Biografien
Menschen aus Bayern

Werner Rosenthal Mediziner (Pathologie)

geboren: 24.06.1890, Erlangen
gestorben: 00.04.1942, Yercaud

Wirkungsort: Erlangen | Göttingen | Magdeburg | Mysore

Werner Rosenthal, Sohn des berühmten Mediziners Prof. Isidor Rosenthal (1836-1915) wuchs in Erlangen auf und begann ein Medizinstudium. Er promovierte 1893 und machte ein Jahr später sein Staatsexamen. Bereits 1898 entdeckte er das Neuroepitheliom, eine Tumorform der Nervenzellen in Sinnesorganen. 1905 wurde er Assistenzarzt in Göttingen und arbeitete an seiner Habilitationsschrift. Er war seit 1915 mit Erika Deussen (1894-1959) verheiratet, aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Im Ersten Weltkrieg diente Rosenthal als Sanitätsarzt. 1921 wurde er Professor für neurologische Pathologie in Göttingen, blieb bis 1928 und folgte dann einem Ruf an die Universität Magdeburg. Nach der NS-Machtübernahme siedelte Familie Rosenthal nach Indien über, wo Rosenthal am Medical College der Universität von Mysore (heute Mysuru) arbeitete.

Werner Rosenthal war der Sohn des berühmten Mediziners Prof. Isidor Rosenthal (1836-1915) und seiner Ehefrau Anna Rosenthal (1841-1928). Die Familie Rosenthal lebte in Erlangen, wo Prof. Rosenthal den Lehrstuhl für Physiologie an der Universität innehatte. Werner wuchs in einem jüdischen, aber fast völlig assimilierten Umfeld auf, was auch der wissenschaftlichen Laufbahn seines Vaters geschuldet war. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums folgte Werner Rosenthal der Familientradition und begann ein Medizinstudium in Erlangen. Nach Semestern in Berlin und Kiel kehrte er nach Erlangen zurück, wo er 1893 im Fach Neurologie promovierte und ein Jahr später seine Staatsexamen machte.

Zu einem nicht mehr exakt nachvollziehbaren Zeitpunkt konvertierte Werner Rosenthal zum evangelischen Christentum, wohl hauptsächlich aus Karrieregründen. Bereits 1898 entdeckte er als Beitrag zur pathologischen Anatomie das Neuroepitheliom, eine veraltete Bezeichnung für Tumore der Netzhaut, des Gehirns und des Rückenmarkes (lat. Neuroepithelioma gliomatosum mikrocysticum).

Einige Jahre sammelte er weitere praktische Erfahrungen, bis er 1905 eine Assistenzstelle an der Universität Göttingen antrat und dort auch an seiner Habilitationsschrift arbeitete. Rosenthal heiratete 1915 Erika Deussen (1894-1959), Tochter des Indologen Paul Deussen (1845-1919). Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Ruth (1916-2002), Eva (1918-2007) und Beata (1922-2004). Im Ersten Weltkrieg wurde er eingezogen und diente an der Front als Sanitätsarzt. Im Jahr 1921 wurde Prof. Rosenthal außerordentlicher Professor an seiner Fakultät und blieb bis 1928 als Privatdozent in Göttingen. Im Jahr 1928 erhielt er einen Ruf an die Universität Magdeburg, wo seine Frau ab 1929 als Gewerbemedizinalrätin arbeitete.

Nach der NS-Machtübernahme 1933 wurde der inzwischen 63jährige Professor als ehemaliger Frontkämpfer nicht sofort von seinem Posten an der Magdeburger Universität entlassen. Allerdings entband ihn das Dekanat der medizinischen Fakultät von seinen Vorlesungen, da Rosenthal nicht geeignet sei, "nach Erscheinung und Gesinnung dem Ausland den richtigen Begriff von deutschem Geist und Wesen zu vermitteln".

Prof. Werner Rosenthal gründete daher eine Privatpraxis, aber als auch seine Frau entlassen wurde und der zunehmende Druck durch das NS-Regime im Alltag immer mehr spürbar wurde, entschloss sich die Familie zur Auswanderung. Sie siedelte nach Indien über, das damals zum Britischen Empire gehörte; mit der außergewöhnlichen Qualifikation beider Elternteile war es kein Problem, die entsprechenden Visa der britischen Regierung zu bekommen. Prof. Werner Rosenthal fand eine Stelle am Seruminstitut des Medical College der 1916 gegründeten englischsprachigen Universität von Mysore (heute Mysuru), Erika Rosenthal übernahm am Institut die ärztliche Frauen- u. Kinderfürsorge. Die Gesamtsituation blieb jedoch eine große Belastung: "Dazu kam die Unerträglichkeit der psychischen [Lage], gerade für mich und meine Frau, die wir nie anders als deutsch empfunden haben und in jeder Hinsicht unsere vollste Pflicht gegen Vaterland und Volk immer erfüllt haben".

Prof. Werner Rosenthal starb während eines Aufenthaltes im Bergdorf Yercaud (Madras, heute Tamil Nadu), das bei der britischen Kolonialgesellschaft als Sommerresidenz beliebt war. In seinem Andenken vergibt die Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie e.V. seit 2011 jährlich den Werner-Rosenthal-Preis.

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