Zeitzeugen berichten

Maria Eichinger Vertriebene, Unternehmerin

Signatur
zz-1515.02
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Reiner Holzemer)
Referenzjahr
1950

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Maria Eichinger über ein Hilfspaket, das die Pockinger Schule von einer amerikanischen Schule in Wisconsin 1950 erhielt.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Zeitzeugeninterview mit Maria Eichinger, aufgenommen am 15.04.2013 in Pocking, über ihre Jugend- und Schulzeit, die Flucht aus dem Sudetenland, den Alltag im Nachkriegsbayern und ihre Beziehungen in die USA.

Biogramm

Frau Maria Eichinger wurde am 1935 in Freudenthal im Ostsudetenland geboren. Ihre Eltern betrieben dort ein Wirtshaus. Sie ist die jüngste von vier Schwestern. Im Juni 1945 wurde die Familie von den Russen und Tschechen ausgewiesen und floh über Halle und Leipzig nach Riesa bei Dresden. Von da aus gingen sie zu Fuß und mit einem Leiterwagen weiter nach Rotthalmünster. Die Familie suchte nach der ältesten Tochter, die in Pocking Luftwaffenhelferin im Fliegerhorst war. Der Vater war kriegsverwundet und wurde später Hilfsarbeiter. Trotz der einfachen Verhältnisse, in denen die Sudetendeutschen lebten, besuchte Eichinger ein teures Internat in Simbach und anschließend eine private Realschule in Pocking, zu der sie täglich 15 Kilometer mit dem Fahrrad fahren musste. Sie absolvierte die Mittlere Reife und arbeitete vier Jahre als Sprechstundenhilfe in Bad Höhenstadt. Ihre Eltern ließen sich scheiden. Maria Eichinger heiratete und gründete eine eigene Familie. Seit 1959 betrieben sie eine eigene Werkstatt in Tutting. 1965 zog die Familie nach Pocking und 1985 ließ sich Maria Eichinger von ihrem Mann scheiden. Alleine führte sie den Betrieb mit 40 Angestellten weiter, bis sie die Leitung von Verkauf und Werkstatt an ihre beiden Söhne übergab. Während Maria Eichingers Schulzeit wurde eine amerikanische Hilfssendung aus Wisconsin über das Rote Kreuz zu Weihnachten 1950 an ihre Schule in Pocking übermittelt. Das Packet war mit großen, weichen Radiergummis, Heften, Buntstiften und kleinen Handtüchern gefüllt. Zum Dank gestaltete die Schule ein Buch, das den deutschen Schulalltag beschreibt. Maria Eichinger half bei der Gestaltung selbst mit, schrieb Texte und fertigte Zeichnungen an. Das Buch wurde nach Wisconsin geschickt. 2007 tauchte es wieder auf und die Geschichte wurde veröffentlicht.

Inhalte

Geboren 1935 in Freudenthal – Familie führte ein Wirtshaus – drei Geschwister – Ausweisung aus dem Sudetenland 1945 – Transport per Zug nach Dresden – Vater war kriegsversehrt – älteste Schwester als Luftwaffenhelferin in Pocking – Ende der Flucht in Rotthalmünster – Besuch einer privaten Realschule in Pocking – Lehrer und Großteil der Schüler waren Flüchtlinge – Abschluss der Mittleren Reife – große Armut – Schulspeisung durch Amerikaner – Angst vor den Russen – Angst vor Vergewaltigungen – äußerst engagierte Lehrer – Tod des Vaters 1957 – Flüchtlinge als Menschen zweiter Klasse angesehen – Vorurteile teilweise bis 1980 – Ankunft eines Hilfspakets aus Amerika 1950 – hauptsächlich Schulsachen – Verfassung eines Dankesbuches durch die Schüler und Lehrer – Wiederentdeckung des Buches 2007 durch Zufall – wenig Informationen über USA – sehr gutes Bild von den USA aufgrund des Hilfspakets – Heirat der Schwester mit einem Amerikaner – Sicht auf Amerikaner als Heilige – Einstellung der Schulspeisung – Lifestyle der Amerikaner mit mehr Freiheit – Austausch mit Amerika.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
0:31 h
Aufnahmedatum:
15.04.2013
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Reiner Holzemer

Kamera: Reiner Holzemer