Erst beim Vormarsch der US-Truppen 1945 wurde Schrobenhausen Ziel von Luftangriffen und Artilleriefeuer. Am 28.04.1945 marschierten US-Soldaten gegen vereinzelten Widerstand in den Ort ein. Seit April 1946 mussten Flüchtlinge und Heimatvertriebene untergebracht werden. 1949 betrug ihr Anteil 30% an der Bevölkerung. 1968 zählte man 8.512 Einwohner. Um den weitgehend intakt gebliebenen Stadtkern legten sich neue Siedlungsgebiete.
Neugründung
• im 2. Weltkrieg: zeitweise Beherbergung von 2 Lazaretten in Schrobenhausen
Angriffe
• Ende April 1945: US-Tieffliegerangriffe und US-Artilleriebeschuss
• 27. April 1945: US-Tieffliegerangriffe auf die Hagenau und Schrobenhausen
• 27./28. April 1945: US-Artilleriefeuer auf Schrobenhausen
• 28. April 1945: US-Artilleriefeuer auf die Schrobenhausener Innenstadt
Tote und Verletzte
• durch Tieffliegerangriffe am 27. April 1945:
- mehrere verletzte deutsche Soldaten in der Hagenau
- 4 tote Bürger in Schrobenhausen
• durch Artilleriefeuer am 27./28. April 1945: 4 Tote, die in einem Keller Schutz gesucht hatten
• durch Brückensprengung am 28. April 1945: 1 Verletzte
• durch Expolsion am 30. April 1945: 3 tote Kinder in der Kiesgrube am Kellerberg beim Spielen mit weggeworfener Munition
Schäden
• durch Tieffliegerangriffe am 27. April 1945:
- Brände in mehreren Schrobenhausener Gebäuden
- Schäden an mehreren Gebäuden, u.a. am Dach der Frauenkirche
• durch Artilleriefeuer am 27./28. April 1945: Schäden an mehreren Gebäuden durch Granateneinschläge
• durch Artilleriefeuer am 28. April 1945:
- Ausbrennen des Gasthofs Weil
- Ausbrennen des Stadels des Zinser Bauern
• durch Brückensprengung am 28. April 1945: schwere Schäden an den umliegenden Häusern
• insgesamt im Raum Schrobenhausen relativ geringe Kriegsschäden
Kriegsende
• Ende April 1945: Errichtung von (letztlich unwirksamen) Panzersperren durch den Volkssturm
• 27./28. April 1945:
- US-Artilleriefeuer auf die Stadt
- Abzug deutscher Truppen
• 28. April 1945:
- vereinzeltes Hissen von weißen Fahnen in verschiedenen Häusern und auf dem Turm der Stadtpfarrkirche St. Jakob
- Vorbereitung der Sprengung der Paarbrücke an der Donaumühle durch eine SS-Einheit
- Verhinderung der Sprengung durch das Zerschneiden der Zündschnüre und das Entfernen der Sprengladungen von einigen Schrobenhausener Bürgern, u.a. dem späteren Bürgermeister Fritz Stocker, sowie Willhelm Gollwitzer und Michael Schreiner
- erfolglose Durchsuchung der Unteren Vorstadt durch die SS mit dem Zweck die Saboteure der Sprengung ausfindig zu machen
- erneuter Vorbereitung der Paarbrücke an der Donaumühle zur Sprengung durch SS-Soldaten
- erneute Verhinderung der Sprengung durch Fritz Stocker durch inszeniertes Geschrei auf der Straße („Die Amerikaner kommen!“)
- Flucht der SS-Soldaten ohne vorherige Sprengung der Paarbrücke
- Vorrücken der ersten US-Panzerspitzen auf die westliche Stadt
- Sprengung der Lederer-Brücke in der Oberen Vorstadt durch eine SS-Einheit, nach fehlgeschlagenen Versuchen einiger Schrobenhausener Bürger die Sprengung durch Verhandlungen mit den SS-Soldaten zu verhindern
- Hissen weißer Fahnen auf der Frauenkriche, der Vorstadtkriche und der evang. Christuskirche
- weiteres Vorrücken der US-Panzer auf die Stadt
- Widerstandsversuch einer SS-Einheit beim Gasthof Weil
- US-Artilleriefeuer auf den Gasthof Weil
- Vorrücken von US-Panzern in die Neuburger Straße Richtung Bahnübergang
- Feuergefecht zwischen US-Panzern und einer MG-Stellung der SS beim Stadel des Zinser Bauern
- kampfloser Einmarsch des XV. Armeekorps der US-Armee
Ausgangslage
Einwohnerzahlen:1946: 8.070
