Biografien
Menschen aus Bayern

David Steindecker Fabrikant und Kaufmann, Inhaber der Pinselfabrik "Marx Schloss"

geboren: 24.12.1874, Bechhofen
gestorben: 1944, Auschwitz

Wirkungsort: Bechhofen

David Steindecker wuchs nach dem Tod des Vaters zusammen mit seinen Brüdern Adolf (1877-1929) und Hugo Steindecker (1879-1930) beim Großvater Marx Schloss auf. Nach dessen Ableben übernahmen sie die Leitung der "Pinselfabrik Marx Schloss Bechhofen". Sie bauten von 1902 bis 1904 ein neues Fabrikgebäude und etablierten die Marke auf dem internationalen Markt. David führte die Pinselfabrik fast 40 Jahre lang. Als einer der größten privaten Arbeitgeber in der Region spielte David Steindecker eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben von Bechhofen, war aber auch sozial aktiv und engagierte sich in seiner jüdischen Gemeinde. Aus seiner Ehe mit Ida geb. Löwenthal (1880-1944) ging der einzige Sohn Siegfried hervor, der jedoch schon 1915 mit sieben Jahren starb. Nach der NS-Machtübernahme 1938 wurde die Fabrik konfisziert, das Ehepaar Steindecker verließ als letzte Juden den Ort und zog nach München. 1942 wurden sie nach Theresienstadt deportiert und 1944 im Auschwitz ermordet.

David Steindecker war der älteste von drei Söhnen der Clara geb. Schloss (1849-1923) und des Kaufmanns Salomon Steindecker (1843-1885). Gemeinsam mit seinen Brüdern Adolf (1877-1929) und Hugo Steindecker (1879-1930) wuchs er nach dem frühen Tod des Vaters bei seinem Großvater Marx Schloss (1821-1894) auf und wurde darauf vorbereitet, einmal die erfolgreiche "Pinselfabrik Marx Schloss Bechhofen" zu übernehmen. David besuchte die Volksschule in Bechhofen und anschließend vier Jahre die Kgl. Realschule Fürth. Als Marx Schloss am 7. Oktober 1894 verstarb und auf dem jüdischen Friedhof in Bechhofen beigesetzt wurde, ging das Unternehmen zunächst an Clara Steindecker und dann an die Brüder, die gemeinsam die Leitung übernahmen. Von 1902 bis 1904 erbaute die Familie ein neues Fabrikgebäude in der Bahnhofstraße (heute Ansbacher Straße) und baute zielstrebig die – rechtlich geschützte – Marke "Marx Schloss" zu einem internationalen Exportartikel aus.

Am 21.Oktober 1906 heiratete David Steindecker die gebürtige Uffenheimerin Ida geb. Löwenthal (1880-1944). Der gemeinsame Sohn Siegfried Steindecker wurde am 04. Juni 1908 geboren, aber starb bereits am 23. April 1915. Auch er ruht auf dem Bechhofener Friedhof. Nach dem Ableben von Idas Vater wohnte auch ihre Mutter Clara Löwenthal bis 1929 im Hause Steindecker.

David Steindecker führte die Pinselfabrik rund 39 Jahre lang, erst mit seinem Bruder Hugo zusammen, nach dessen frühen Tod im Jahr 1930 alleine. Der jüngste Bruder Adolf hingegen war nach London gezogen, um von dort den wachsenden Export in die englischsprachige Welt zu organisieren. Ein Zweitbetrieb mit 33 Mitarbeitern öffnete in Wieseth. Das Familienunternehmen entwickelte sich schwunghaft und exportierte seine Produkte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch nach Großbritannien und in die USA. Auch außerhalb der Firma spielte David Steindecker eine bedeutende Rolle, sowohl im Vereinsleben – seit 1894 war er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bechhofen und bekam im Mai 1929 eine Ehrenurkunde für sein über 30-jähriges Engagement – als auch in der Armenfürsorge und in der jüdischen Gemeinde. Von 1913 bis zur Auflösung 1938 blieb er deren Vorsteher und leitete auch die Chevra Kaddischa (Beerdigungs- und Sozialverein).

Im August 1938 wurde die IKG Bechhofen, aufgelöst und am 14. September zwangen die NS-Machthaber alle verbliebenen jüdischen Familien in einer pogromartigen Aktion zum Wegzug aus Bechhofen. Am 7. Oktober verkauften auch die Steindeckers ihr Wohnhaus, der Rest ihres Besitzes wurde vom Staat konfisziert. Als letzte Juden verließen sie am 12. Oktober 1938 Bechhofen und zogen nach München. Auf dem Weg zum Bahnhof wurde David Steindecker noch von Jugendlichen geohrfeigt.

In München lebte das Ehepaar unter wechselnden Adressen: Erst in der Maximilianstraße 13/I, dann in der Bürkleinstraße 16/0. Sie teilten sich diese Wohnung mit ihren Verwandten Amson und David Schloss, denen noch mit einem spanischen Visum die Flucht gelang. Am 19. Juni 1942 mussten David und Ida Steindecker in den Sitz der orthodoxen Kultusgemeinde (Herzog-Rudolf-Straße 1) übersiedeln, das die NS-Schergen als "Judenhaus" bestimmt hatten. Von dort aus wurden sie am 17. Juli in das Ghetto von Theresienstadt deportiert. Im Jahr 1944 verschleppte man sie in das Vernichtungslager Auschwitz. Ihr Todestag ist nicht bekannt.


(Patrick Charell nach Herbert und Claudia Dommel)

Bilder

Literatur

  • Herbert und Claudia Dommel / Heinz Meyer: Mit meinem Herzen blieb ich in Bechhofen und in Gedanken unter Euch. Eine Biographie über Amson Schloss, jüdischer Textilwarenhändler in Bechhofen mit geschichtlichen Nachweisen. Bad Schussenried 2016.
  • Herbert Dommel: Vom Händler zum Pinselfabrikanten. Die Familien Schloß & Steindecker. Jüdische Arbeitgeber in Bechhofen - ein biografischer Versuch mit geschichtlichen Nachweisen. Unterschwaningen 2008 (= Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg 5).
  • Herbert und Claudia Dommel: Markt Bechhofen an der Heide. Biographisches Gedenkbuch an die Opfer der Schoa und deren Familien. Zur Erinnerung an unsere jüdische Bevölkerung. Feuchtwangen 2008, S. 45-49.

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