Atlas zum Wiederaufbau

Gemünden am Main

Seit Herbst 1944 gab es mehrere Luftangriffe, die sehr schwere Schäden auch in der Innenstadt verursachten. Am 05.04.1945 marschierten US-Truppen ein. Die Kriegslücken am Marktplatz wurden ab den 1950er-Jahren in schlichter, traditioneller Architektur geschlossen.

Angriffe

• 15. Oktober 1944: US-Jagdbomberangriff auf den Bahnhof
• März 1945: insgesamt 5 US-Bombenangriffe, v.a. auf das Bahnhofsgebiet
• 27. März 1945: Angriff der US Task Force Baum
 - Ziel: Einnahme des Kriegsgefangenenlagers Hammelburg
 - Angriff auf Gemünden scheitert, da die Brücke gesprengt wird
 - infolge Gefecht und Beschuss von Kleingemünden durch US-Panzer
 - diese suchen sich einen anderen Weg nach Hammelburg
• 04. April 1945: Artilleriebeschuss und Jagdbomberangriff auf Gemünden sowie den heutigen Ortsteil Wernfeld
• 05.April 1945: beim Angriff auf Gemünden Panzerbeschuss

Tote und Verletzte

• durch Angriff am 15. Oktober 1944: 1 Toter, 1 Verletzter
• durch Angriff am 18. März 1945: 1 Toter, 7 Schwerverletzte
• durch Angriff am 24.März 1945: 7 Tote
• durch Angriff am 26. März 1945: 65 Tote, davon 41 durch den Einsturz des Amtsgerichtsbunkers, und 5 Vermisste
• durch Angriff der US Task Force Baum am 27. März 1945: 1 toter Zivilist und 4 tote Soldaten
• bei Einnahme der Stadt am 04. April 1945: 29 tote Zivilisten, davon 26 im Schulstollen erstickt, und 5 tote Soldaten
• insgesamt: über 200 Tote

Schäden

• durch Angriff am 15.Oktober 1944: ein Lagerhaus, die Güterhalle und einige Wohnbaracken beschädigt
• durch Angriff am 16. März 1945: das Rathaus, die Kirche St. Peter und Paul, das Adelmann-Haus, das Haus Wurzgarten (ehem. Halsgericht) sowie der mittlere und westliche Altstadtbereich schwer getroffen
• durch Angriff am 18. März 1945: das Landratsamt (heutiges Gerichtsgebäude) sowie das Werk der Gebrüder Hamm beschädigt
• durch Angriff am 24. März 1945: Schäden in der heutigen Friedenstraße, am Postamt, in der Hindenburgstraße (heute Bergstraße)
• durch Angriff am 26. März 1945: Bahnhofsviertel und Altstadt betroffen
• beim Angriff der US Task Force Baum:
 - Sprengung der Saalebrücke durch deutsche Truppen
 - Kleingemünden in Brand geschossen
• bei Einnahme der Stadt:
 - 04. April 1945: das Kaufhaus Gerlach und der Kindergarten (im heutigen Stadtteil Wernfeld) beschädigt, mehrere Häuser (im heutigen Stadtteil Wernfeld), die Pfarrkirche St. Peter und Paul und die Schule am Obertor abgebrannt, durch einen Treffer des Eingangs wird der Schulstollen zugeschüttet
 - 05. April 1945: schwere Brände in der Altstadt (Marktplatz, Fischmarkt, Badgassse, Kärrnersgasse, Wirtsgasse)
• Gesamtschäden:
 - 167 Gebäude total zerstört
 - Schadensquote von 65% der Bausubstanz

Kriegsende

• 05. April 1945: Einmarsch der US-Armee
 - Widerstand innerhalb eines Tages gebrochen
 - gegen 18.00 Uhr: Besetzung der Stadt

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 2.523
1946: 3.013
1955: 3.580
1961: 4.193
1968: 4.072
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• 13. September 1950: 4.148 Heimatvertriebene im gesamten Landkreis Gemünden am Main (21.967 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• 1946: Wiederaufbauplanung unter dem Architekten Karl Lauer (aus Thüngen im Werntal):
- Aufstellung einer Rangfolge der zuerst zu errichtenden Gebäude
• Mühlbachfront der südwestlichen Altstadt zwischen Hexenturm und Saalebrücke soll einen „stadtmauerähnlichen“ durchgehenden Baukörper erhalten, dessen Niveau auch Hochwässer berücksichtigt
• Südwestfront des Marktplatzes soll giebelständig in Anlehnung an die alte Gemündener Giebelbauweise erfolgen
• die im Grundriss der Stadt ererbten Altgemündener Stadtstrukturen sollen nicht wiederhergestellt sondern nach neuen modernen Baulinien ausgerichtet, der ursprüngliche Stadtcharakter an sich jedoch erhalten werden
• 1950: Baulinienplan von Kreisbaumeister Ernst Jacobi auf Grundlage der Planungen von Lauer
• Einplanen einer Umgehungsstraße entlang der Bahnlinie im Süden
• Entscheidung zur Nichtwiederbebauung des Marktplatzes sowie des neuen Platzes an der Plattnergasse
• Begradigung der Platz- und Straßenräume

