geboren: 23.05.1854,
Niederwerrn (Ufr)
gestorben: 20.10.1936,
München
Wirkungsort:
Bamberg | München
Dr. med. Adolf Theilhaber assistierte nach einem Studium in Würzburg und Leipzig zunächst am Nürnberger Krankenhaus. Er machte sich 1877 mit einer gynäkologischen Praxis in Bamberg selbstständig, wo er in die großbürgerliche Familie Cohen einheiratete. Mit Therese Cohen (1859-1917) hatte er die Söhne Robert (1882-1942, Rechtsanwalt) und Felix Aron Theilhaber (1884-1956, Gynäkologe und Zionist). Im Jahr 1888 zog Dr. Adolf Theilhaber mit seiner Familie nach München um, wo er eine Privatklinik eröffnete, zahlreiche Fachbücher schrieb und nach vielen medizinischen Erfolgen mit dem Titel eines kgl. Hofrats ausgezeichnet wurde. Obwohl Dr. Theilhaber säkular lebte, bekannte er sich dennoch zu seinem "mosaischen Glauben". Zuletzt war er Vorsitzender des "Daniel-Bundes e.V.", der sich die "ethische Erneuerung des Judentums" zum Ziel gesetzt hatte.
Dr. med. Adolf Theilhaber kam in der jüdischen Landgemeinde von Niederwerrn (Unterfranken) zur Welt. Sein Vater war der Viehhändler Jakob Aron Theilhaber (Daten unbekannt), doch entgegen der Familientradition erkämpfte sich Adolf einen Platz am Gymnasium und konnte später Medizin in Würzburg und Leipzig studieren. Im Jahr 1874 promovierte er mit einer Disertation über "Bruchsteinklemmungssymptome ohne Bruch" und arbeitete zunächst als Assistent am Städtischen Krankenhaus in Nürnberg. 1877 ging er nach Bamberg, wo er eine gynäkologische Praxis eröffnete und von 1878 bis 1887 zusätzlich als Repetitor an der städtischen Hebammenschule arbeitete.
Dr. Adolf Theilhaber heiratete in die großbürgerliche und fast völlig assimilierte Bamberger Familie Cohen ein; seine Ehefrau Therese geb. Cohen (1859-1917) beschreibt in ihrem Tagebuch ein mondänes Leben, das sich mit rauschenden Weihnachts- und Silvesterfeiern nur wenig von dem christlicher Bürgerfamilien unterschied. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor: Robert Theilhaber (1882-1942) wurde später Jurist und starb in Aschwitz, Felix Aron Theilhaber (1884-1956) begeisterte sich für den Zionismus und nahm den Werdegang seines Vaters zum Anlass für erste Studien über das schwindende bayerische Landjudentum. Er studierte ebenfalls Medizin und wurde Dermatologe, 1935 wanderte er mit seiner Familie nach Palästina aus.
1888 zog die Familie nach München um, wo sich Dr. Adolf Theilhaber als anerkannter Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie etablierte. 1895 konnte er eine Privatklinik für Frauenkrankheiten eröffnen. Er veröffentlichte medizinische Fachbücher vor allem zur Gynäkologie, darunter "Der Zusammenhang von Nervenkrankheiten mit Störungen in den weiblichen Geschlechtsorganen" (1902), "Das Weib vor und in der Ehe" (1921) und "Die zellulare Immunität in ihrer Einwirkung auf Entstehung und Behandlung von Konstitutions- und Infektionskrankheiten" (1925), hatte jedoch auch immer wieder Faible für weniger akademische Fragen, wie z.B. "Die Gefahren des Velocipedierens [Radfahrens] für die Gesundheit" (1896). Für sein Wirken wurde Dr. Adolf Theilhaber ihm in den letzten Jahren der bayerischen Monarchie der angesehene Titel eines kgl. Hofrats verliehen. Er war zuletzt auch Vorsitzender des "Daniel-Bundes e.V.", der sich die "ethische Erneuerung des Judentums" zum Ziel gesetzt hatte, unter anderem durch die Gründung jüdischer Kleingarten-Anlagen. Nach seinem Tod wurde er auf dem Neuen jüdischen Friedhof in München beigesetzt.
(nach Renate Heuer)
Literatur
- Renate Heuer: Felix Aron Theilhaber (1884-1956), Arzt und Statistiker des deutschen Judentums. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 293-298.
Weiterführende Links
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