Biografien
Menschen aus Bayern

Arnold Zadikow Medailleur und Bildhauer

geboren: 27.03.1884, Kolberg (Kołobrzeg)
gestorben: 08.03.1943, Theresienstadt (Terezín)

Wirkungsort: München

Arnold Zadikow verließ das Gymnasium frühzeitig und arbeitete zunächst als Maurer, bis er in Berlin ein Studium an der Kunsthochschule begann. Nach einem Jahr wechselte er zu Prof. Heinrich Waderé an die Akademie der Bildenden Künste in München. Nach dem Ersten Weltkrieg, wo er in britische Gefangenschaft geriet, begann seine produktivste Schaffenszeit als Künstler. 1928/1929 lebte der Bildhauer als Studiengast in der römischen Villa Massimo. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 floh Zadikow mit seiner Familie zunächst nach Frankreich und 1936 in die Tschechoslowakei. 1942 wurde die Familie Zadikow in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er 1943 verstarb. Der größte Teil seiner zumeist jüdisch-religiösen Skulpturen und Plastiken wurden von den Nationalsozialisten zerstört, jedoch produziert die Glasfabrik Moser in Karlsbad nach seinen Entwürfen bis heute die Produktserie "Barok". Arnold Zadikow war mit der Grafikerin Hilda Lohsing (1890-1974) verheiratet, aus der Verbindung ging Tochter Marianne (1923-2022) hervor.

Arnold Zadikow wurde als Sohn des Vorsängers Isidor Zadikow und der Berta Moses im westpommerschen, heute polnischen Kolberg geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums, das er nach der Mittleren Reife verließ, absolvierte er eine Maurerlehre und besuchte die Baugewerksschule. Nachdem er als Maurergeselle in einem Posener Handwerksbetrieb und einem Berliner Immobilienunternehmen gearbeitet hatte, studierte er an der Berliner Kunsthochschule Bildende Kunst und wechselte nach einem Jahr zu Prof. Heinrich Waderé an die Münchener Akademie der Bildenden Künste. Im Ersten Weltkrieg geriet Zadikow in britische Kriegsgefangenschaft. 1920 heiratete der Bildhauer die Grafikerin Hilda Lohsing (1890-1974). Aus der Verbindung ging Tochter Marianne (1923-2022) hervor.

Seine Werke zeichnen sich durch schlichte Monumentalität und den typographischen Einsatz der hebräischen Schrift aus. Im Auftrag des "Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten" schuf Zadikow 1923 für die Münchner Hauptsynagoge eine Erinnerungstafel für die jüdischen Kriegsgefallenen. 1928/1929 lebte der Bildhauer als Studiengast in der römischen Villa Massimo. 1933 stand im Vorstandszimmer der Israelitischen Kultusgemeine München auch ein Exemplar von Zadikows "David", der zu den Beständen des Berliner Jüdischen Museums gehörte.

Die Mehrzahl der großen Marmor- und Bronzeskulpturen Zadikows wurde von den Nationalsozialisten zerstört. Erhalten blieb auf dem Alten Jüdischen Friedhof in München das Grabdenkmal für den Rabbiner Dr. Heinrich Ehrentreu. Auch der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld beauftragte Zadikow mit der Anfertigung seines Grabmals, das sich auf dem Cimétiere de la Caucade in Nizza befindet. 

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 floh Zadikow mit Frau und Tochter zuerst nach Paris, wo er in seinem Atelier in Malakoff südlich von Paris unter anderem eine Medaille für das "Comité national" modellierte, und 1936 in die Tschechoslowakei. Für die Glasfabrik Moser in Karlsbad entwarf er unter anderem die heute noch produzierte Reihe "Barok". Nach dem Anschluss des Sudetenlands an das Deutsche Reich verlor Zadikow 1938 seinen Arbeitsplatz und zog nach Prag. 1942 wurde der Künstler mit seiner Familie in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb er 1943 an einer eitrigen Bauchfellentzündung als Folge eines Blinddarmdurchbruchs. Zadikows Frau und Tochter überlebten das Ghetto und emigrierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA.


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Debórah Dwork (Hg.): The Terezín Album of Mariánka Zadikow. Übersetzung aus dem Tschechischen und Deutschen von Marianka Zadikow. Chicago 2008.
  • Karl Schwarz: Gussmedaillen von Arnold Zadikow. In: Der Cicerone, 8 (1916), S. 281f.
  • Karl Schwarz: Arnold Zadikow. In: Ost und West. Oktober 1913, Sp. 779-784.

GND: 139287175