Umsetzung:

• 1945:
 - Mühlbach und damalige Mainstraße zwischen Bahndamm und südwestlicher Stadtmauer zum Auffüllen mit Trümmerschutt freigegeben
 - Wiederaufbaubeginn der spätgotischen Stadtpfarrkirche St. Peter
• 1946:
 - weiterhin Priorität der Schuttabräumung und der Baumaterialbeschaffung infolge Materialknappheit
 - Juni: Organisierung eines freiwilligen Ehrendienstes zur Schutträumung
 - Beginn des Wohnungsbaus
 - Grundstückszusammenlegung und Neuanlage einer durchgehenden Nord–Süd–Straße in Verlängerung der Mühltorstraße
• 1946 – 1950: Planierung des Zerstörungsgebiets
• 1950:
 - Wiedereinweihung der Stadtpfarrkirche
 - Rekonstruktion der gesprengten Saalebrücke
• 1952: Beginn bzw. Neubelebung des Wiederaufbaus unter Beteiligung des Sozialwerks Dr. Seiffahrt/Baden-Baden
• bis 1953: Bebauung der Altstadt mit schlichten Putzbauten in zurückhaltender Bauform
• 1953:
 - Kanalisationsarbeiten
 - Spatenstich für den ersten Wohnhausneubau im Planungsareal der Arbeitsgemeinschaft Wiederaufbau
 - Straßenbau in der Fischergasse
• 1954 – 1956: Bau des neuen Rathauses an der Nordseite des Marktplatzes, Marktplatzneugestaltung
• 1955:
 - Wiederaufbaubeginn des Kirchturms

Kirchen und Klöster

Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul Gemünden am Main

Kirchen und Klöster

Zerstörung: 16.03.1945;04./05.04.1945
Wiederaufbau: 1949-1950;1956-1957

Öffentliche Gebäude

Adelmann-Haus Gemünden am Main

Öffentliche Gebäude

Zerstörung: 16.03.1945; 04./05.04.1945

Haus Wurzgarten (ehem. Halsgericht) Gemünden am Main

Öffentliche Gebäude

Zerstörung: 16.03.1945; 04./05.04.1945

Rathaus Gemünden am Main

Öffentliche Gebäude

Zerstörung: 16.03.1945; 04./05.04.1945

Übrige

Saalebrücke Gemünden am Main

Übrige

Zerstörung: 27.03.1944
Wiederaufbau: 1950

Stadtbefestigung Gemünden am Main

Übrige

Zerstörung: 16.03.1945; 04/05.4.1945
Wiederaufbau: 1949;1950;1962

Literatur

BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM des Innern, Oberste Baubehörde: 40 Jahre Wiederaufbau. Rückblick und Ausblick – Dokumentation am Beispiel der Stadt Gemünden am Main, München 1985.
BESELER, Hartwig / GUTSCHOW, Niels: Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Verluste – Schäden – Wiederaufbau. Band II: Süd, Wiesbaden 2000.
KAISER, Ludwig / MEIßNER, Monika / u.a.: Eine Stadt stirbt. Der Untergang Gemündens am Ende des 2. Weltkriegs, Schriften des Historischen Verein Gemünden a. Main und Umgebung e.V., Jg. 1988 Heft 2, Gemünden a. Main 1993.
NERDINGER, Winfried (Hrsg.): Architektur der Wunderkinder. Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945-1960, Salzburg / München 2005, S. 272 - 275.
SCHMID, Hans–Ulrich: 40 Jahre Wiederaufbau. Rückblick und Ausblick. Dokumentation der Stadt Gemünden am Main, Kronach 1985, S. 62 – 67.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 498.

DANK
Für weitere Auskünfte danken wir dem BAYERISCHEN LANDESAMT FÜR STATISTIK und Datenverarbeitung.

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