geboren: 15.04.1969,
Bela Crkva
gestorben: 02.08.2024,
Augsburg
Wirkungsort:
Dessau | Augsburg | München
Nach seiner Ausbildung zum Opernsänger arbeitete Nikola David ab 1993 an den Opernhäusern von Novi Sad und Belgrad. Mit einem Stipendium konnte er nach Deutschland ziehen, wo er unter anderem in Augsburg auftrat. Sein Leben änderte sich durch den Kontakt mit dem Augsburger Rabbiner Henry Brandt, der ihm die bislang unbekannte Welt des Judentums eröffnete. David beschloss, eine Ausbildung zum Kantor (Chasan) am Berliner Abraham-Geiger-Kolleg zu machen: Am 10. April 2013 wurde er als erster jüdischer Kantor in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in sein Amt eingeführt. Ab 2014 wirkte David als Kantor in der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Schalom in München. Zusammen mit Emanuel Kirschner brachte er die vergessenen Lieder der 1938 zerstörten Münchner Hauptsynagoge als CD heraus. Im August 2024 wurde Nikola David bei einem Familienstreit von seinem Sohn tödlich verletzt. In einem Nachruf würdigte ihn Gemeindevorstand Eric Smutny ihn als "Stimme der Gemeinde und eine feste Säule. Ein großer Mensch".
Nikola David wurde in Serbien geboren, damals noch Teil der Volksrepublik Jugoslawien. Er studierte nach seinem Schulabschluss Musikpädagogik und Gesang in Novi Sad. Nach einer Ausbildung zum klassischen Opernsänger arbeitete er ab 1993 in den Opernhäusern von Novi Sad und Belgrad. Dank eines Stipendiums konnte er fünf Jahre später nach Deutschland ziehen, wo er am Landestheater Thüringen, am Dessauer Opernhaus und am Staatstheater Augsburg auftrat. Diese solide Karriere war für Nikola David mehr ein Beruf als eine Berufung. Dem Sänger Nicola David der in einem sozialistischen Regime säkular aufgewachsen war, eröffnete sich durch den Kontakt mit dem Augsburger Rabbiner Henry Brandt (1927-2022) die bislang unbekannte Welt des Judentums. David beendete seine Laufbahn und begann am Berliner Abraham-Geiger-Kolleg eine Ausbildung zum Kantor bzw. Vorsänger (hebr. Chasan). Als erster jüdischer Kantor in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er am 10. April 2013 in sein Amt eingeführt.
Im folgenden Jahr begann Nikola David als Chasan in der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Schalom in München zu wirken: "Durch die Wandlung vom Opernsänger zum Kantor habe ich meine Identität und meinen Glauben gefunden. Die Musik hat mir sehr geholfen". David war in seiner Gemeinde hoch angesehen. Gemeinsam mit Emanuel Kirschner förderte er die verschollenen Melodien des letzten Kantors der 1938 niedergerissenen Münchner Hauptsynagoge zutage, vertonte sie neu und publizierte das Projekt auf CD. Im August 2024 griff sein damals 28jähriger Sohn während eines heftigen Familienstreits nach einem Messer und verletzte David tödlich. In einem Nachruf äußerte sich der Gemeindevorstand Eric Smutny: "Er war die Stimme unserer Gemeinde, eine feste Säule. Ein großer Mensch". Nicola Davids zweiter Sohn will das Erbe seines Vaters antreten und nun ebenfalls Vorsänger werden.
(Patrick Charell)
Weiterführende Links
- Sylvia Schreiber / Frank Schwarz (05.08.2024): Nikola David mit 55 Jahren gestorben. (BR-Klassik)
- Christine Schmitt (05.08.2024): Kantor Nikola David getötet - Verdächtiger im Familienkreis (Jüdische Allgemeine Online)
- Andrea Schleier (6. August 2024): Zum Tod von Nikola David: „Er war ein großer Mensch“ (Süddeutsche Zeitung)
- Nikola David (Wikipedia)
Quellen
GND: 129752657