Atlas zum Wiederaufbau

Sulzbach-Rosenberg

In den letzten Kriegsmonaten fielen Bomben auf Sulzbach-Rosenberg, ehe am 22.04.1945 US-Truppen einmarschierten. Durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen stieg die Bevölkerungszahl stark an: 1939 lebten 11.488 Personen der Stadt, 1946 17.082. Zunächst wurden Massenunterkünfte eingerichtet, 1947 folgten Wohnungsbauprogramme für Sulzbach-Rosenberg und die Maxhütte.

Angriffe

• letzte Kriegsmonate: mehrere Angriffe durch Jagdbomber und Tiefflieger auf die drei Bahnhöfe, Straßen, Kolonnen und einzelne Fahrzeuge
• 11. April 1945: Luftangriff auf einen Gefangentransport

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff am 11. April 1945: 7 Tote und mehrere Verwundete
• durch Verteidigungskämpfe der Wehrmacht und US- Artilleriefeuer am 22. April 1945: 8 Tote

Schäden

• durch Verteidigungskämpfe der Wehrmacht und US-Artilleriefeuer am 22. April 1945:
 - Granateinschläge in der Annakirche und in mehreren Anwesen am Annaberg
 - Beschussschäden am Rathaus, der gotischen Pfarrkirche, am evangelischen Dekanatsgebäude, der Klosterschule und weiteren Gebäuden im Stadtkern
 - insgesamt Beschädigung von ca. 20 Gebäuden
 - völliger Zusammenbruch der Strom- und Wasserversorgung
 - Granattreffer im Keller des „Eibl-Hauses“ am Mühlberg (3 Tote)

Kriegsende

• 21. April 1945: Sprengung der Bahnbrücke in der Nürnberger Straße durch deutsche Truppen
• 22. April 1945:
 - Beschuss verschanzter SS-Einheiten auf dem Annaberg durch US-Artillerie
 - Beschuss des Stadtgebiets am Morgen des 22. April durch die US-Artillerie zur Einschüchterung womöglich verbliebener Wehrmachts- und SS-Einheiten
 - Einmarsch der US-Armee

Spuren des Krieges

• bis heute nicht entfernter US-amerikanischer Granatblindgänger in der Außenwand der Annabergkirche

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 11.488
1946: 17.082
1955: 18.722
1961: 19.567
1968: 18.681
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• Mai 1939 - Dezember 1945: Bevölkerungsanstieg durch Aufnahme von Heimatvertriebenen von 11.501 auf 15.762 Einwohner
• ab Oktober 1943: Einqaurtierung von ca. 3.200 Evakuierten und Rückgeführten
• seit Mai 1945: hoher Flüchtlingsanstrom
• 13. September 1950: 4.708 Heimatvertriebene (18.212 Einwohner insgesamt)
• Unterbringung der Flüchtlinge:
 - Lager
 - öffentliche Gebäude und Säle
 - Gasthäuser
 - Barackenlager am Schlackenberg, Loderhof und am Bergwerk

Wiederaufbau

Umsetzung:

• 01. November 1946: Wiederbesetzung des Stadtbauamts
• 1947 - 1956: Wohnungsbauprogramm der Maxhütte und der städtischen Bauverwaltung an der Hugo-Geiger-, Vollmar-, Schlesier- und Oberschwaigstraße und am Henneberg
• 27. August 1948: Bildung eines Gewerbeförderungsausschusses durch den Stadtrat zur Heranziehung von Industrie
• Oktober 1948: Einweihung der Hugo-Geiger-Siedlung mit mehreren hundert neuen Wohnungen
• 1949: Grundsteinlegung erster Häuser an Goethe- und Ludwig-Thoma-Straße durch die „Siedlungsgemeinschaft Siedlung am Loderhof GmbH“
• 1950:
 - Freigabe des Lerchenfelds zur Besiedlung und Ausarbeitung eines Besiedlungskonzepts durch den Stadtrat
 - Auflösungsprogramm für Flüchtlingslager und Beginn mit dem Ersatz der Baracken durch Mietshäuser
 - Sulzbach-Rosenberger Herbstmesse 1950 mit erster Jura-Braugerstenschau als Markstein des wirtschaftlichen Neubeginns
• 1951:
 - Fertigstellung der Fischersiedlung
 - Stadtbildänderung mit Verschwinden des Gänseangers durch den Bau der neuen Straße am Anger
• 1953: Bau eines neuen Krankenhauses nach Vermittlung der sog. „Mc Cloy Spende“ durch den letzten Leiter der Sulzbach-Rosenheimer Zweigstelle des HICOG (Office of the US High Commissioner for Germany)
• bis 1955: weitere Wohnungsbauprojekte an der Bahnhofs-, Rumburg- und Konrad-Mayer-Straße sowie am Hubberg

Literatur

HARTMANN, JOHANNES (Hrsg.): Das Kriegsende in Sulzbach-Rosenberg. 22. April 1945. Begleitband zur Sonderausstellung im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg vom 23. April bis 15. Juni 1995, Amberg 1995 (= Schriftenreihe des Stadtmuseums Sulzbach-Rosenberg, Bd. 5).
OSTERMANN, Rainer: Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch, Regensburg 1995.
PIEGSA, Bernd: Acht Menschen sterben bei Beschuss. US-Armee zieht am 22. April in Sulzbach-Rosenberg ein, in: Vogelsang, German: Sie kommen. Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945, Amberg 2005.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 494.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 19.

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