Atlas zum Wiederaufbau

Großostheim

Seit 1944 hatten mehrere Luftangriffe den Flugplatz zum Ziel. Am 25.03.1945 marschierten US-Truppen ein. Bis Ende 1945 hielten sich 1.246 Flüchtlinge im Ort auf. Die Einwohnerzahl stieg  von 4.332 (1939) kontinuierlich auf 8.064 (1968).  Der Wohnungsbau wurde u.a. durch die Einführung eines „Notgroschen“ finanziert.

Angriffe

• seit Oktober 1944: mehrere alliierte Luft- bzw. Tieffliegerangriffe auf den Flugplatz am Weideplatz im Ringheimer Wald (Fliegerhorst 20/XXII)
 - Flugplatz 1937 eingerichtet und seit 1942 der militärischen Forschung dienend
 - Angriffe u.a. am 18. November 1944 und am 05. Januar 1945
• 12. Dezember 1944: bei einem Luftangriff auf den Flugplatz fallen einige Spreng- und Brandbomben infolge schlechter Sicht in den Oberwald und in den Bereich um die Wendelinuskapelle
• 24. Dezember 1944: Luftangriff mit Abwurf von hunderten Bomben im Raum Großostheim
• 29. Dezember 1944: Abwurf mehrerer Sprengbomben im Gebiet Großostheim
• 25. Februar 1945: Luftangriff auf das weiter Mainaufwärts gelegene Panzerwerk Seibert

Tote und Verletzte

• durch Luftangriff vom 24. Dezember 1944:
 - mehrere Tote
 - 10 Verletzte
• durch Luftangriff vom 05. Januar 1945: 2 tote deutsche Soldaten
• durch Luftangriff vom 25. Februar 1945: mehrere Tote Fremdarbeiter des Panzerwerks Seibert

Schäden

• Schäden insgesamt:
 - Großostheim selbst blieb vom Luftkrieg weitestgehend verschont
 - leichtere Schäden beschränken sich zumeist auf den Fliegerhorst und dessen nähere Umgebung
• durch Tieffliegerangriff vom 18. November 1944: Zerstörung eines Schuppens auf dem Flugplatz durch Brand
• durch Luftangriff vom 29. Dezember 1944: Zerstörung des Panzerwerks Seibert und des Aschaffenburger Wasserwerks durch Sprengbomben

Kriegsende

• 25. März 1945:
 - widerstandsloser Einmarsch der US-Armee
 - Einnahme Großostheims durch amerikanische Verbände der 4. US-Panzerdivision, die mit der Beschießung Aschaffenburgs beginnen

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 4.332
1946: 5.557
1955: 6.079
1961: 6.948
1968: 8.064
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• bis Ende 1945: Aufnahme von 1.246 Flüchtlingen
• 1950: 1.211 Heimatvertriebene sowie 92 Evakuierte aus anderen bayerischen Landesteilen haben sich dauerhaft in Großostheim niedergelassen
• 13. September 1950: 1.116 Heimatvertriebene (5.866 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• 1945 - 1960er Jahre:
 - Linderung der Wohnungsnot vordringlichste Aufgabe des Gemeinderats
 - daher Einführung eines Notgroschens für den Wohnungsbau
 - Konzentration der Gemeindepolitik auf die materielle und ideelle Förderung von Bauwilligen durch den Verkauf gemeindeeigener Grundstücke unter Berücksichtigung individueller sozialer Gesichtspunkte
• 1947: Bebauungsplan für das Gelände auf dem ehemaligen Flugplatz im Unterwald
• 18. Oktober 1948: Beschluss des Gemeinderats zum Ausbau von Wohnungen im Feuerwehrhaus
• März 1949: Gemeinderatsbeschluss über den Einbau einer Wohnung im Rathaus
• Februar und Mai 1949: Bewilligung einer Kreditaufnahme von 20.000,- bzw. 70.000,- DM zur Errichtung eines Wohnblocks an der Pflaumheimer Straße durch den Gemeinderat
• 1950: Bereitstellung eines außerordentlichen Haushalts zur Finanzierung von 22 Wohneinheiten am ehemaligen Flugplatz
• 1963: weiterer Bebauungsplan

Umsetzung:

• nach Kriegsende 1945: beschleunigter Wandel von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer von Handwerk und kleinen bis mittleren Unternehmen bestimmten Kommune
• seit 1948: Entstehung von Neubaugebieten an den Ortsrändern von Großostheim
• Mai 1949: Beginn mit den Bauarbeiten für die ersten 7 von insgesamt 230 geplanten Doppelhäusern im Ringheimer Wald (heutiger Südring)
• 1949: Gründung des Geschichts- und Kulturvereins „Bachgau“ (1975: Gründung des Museums Großostheim)
• 07. Juli 1950: die neue Siedlung als Kern eines neuen Ortsteils Großostheims erhält die offizielle Bezeichnung „Ringheim“
• 1952: Wiederinbetriebnahme des Flugfelds
• seit Mitte der 1950er Jahre: Entstehung der Ortsrandsiedlungen „Am Floß“, in der „Ebenung“, der „Delle“ sowie an der Ringelstraße
• 1957/1958: Bau der katholischen Kirche Maria Himmelfahrt
• 1958/1959: Schulhausneubau in der „Delle“
• bis Ende 1960:
 - Fertigstellung des Kerngebiets des neuen Ortsteils „Ringheim“
 - in „Ringheim“ mittlerweile 498 Menschen wohnhaft
• 1962/1963: Errichtung der evangelischen Stephanuskirche
• 1963: im Zuge der Flurbereinigung Verlegung des Flugplatzes auf ein Areal an der Babenhäuser Straße
• 1963/1964:
 - Anschluss Ringheims an das Großostheimer Wassernetz
 - Schulhausbau in Ringheim
• 1964: Fertigstellung der neuen Schule in Ringheim
• 1964/1965: Kanalisation
• 1965: Einführung der Straßenbeleuchtung
• 1966: Teerung der Straßen
• 1965/1967: Entstehung rund 100 neuer Häuser in westlicher Richtung im Zuge des neuen Bebauungsplans von 1963

Literatur

HEPP, Peter: Großostheim in den Kriegsjahren. Dokumentation des Kriegsalltags in der Heimat und an der Front, Großostheim 2005.
KLINSIEK, Dorothee: 1200 Jahre Großostheim, Großostheim 1999.
KLINSIEK, Dorothee: Chronik des Marktes Großostheim 1803-1978, Markt Großostheim 1994.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 498.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 20.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 20.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem GEMEINDEARCHIV Markt Großostheim.