Biografien
Menschen aus Bayern

Sigmund von Henle Jurist und Hofrat, Abgeordneter im Bayerischen Landtag

geboren: 11.04.1820, München
gestorben: 03.10.1906, München

Wirkungsort: München

Sigmund Henle entstammte einer jüdischen Kaufmanns- und Hoffaktorenfamilie, die seit Generationen auch politisch tätig war. Sein Großvater, Elkan Henle (1761–1833), war ein früher Verfechter der jüdischen Emanzipation. Nach seiner Promotion 1845 wurde Dr. Henle Geheimer Hofrat und Kronanwalt in München, wirkte auch als Berater des Hauses Wittelsbach und arbeitete zwischen 1846 und 1870 als Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Von 1871 bis 1881 saß er als gewähltes Mitglied für die Nationalliberalen in der Kammer der Abgeordneten. Nach seinem Rückzug wurde Dr. Sigmund Henle von König Ludwig II. mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone in den persönlichen Adelsstand erhoben. Aus seiner Ehe mit Emma geb. Pollack (1827-1909) gingen drei Kinder hervor; sein einziger Sohn Heinrich (*1853) wurde der erste jüdische Zögling im elitären Bayerischen Kadettencorps.

Henle stammte von einer jüdischen Kaufmanns- und Hoffaktorenfamilie ab, die sich ursprünglich Buttenwieser nannte. Sein Großvater Elkan Henle (1761–1833) trat als früher Verfechter der jüdischen Emanzipation in die Öffentlichkeit. Sigmunds Eltern waren Therese geb. Ottenheimer (1797-1873) und Benedikt (eig. Baruch) Henle (1786-1863), die gemeinsam fünf Kinder zeugten. Sigmunds jüngerer Bruder Jacob Henle (1826-1905) saß später im Generaldirektorium der bayerischen Staatseisenbahn. Sigmund Henle besuchte in München zunächst eine traditionelle jüdische Cheder und anschließend das renommierte "Alte Gymnasium" (heute Wilhelmsgymnasium), in der er 1838 sein Abitur machte. Anschließend studierte er Jura und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1845 wurde er mit seiner Dissertation "De jure quoad embryones" promoviert. 1850 heiratete er die Wienerin Emma geb. Pollack (1827-1909); aus der Ehe gingen Louise verh. Mayer (1853-1932), Lina verh. Eppstein (*1856) und Heinrich Henle (*1859) hervor.

Dr. Sigmund Henle diente als Geheimer Hofrat und war Kronanwalt in München. Im "Secundo-Genitur-Prozess" um das Erbe des abgedankten griechischen Königs Otto (1815-1867) vertrat er den gleichnamigen Prinzen Otto von Bayern. Dr. Henle war auch juristischer Berater Herzogs Max Joseph in Bayern ("Zittermaxl", 1808-1888). Von 1846 bis 1870 war er zusätzlich Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Im Jahr 1871 wurde Henle für die Nationalliberalen in die Bayerische Ständeversammlung gewählt und saß bis 1881 in der Kammer der Abgeordneten. Dort tat er sich als charismatischer Redner hervor, musste aber auch antisemitische Angriffe abwehren. 1873 setzte er durch, dass sein Sohn Heinrich als erster jüdischer Zögling im elitären Kadettenkorps aufgenommen wurde. Als sich Dr. Sigmund Henle 1881 wegen eines Augenleidens aus der aktiven Politik zurückzog, erhob ihn König Ludwig II. (reg. 1884-1886) mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone in den persönlichen Adelsstand. Henle blieb bis zu seinem Tod Aufsichtsratsmitglied der Schwandorfer Tonwarenfabrik.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Max Leitschuh: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München, Bd. 4. München 1970/76, S. 139.
  • Hans Walter Flemming: Henle (Familie). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Bd. 8. Berlin 1969, S. 530.
  • Jacob Toury: Die politischen Orientierungen der Juden in Deutschland. Von Jena bis Weimar. Tübingen 1966 (= (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts 15), S. 197
  • Hans Lamm: Von Juden in München. Ein Gedenkbuch. München 1958, S. 67.
  • Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie, Bd. 3. Frankfurt a.M. 1928, S. 51f.

GND: 138219710