Biografien
Menschen aus Bayern

Isidor Straus Geschäftsmann, "Kaufhaus-König" und US-Politiker

geboren: 24.03.1845, Otterberg (Bay. Rheinpfalz)
gestorben: 15.04.1912, Nordatlantik (Titanic)

Wirkungsort: New York

Isidor Straus kam in der bayerischen Pfalz zur Welt und folgte seinem Vater 1854 in die USA. Im Sezessionskrieg 1861-1865 kam das Familiengeschäft als Blockadebrecher zu Wohlstand und zog anschließend nach New York um. Isidor Straus und sein jüngerer Bruder Lazarus konnten im Kaufhaus Macy's eine Geschirr- und Glaswarenabteilung betreiben. Nach dem Tod des Firmengründers Rowland Macy übernahm die Familie Straus das gesamte Kaufhaus. Eigene Zuliefererfirmen in den USA und Deutschland sowie weitere Kaufhausgründungen machten Straus zu einem der reichsten Menschen seiner Zeit. Er war Vizepräsident der New Yorker Handelskammer und 1894/95 Mitglied des US-Repräsentantenhauses. Isidor Straus und seine Frau Rosalie Ida geb. Blün (1849-1912) starben beim Untergang der "Titanic", weil sie ihre Plätze in den Rettungsbooten jüngeren Frauen und Müttern überließen. Sein jüngerer Bruder war der US-Diplomat und Politiker Oscar Salomon Straus (1850-1926).

Straus wurde in Otterberg bei Kaiserslautern geboren, welches bis 1918 zum Königreich Bayern gehörte. Seine Eltern waren Sara (1823–1876) und Lazarus Straus (1809–1898). Er hatte drei jüngere Geschwister: Hermine (1846–1922), Nathan (1848–1931) und der spätere Diplomat Oscar Salomon Straus (1850-1926). Sein Vater war bereits 1852 nach Nordamerika ausgewandert; 1854 folgte Isidor mit seinen zwei Brüdern Nathan und Oscar Salomon sowie mit seiner Schwester und seiner Mutter nach. Mit 17 Jahren wurde Isidor in Columbus, Ohio, Sekretär bei der "Georgia Importing and Exporting Company" seines Vaters. Während des Sezessionskriegs (US-amerikanischer Bürgerkrieg) wollte die Firma eine Blockade der Unionsstaaten umgehen. Daher reiste Isidor Straus nach England, um dort Waren für die Südstaaten einzukaufen. Nach Ende des US-amerikanischen Bürgerkriegs 1865 zog die Familie Straus nach New York. Isidor heiratete 1871 Rosalie Ida geb. Blün (1849-1912), die ebenfalls von deutscher Abstammung war. Zusammen hatten sie sieben Kinder (einer der Söhne starb jedoch schon im Kleinkindalter).

Lazarus und Isidor Straus gründeten einen Geschirr- und Glaswarenhandel und konnten im Untergeschoss des Warenhauses R. H. Macy bzw. "Macy’s" an der 14th Street eine eigene Abteilung einrichten. Nach dem Tod des Inhabers Rowland Hussey Macy übernahm die Familie Straus das Kaufhaus. In Rudolstadt (Thüringen) eröffnete die Familie Straus im Jahr 1882 eine eigene Porzellanmanufaktur für den Import nach Amerika. 1888 wurde Isidor Straus zusammen mit seinem Bruder Nathan Teilhaber des Kaufhauses Macy’s. Sie führten kostenlosen Kaffee für alle Angestellten ein, stellten einen Betriebsarzt an, richteten ein Betriebsrestaurant ein und organisierten Feriencamps für Angestellte. Im Laufe der Jahre eröffnete Familie Straus sowohl in den USA als auch in Deutschland mehrere Kaufhäuser. So unterhielt Isidor ab 1910 zwei Kaufhäuser in Berlin, das in jener Zeit zu den führenden Modestädten der Welt gehörte: Macy & Co. in der Wilhelmstraße 45 und Abraham & Straus. Das Firmenimperium von Straus machte mit Berliner Konfektion in jener Zeit jährlich rund hundert Millionen Mark Umsatz. Mode aus Deutschland war jedoch nicht die einzige Handelsware. Isidor Straus hatte das Amt des Vizepräsidenten der New Yorker Handelskammer inne und war darüber hinaus in den Jahren 1894/95 Mitglied des US-Repräsentantenhauses für New York (13. und 14. Distrikt, Demokratische Partei).

Aufgrund einer Arterienerkrankung erlitt Isidors Frau Ida mehrere schwere Anfälle, weshalb sich das Ehepaar ab etwa 1909 zunehmend aus der Geschäftstätigkeit zurück zog und ausgiebige Reisen unternahm. 1912 hielten sich die Straus in Europa auf und buchten für die Rückreise nach New York eine 1. Klasse Kabine auf dem neuen Passagierdampfer "Titanic" der britischen White Star-Linie. Am 14. April 1912 um 23:40 schrammte das mit erhöhter Geschwindigkeit laufende Schiff im Nordatlantik einen Eisberg, der mehrere Lecks in die Außenhaut riss. Das gewaltige Schiff begann zu sinken, was aber zunächst von der Schiffsführung verheimlicht wurde. Knapp drei Stunden später sackte das Schiff mit dem Bug ab und brach auseinander, 1514 Menschen starben im eisigen Wasser. Ida Straus wurde nach der Losung "Frauen und Kinder zuerst" ein Platz in einem der (zu wenigen) Rettungsboote angeboten. Sie lehnte dies jedoch ab, da sie ihren Mann nicht allein lassen wollte: “I will not be separated from my husband. As we have lived, so will we die, together". Ein zweites Angebot für jeweils getrennte Plätze lehnte das Ehepaar Straus erneut ab, da sich viele weitere jüngere Mütter und Frauen an Bord befanden. Isidor Straus’ Leiche wurde aus dem Atlantik geborgen und auf dem New Yorker Woodlawn Cemetery beigesetzt. Ida Straus jedoch nie gefunden. Heute erinnert ein Denkmal im "Straus Park" auf der Upper West Side von New York City an die reichsten Amerikaner ihrer Zeit.

Bilder

Literatur

  • Isidor Straus / Joan Adler (Bearb.): The Autobiography of Isidor Straus. Smithtown N.Y. 2011.

GND: 1020899409