Burgruine Rothenhan Ebern-Eyrichshof

Wohl um 1170/80 errichtete ein edelfreies Geschlecht hier seine Stammburg, die erstmals 1232 als castrum samt ecclesia erscheint. Der Burgname erklärt sich durch den „gerodeten Hagen“, eine freigeholzte Einfriedung. Die reich begüterten Herren von Rotenhan, gesichert 1229 nachweisbar, hielten das angesehene Hofamt der Schenken am Bistum Bamberg. Den Bestrebungen des Bistums Würzburg, seine Besitzungen in den Haßbergen zu arrondieren, standen die nach Bamberg orientierten Herren von Rotenhan im Weg. Daher bezichtigte Bischof Wolfram von Würzburg sie 1323/24 kurzerhand des Totschlags von Untertanen und der Falschmünzerei. König Ludwig IV. gab der fingierten Klage statt, ließ die Burg schleifen und verbot ihren Wiederaufbau. Überdies wurde Rotenhan samt Besitzungen dem Bistum Würzburg zugeschlagen. Die Burgsteine benötigte man zum Ausbau des neuen Stammsitzes Eyrichshof. Rotenhan wurde 1996 in den Burgenkundlichen Lehrpfad Haßberge integriert, 2004 verformungsgerecht aufgemessen und 2012 durch den Deutschen Burgenwinkel neu erschlossen. Seit 2010 zählt Rotenhan zu einem der 100 schönsten Geotope Bayerns.

Text: Joachim Zeune

Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 10.792100, 50.114800

Baugeschichte

Von der 1323/24 geschleiften und danach gebrochenen Burg verblieben nur wenige Werksteine in situ. Weitere liegen über das Burgareal verstreut. Sie zeigen Glattquader und Buckelquader mit Wolfslöchern und datieren daher vor 1230. Gemeinsam mit der hier aufgelesenen Keramik liegt eine Burggründung um 1200 bzw. kurz zuvor nahe. Ein in den Fels gehauenes Spitzbogenportal verweist auf eine Umbauphase wohl um 1300. Nach ihrer Niederwerfung scheint die Ruine nur noch begangen, nicht aber instand gesetzt worden sein.

Text: Joachim Zeune

Baubestand

Rotenhan nimmt als echte Felsenburg eine Ausnahmestellung im bayerischen Burgenbau ein. Die Herren von Rotenhan wählten als Bauplatz drei mächtige Rhätsandsteinblöcke an einem Hang hoch über der Fernstraße von Bamberg nach Fulda, die hier durch das Baunachtal lief. Zur ansteigenden Bergseite hin bewehrten zwei Gräben die Burg, talseitig erstreckte sich die gleichfalls grabenumwehrte Vorburg. Doch statt die Burg wie üblich auf und zwischen die Felsklötze zu stellen, ließen die Rotenhan ihre Burg aufwändig auch in den Fels hineinhauen. Die gestuften Widerlager und Spuren der Maueranschlüsse gestatten die Rekonstruktion der Burg. Die beiden Burgtore öffneten sich im zweigeteilten westlichen Felsen: Rechterhand war ein großes Tor für die Karren mit flachgedeckter Durchfahrt, linkerhand komplett in den Fels gehauen eine erhöhte Fußgängerpforte mit balkengedeckten Zugang zum Burghof. Eine gleichfalls aus dem Fels gemeißelte Treppe mit zwei Zugängen, einer davon mit Spitzbogen, führten über den Durchgang, wo vermutlich die Kapelle lag. Den engen Burghof begrenzt ein großer Fels nach Osten. Auf ihm erhoben sich der quadratische Bergfried und ein polygonaler Palas. In die Felswand geschlagene Wasserrinnen entleeren sich über dem einst mindestens 10 Meter tiefen Burgbrunnen. Der nördliche Fels trug einen kleinen polygonalen Turm. Auf halber Höhe öffnet sich in ihm eine flaschenförmige Tankzisterne, deren frontseitige Vermauerung abgegangen ist.

Text: Joachim Zeune

Touristen Information

Rotenhan wurde 2010 in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. Ausführiche Informationen und Angaben zum Anfahrtsweg (Parkplatz an der Ruine) erhalten Sie hier.

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