Das für die Geschichte des Ober- und Ostallgäus hochbedeutende Geschlecht der Rettenberger erscheint erstmals 1130 mit Adelprecht de Rotinberch. Es spaltete sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in die einflussreichen Nebenlinien von Trauchburg und Hohenegg auf. Die Herren von Rettenberg hielten bis zu ihrem Erlöschen 1350 immer wieder wichtige Ämter, die ihren herausragenden Status illustrieren. Über Erbteilung ging Rettenberg 1350 an Elsbeth von Starkenberg, woraufhin Georg von Starkenberg Burg und Herrschaft 1351 an das Hochstift Augsburg verkaufte. Im Bauernkrieg 1525 plünderten die Bauern die Burg, die bald darauf wieder instand gesetzt wurde und bis 1562, als ein Brand die Burg zerstörte, den Bischöfen als Pflegersitz diente. Danach ungebremst dem Verfall überlassen, befand sich die Burg bereits 1604/05 in einem desolaten Zustand. Mit der Säkularisation ging sie 1802/03 an Bayern. Heute befindet sich die mitunter auch als „Vorderburg“ bezeichnete Ruine in Privatbesitz.
Text: Joachim Zeune
Text: Joachim Zeune
Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 10.328333, 47.617222
Baugeschichte
Die Baugeschichte ist nach Ausweis etlicher Baufugen sehr komplex, wurde aber noch nie kompetent ermittelt. Den historischen Nachrichten zufolge wurde die Burg um 1100 bzw. im frühen 12. Jahrhundert gegründet. Mauerwerk dieser Zeit scheint nicht in situ erhalten, allerdings wurden zahlreiche frühe Handquader später als Flicksteine wiederverwendet. Das Mauerwerk aus großen, groben Nagelfluhblöcken und das Fischgrätmauerwerk im Füllwerk sprechen für eine umfassende Wiederaufbauphase Ende des 13. Jahrhunderts, als hier ein quadratischer Baukörper mit etwa 30 Metern Seitenlänge entstand (kein Wohnturm!). Im Jahr 1534 erfolgten Instandsetzungsarbeiten. Damals hieß es, das Schloss sei an Dachwerk, Gemäuer und Einbefahrn so gar zergangen, weshalb es im gleichen Jahr für 1626 Gulden instand gesetzt wurde: Die Mauern wurden beidseitig verputzt (bestochen), das Dach neu gedeckt, der Festsaal getäfert und die Fenster vergittert. 1562/63 berichtet die Schadensbegutachtung, die den Schaden auf 1774 Gulden bezifferte, unter anderem von einem Zwinger an der Südostseite, der das Burgtor in der Südostwand sicherte.
Text: Joachim Zeune
Text: Joachim Zeune
Baubestand
Der spektakuläre, über einen langen Fußmarsch erreichbare Burgplatz auf der östlichen Spitze (1.020 m ü NN) des Felsgrats des Rottachberges visualierte in seiner einst das gesamte Umland beherrschenden Position unübersehbar die einstige Macht der Herren von Rettenberg. Nach Nordwesten und Nordosten, wo der Fels senkrecht abfällt, sind die Mauern infolge von Felserosion komplett abgegangen. Fundamente sind entlang der Südostseite zu sehen, während ein großes Fragment der Südwestmauer samt dem Westeck und einem Teilstück der Nordwestmauer noch bis zu 9 Meter hoch aufragt. Der Zugang zur Burg erfolgt von Süden, wo Terrassierungen zufolge auch die Vorburg vorgelagert gewesen sein dürfte. Das noch drei- bis viergeschossig aufragende Mauerwerk des 30 x 30 Meter großen Hauptgebäudes trägt die Spuren mehrfacher intensiver Überarbeitung und sekundärer Verstärkung sowie ehemaliger Binnenmauern. Am Westeck haben sich zwei Konsolen eines ehemaligen Abtritts erhalten. Die Bautätigkeiten von 1534 sind im Bestand deutlich abzulesen.
Text: Joachim Zeune
Text: Joachim Zeune
Touristen Information
Auf der Seite der Gemeinde Rettenberg findet sich eine informative Beschreibung des Rundwegs zur Ruine Rettenberg (Vorderburg).