Der Burgplatz wurde archäologischen Funden zufolge bereits im 10. und 11. Jahrhundert genutzt. Zur Frühgeschichte der Burg bis zum 14. Jahrhundert fehlen allerdings jegliche Quellen. Vermutet wird eine Gründung durch die Herren von (Cham-)Münster. Erst 1334 erscheint ein Eysenreich de Chamerekk, 1359 dann die Burg selbst als paw ze Chamerekk. Zwischen 1388 und 1411 befand sich Chameregg im Besitz des böhmischen Ritters Altmann der Protwitz, 1414 war sie in Besitz der Thierlinger von Thierlstein. Ab 1443 hielten die Pollinger die Burg, als letzter dieser Familie siegelt Garig Pollinger zu Kameregk im Jahr 1482. Damals dürfte die Burg schon aufgelassen worden und durch den nahen Ansitz ersetzt worden sein. 1636 stand der Turm bereits dachlos, die Burg diente fortan als Steinbruch. Ab dem 19. Jahrhundert erfuhr die Burg mehrere, nicht immer glückliche Sanierungen. Seit 1900 befindet sie sich im Besitz des Bayerischen Waldvereins und ist frei zugänglich.
Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 12.705556, 49.210278
Baugeschichte
Während die Funde der Ausgrabung von 1987 bis 1989 recht gut aufgearbeitet
sind, trifft dies auf den aufgehenden Baubestand und die archäologisch
freigelegten Baubefunde weniger zu. Archäologisch nachweisbar datieren Wall und
Graben sowie die Ringmauer und Wohngebäude in die 2. Hälfte des 12.
Jahrhunderts, wobei diese Burg nach einem Brand Ende des 12. Jahrhunderts wieder
instandgesetzt wurde. Damals könnte auch der Bergfried entstanden sein,
vorausgesetzt, seine Gewölbe wurden erst sekundär eingebaut. Gehören sie
allerdings zum Originalbestand, so wäre für den dreifach gewölbten Turm ein
Baudatum wohl erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bzw. eventuell sogar
erst um 1300 in Betracht zu ziehen. Dies wiederum würde schwerlich zum
Buckelquadermauerwerk passen. Denkbar wäre eine Erbauung des Turms gegen Ende
des 12. Jahrhunderts und ein massiver Innenumbau im 14./15. Jahrhundert.
Von den Sanierungen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, 1911,1967 und 1988/89
haben insbesondere die beiden letzteren den Baubestand und die Optik sowohl
verfremdet als auch beeinträchtigt.
Baubestand
Die auf einem Ausläufer (415 m ü NN) des Lambergs platzierte Burgruine liegt
etwa 45 m über dem Tal der Regen und wurde gegen das überhöhende Gelände nach
Südosten sowie nach Norden, Süden und Südwest durch einen tiefen Graben
geschützt. Eine nur mehr archäologisch nachweisbare 1,2 m starke Ringmauer
umfriedete das Burgareal und enthielt wohl in ihrer Ostseite das alte Burgtor.
Im Nordosteck des Burghofs stand ein gewinkelter Bau mit einem kleinen
Treppenturm im einspringenden Winkel.
Dominanter Baukörper ist der zentral im Hof frei stehende, 22 m hohe Bergfried,
der auch den Namen „Ödenturm“ trägt. Der quadratische Turmbau (9,6 x 9,6 m) hat
lediglich seine West- und Nordseiten dreieinhalb Geschosse hoch bewahren können,
wobei alle voll erhaltenen Geschosse zueinander verdrehte Gewölbeansätze zeigen.
An baulichen Details weist das Turmfragment einige interessante Befunde auf:
Seine Außenschale besteht aus sehr schön gearbeiteten Buckelquadern aus Gneis
und Granit mit prallen Buckeln und engem Fugenschnitt, einige hochkante,
eingemauerte Buckelquader zeugen von Sanierungsfehlern. Der Hocheingang mit
einst tonnengewölbter Passage öffnete sich im 1. Obergeschoss der Nordwand und
zeigt noch den Riegelbalkenkanal sowie eine Konsole des äußeren Holzpodests. In
der Mauerstärke durchliefen mehrere Holzanker das Turmmauerwerk.
Touristen Information
Der Weg zur etwa 1 km östlich von Chammünster gelegenen Ruine ist durch ein
Schild zum nahe gelegenen Gasthof „Zum Ödenturm“ leicht zu finden. Burg
Chameregg ist frei zugänglich. Das Restaurant „Zum ödenturm“ bietet
„Feinschmeckerküche nach traditioneller Art“ und auch Übernachtungsmöglichkeit:
www.oedenturm.de
In Chammünster ist der aus dem 12. Jahrhundert stammende Karner im Friedhof der
Kirche Maria Himmelfahrt sehenswert.