1955: 8.185
1961: 8.690
1968: 8.512
• nach Kriegsende 1945: Anwachsen der Bevölkerungszahl durch den Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen um mehr als 50% im Vergleich zu 1939 auf über 8.000 Einwohner
• seit April 1946:
- großer Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, v.a. aus dem Sudetenland
- im Raum Schrobenhausen überdurchschnittliche Aufnahme von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, im Vergleich zu Gesamt-Bayern, wegen der geringen Kriegszerstörung
• September 1949: 8.553 Einwohner, darunter 30% Flüchtlinge und Heimatvertriebene
• 13. September 1950: 1.985 Heimatvertriebene (7.966 Einwohner insgesamt)
Wiederaufbau
Umsetzung:• nach Kriegsende 1945: durch Flüchtlingszustrom und Wohnungsneubau Ausweitung des Stadtgebietes und Zusammenwachsen der Orte Schrobenhausen, Mühlried und Steingriff
• 1946:
- Beginn des Schulunterrichts
- Wiedereröffnung des Amtsgerichts Schrobenhausen (zuvor von der US-Armee besetzt)
• 1947: Wiedereröffnung des Waaghauses mit dem Heimatmuseum nach dessen Instandsetzung
• ab Ende 1940er Jahre: Entstehung neuer Industriegebiete
• 1948: Gründung einer Photochemischen Fabrik (heute Agfa)
• 1950er und 1960er Jahre: wirtschaftlicher Aufschwung, v.a. auch durch die Betriebsgründungen der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge
• 1950er Jahre: Entwicklung der Firma Bauer zu einer Weltfirma durch die Erfindung des Beton-Injektionsankers (heute mit ca. 4.000 Beschäftigten das größte Unternehmen im Landkreis)
• 1950/1951: Bau des evang. Pfarrhauses
• 1952 – 1978: Sanierung des Turms der Frauenkirche
• 1955: Gründung des SSV Schrobenhausens
• 1955 – 1958: Renovierung der Stadtpfarrkirche
• 1958:
- Eröffnung des Städtischen Freibads
- Ansiedlung von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB, heute Tochtergesellschaft der EADS)
• 1959:
- Josef Schnell wird Deutscher Meister im Gewichtheben
- Schrobenhausen gilt lange Jahre als „Hochburg der Gewichtheber“
• 1960er Jahre: Bau der Ortsumgehung und so Verlegung der B13 aus der Innenstadt an den Stadtrand
• 1960: Niederlassung der Firma Ytong
• 1963/1964: Restaurierung der Frauenkirche
• 1967: Abbruch des alten Rathauses (aus dem Mittelalter) und des Waaghauses (Wiederaufbau des Waaghauses 1985/1986)
• 1968/1969: Neubau des neuen Rathauses an selber Stelle und Versetzung des alten Lenbachbrunnens in die Parkanlage „Drei Linden“
• 1969: erste „SOBA“ (Wirtschaftsmesse) in Schrobenhausen
• Juli 1972: im Zuge der Gebietsreform:
- Eingemeindung von Edelshausen, Hörzhausen, Mühlried, Sandizell und Steingriff
- Auflösung des Landkreises Schrobenhausen und Verlust des Kreisstadtstatus (Amtsgericht, etc.)
- Bildung des neuen Landkreises Neuburg-Schrobenhausen (Kerngebiet des alten Lkr. Schrobenhausen, Großteil des alten Lkr. Neuburg und kreisfreie Stadt Neuburg a.d. Donau)
Literatur
RÖDIG, Bernhard / PETRY, Mathias (Hrsg.): Der Tag, an dem die Amerikaner kamen. Kriegsende in Schrobenhausen, Schrobenhausen 1995.
DIREKTOR, Max: Schrobenhausen – Geschichte einer altbayerischen Stadt, in: 40 Jahre Ingolstädter Anzeiger, 2004, S. 58 - 70.
STADT SCHROBENHAUSEN (Hrsg.): 550 Jahre Stadt Schrobenhausen. 1447 – 1997, Schrobenhausen 1997, S. 25 – 29, S. 107.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 492.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 19.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.
VITZTUM, Werner: Stadt Schrobenhausen. Erzähltes zur Geschichte, Pfaffenhofen 1986, S. 5 – 298.
DANK:
Für weitere Informationen danken wir dem STADTARCHIV Schrobenhausen.