Biografien
Menschen aus Bayern

Isaak Loewi Rabbiner

geboren: 31.01.1803, Adelsdorf
gestorben: 25.12.1873, Fürth

Wirkungsort: Fürth

Der gebürtige Adelsdorfer Isaak Loewi (auch Levi oder Löwi) studierte an der Jeschiwa in Fürth und promovierte anschließend in München, wo er sich zu einem vehementen Vertreter des Reformjudentums entwickelte. In seiner ersten Stellung als Rabbiner in Uehlfeld machte er so sehr von sich reden, dass er 1830 nach Fürth berufen wurde. Als Stadt- und Distriktsrabbiner setzte Dr. Isaak Loewi durch, dass sich viele Gemeinden neue reformierte Satzungen gaben und den Ritus modernisierten. So wurde Fürth unter seinem Einfluss ein Motor der jüdischen Integration und Assimilation in die Mehrheitsgesellschaft. Dr. Loewi setzte sich auch vehement für die Gleichstellung der Juden in Bayern ein und bekam für sein Engagement von König Ludwig II. (reg. 1864-1886) den Bayerischen Michaelsorden 1. Klasse verliehen. Er war seit 1828 mit Rosalie Sofie geb. Kohn (1804-1882) verheiratet und hatte mit ihr neun Kinder.

Isaak Loewi war der zweite Sohn von Vögele geb. Adelsdorfer (1779-1858) und Meir ben Samuel Loewi (1774-1854). Nach einer traditionellen jüdischen Schulbildung an der Cheder in Adelsdorf besuchte er die Jeschiwa des Rabbiners Wolf Hamburger in Fürth, um sich als Rabbiner zu qualifizieren. Jedoch hatte sich das Unterrichtswesen einschneidend verändert: Die bayerische Krone verlangte nun auch von jüdischen Priestern und Lehrern eine nachprüfbare akademische Ausbildung, ansonsten wurde keine Lehrerlaubnis erteilt. Daher studierte er anschließend in München und promovierte als Doktor der Philosophie. Von 1827 bis 1830 wirkte er als Rabbiner der Kultusgemeinde im mittelfränkischen Uehlfeld, wo er sich durch seine aufgeschlossene, dem Reformjudentum verpflichtete Lehre hervortat. Er war seit 17. November 1828 mit Rosalie Sofie geb. Kohn (1804-1882) verheiratet und hatte mit ihr neun Kinder sieben Söhne und zwei Töchter.

In Fürth, der größten jüdischen Kultusgemeinde im Königreich Bayern, hatte es nach dem Tod des hochangesehenen Oberrabbiners Meschullam Salman Kohn im Jahr 1819 lange Konflikte zwischen der bayerischen Regierung und der überwiegend orthodoxen Gemeinde gegeben, so dass die Wahl eines Nachfolgers immer wieder scheiterte. Schließlich votierte als Schiedsmann der Fürther Bürgermeister Bäumen für Loewi. Am 31. Dezember 1830 bestätigte die bayerische Regierung Loewi als Rabbiner in Fürth, fertigte bereits dessen Bestallungsdekrete aus und ordnete seine Installation an, als es durch orthodoxe Gemeindemitglieder eine (vorgeschobene) Beanstandung gab. So konnte erst am 10. März 1831 die Wahl "höchsten Ortes" bestätigt werden. Zehn Tage später hielt Dr. Isaak Loewi seine Antrittspredigt und wurde von der Kultusgemeinde zähneknirschend in einem Festakt eingeführt. An der Feier nahmen auch zahlreiche Christen und alle Magistratsräte der Stadt teil.

Dr. Isaac Loewi war der erste liberale Rabbiner in Fürth. Trotz oder gerade wegen der nie verklingenden Kritik orthodoxer Kreise genoss er über seine gesamte Amtszeit hinweg die Unterstützung des Staates. Mit der Förderung des Reformjudentums erhoffte sich das Königreich Bayern die schnellere Integration der jüdischen Staatsbürger in Wirtschaft und Gesellschaft - aber auch ihre kulturelle Assimilation in die Mehrheitsgesellschaft, die Kehrseite der voranschreitenden Integration. So konnte Loewi umfassende Reformen durchsetzen, die für das bayerische, deutsche und europäische Judentum maßgeblich wurden. Er setzte eine zeitgemäße Form des Kultus durch, die sich am christlichen Pietismus orientierte und ließ 1831 die Hauptsynagoge restaurieren, was das seit 1617 bestehende Gebäude grundlegend veränderte. Die Umgestaltung übernahm mit Albert Christoph Reindel derselbe Künstler, der nahezu gleichzeitig auch die Michaelskirche mit der heute noch dominierenden neugotischen Innenausstattung prägte, was eine (gewollte) Anpassung des Erscheinungsbildes von Synagoge und Kirche mit sich brachte. Den Frauen, die zuvor in Nebenräumen den jüdischen Gottesdienst verfolgten, ließ er eine Empore in der Synagoge bauen. Loewi führte Gebete, Gesang und Predigt in deutscher Sprache ein und unterstützte die Entwicklung der Stadt. So setzte sich für die Gründung des Gewerbevereins und der Gewerbeschule ein. Stadtbekannt war sein gutes Verhältnis zu seinen evangelischen und katholischen Amtsbrüdern. Seinem großen Einfluss ist es zu verdanken, dass Fürth zu einem der Zentren des deutschen Reformjudentums und ein Motor der jüdischen Integration in den deutschen Staat wurde.

Dr. Loewi setzte sich sehr stark für die Gleichstellung der Juden in Bayern ein. Deshalb wurde er am 4. Dezember 1866 von König Ludwig II. von Bayern (reg. 1864-1886) in der Fürther Synagoge besucht. Im Jahre 1868 erließ der König ein Gesetz, das in Bayern alle noch verbliebenen Einschränkungen für Juden aufhob, und verlieh Loewi den bayerischen Michaelsorden 1. Klasse mit einem persönlichen (nicht erblichen) Adelspatent. Besondere Verdienste erwarb sich Loewi um die jüdische Gemeinde Nürnberg, die er von 1857 bis 1872 betreute. Diese schied zwar am 18. März 1866 aus seinem Bezirk aus, war aber bis zur Nürnberger Rabbinerwahl 1872 mit seinem Kreis verbunden. Er schuf in Nürnberg die gemeindliche Organisation und verfocht bei den Behörden deren Rechte. Als Loewi mit 71 Jahren nach einer längeren Krankheit starb, wurde er im ganzen Deutschen Kaiserreich durch zahlreiche Nachrufe gewürdigt. Er ruht noch heute auf dem Alten jüdischen Friedhof in Fürth, wo heute eine Straße zu seinen Ehren benannt ist.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Frank Purrmann: Fürth. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 249-333.
  • Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth 1968, S. 246.

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