Atlas zum Wiederaufbau

Amberg

Nach mehreren Bombenangriffen im April 1945 erfolgte der Einmarsch der US-Truppen. Bei Kriegsende waren etwa 200 Tote zu beklagen. Beschädigt wurden vor allem Industrie- und Militärbauten. 1946 lebten 11.856 Flüchtlinge in der Stadt (insgesamt 36.795); 39 Barackenlager entstanden. Die Kommune arbeitete 1946/49 einen Wohnungsbau-, 1947 einen Erweiterungs- und Wirtschaftsplan aus. Es entstanden mehrere Trabantensiedlungen. Wirtschaftlich kam es zum Strukturwandel: Der Bergbau wurde 1964 aufgegeben, 1946 schon hatte sich Siemens angesiedelt.

Angriffe

• April 1945: Tieffliegerangriffe v.a. auch Bahnhof und Krankenhaus
• 08. April 1945: Tieffliegerangriff auf das Heereszeugamt und die Leopoldkaserne sowie ein Bombenangriff auf den Flugplatz Schafhof
• 09. April 1945: alliierter Bombenangriff auf das Heereszeugamt
• 11. April 1945: alliierter Bombenangriff auf die Luitpoldhütte, den Schlachthof, das Bayernwerk und die Bahnanlagen
• 22. April 1945: Artillerie-Beschuss der Stadt durch US-Truppen

Tote und Verletzte

• durch Angriff am 09. April 1945: ca. 100 Tote
• durch Angriff am 11. April 1945: ca. 100 Tote, davon 70 Arbeiter der Kokillengießerei
• durch Einmarsch der US-Armee:
 - infolge der Schießerei auf dem Paulanerplatz 2 deutsche Zivilisten verletzt, ein deutscher Unteroffizier stirbt
 - infolge des Beschusses einige Verletzte

Schäden

• durch Bombenangriff am 09. April 1945: völlige Zerstörung des Heereszeugamts
• durch Bombenangriff am 11. April 1945: Zerstörung der Kokillengießerei
• durch Beschuss der Stadt am 22. April 1945: Granateneinschlag v.a. auf dem Gelände der Metzerkaserne sowie in der Kastlerstraße, außerdem Beschädigung eines Gebäudes am Schrannenplatz

Kriegsende

• 22. April 1945:
 - widerstandslose Besetzung der Stadt durch US-Truppen ( beim Einmarsch aus bislang ungeklärten Gründen Schießerei auf dem Paulanerplatz)
 - Übergabe der Stadt an die US-Armee durch Bürgermeister Regler
 - Kreisleiter Kolb, der eine Verteidigung organisieren wollte, wird auf der Raigeringer Höhe von den US-Truppen Amerikanern erschossen
• Ende April 1945:
 - Sebastian Regler führt die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters für Josef Filbig (NSDAP-Ortsgruppenleiter), der zur Luftwaffe eingezogen war
 - Filbig und Regler (NSDAP-Mitgliedschaft) werden dienstenthoben
 - Christian Endemann (vor 1933 SPD-Stadtrat, Juli 1933 im KZ Dachau) wird von den US-Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt

Ausgangslage

Einwohnerzahlen:
1939: 31.775
1946: 36.795
1954: 42.802
1955: 42.957
1961: 42.393
1968: 42.340
Flüchtlinge und Heimatvertriebene:

• Januar 1946: 11.856 Flüchtlinge und Vertriebene
 - auf 39 Lager verteilt und aus 4 Flüchtlingsküchen verpflegt (Bierhalle, Bürgerspital, Gasthaus „Hirschen“, Don-Bosco-Heim)
 - Lager in Schulen, Gastwirtschaften oder Stadttürmen
 - viele Flüchtlinge bei Privatpersonen einquartiert
• Januar 1949:
 - 10.132 Flüchtlinge
 - 5.152 Displaced Persons
 - in 4 Lagern untergebracht (Kaiser-Wilhelm-Kaserne, Möhlkaserne, Leoplodkaserne, TBC-Sanatorium)
• Dezember 1949: 10.177 Flüchtlinge
• 13. September 1950: 7.368 Heimatvertriebene (37.920 Einwohner insgesamt)
• 1952: 10.847 Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Evakuierte und 1.740 Ausländer (40.368 Einwohner insgesamt)
• 1955: 8.449 Heimatvertriebene, 2.775 Zugewanderte aus der „Ostzone“, 1.740 Ausländer (43.500 Einwohner insgesamt)

Wiederaufbau

Pläne und Ideen:

• 1946/1949: Wohnungsbauplan von Stadtrat Ibler:
 - 2 Wohneinheiten mit je 1.600 Wohnungen für insgesamt 5.000 Personen
• 1947: Aufstellung eines Erweiterungs- und Wirtschaftsplans
• Appell an die Wohnungseigentümer ihre Dachgeschosse zu Wohnraum auszubauen
• 1949: Gründung eines Wohnungsbauausschusses

Umsetzung:

• Ausbau wichtiger Verbindungsstraßen
• 1946:
 - Siemens kommt nach Amberg und wird in der ehemaligen Gewehrfabrik ansässig
 - erstmals nach dem Krieg wird ein Hochofen der Luitpoldhütte angeblasen
• 1949: Beginn des Siedlungsprojekts Luitpoldhöhe
• Neubauten in der Sebastian-Kneipp-Straße
• Bau der Atrium Häuser
• 1952: Oberbürgermeisterwahl: Kandidaten: Lotter (CSU und SPD) und der 1945 von den US-Amerikanern als Bürgermeister abgesetzte/ersetzte Josef Filbig (Deutsche Gemeinschaft); gewählt wird Josef Filbig mit 12.317 von 18.961 Stimmen
• 1953: Umbau des Kaufhauses Storg in der Bahnhofstraße (1931 jüdisches Kaufhaus „Erwege“, 1933 Boykott gegen das jüdische Geschäft, 1936 Arisierung, Heinrich Storg übernahm das Geschäft, heute leerstehend)
• Neubauten 1950 – 1956:
 - Städtischer Wohnungsbau: Dreifaltigkeitsviertel; St. Sebastian (261 Wohnungen); „Am Wagrain“; „Am Bergsteig“ (569 Wohnungen 1950-1954); keine Bebauung der Kräuterwiese!
 - Öffentliche Bauten: Altersheim im Spitalgraben (1956); Sparkasse in der Herrnstraße; Erweiterung Marienkrankenhaus (1953); Neue Berufsschule
 - Bauten kultureller Art: „Ringtheater“, als modernstes Kino der Oberpfalz (1953); Umbau des Josefshauses (Kolpinghaus); Tanzlokal „Fontäne“
 - Industriebauten: Neubau des Siemens Gerätewerks am heutigen Standort an der Drahthammerstraße (1952); Inbetriebnahme des Hochofens II der Luitpoldhütte mit 2.500 Mitarbeitern (1957)
• 1954: Sattlerei Grammer in der Ziegelgasse fertigt erstmals Sitzkissen für Traktoren; Ursprung der heutigen Grammer AG; 1964 Verlagerung der Produktion nach Hohenburg und dann nach Kümmersbruck; Konzernzentrale heute wieder in Amberg
• 1961: Abbruch des alten und Bau des neuen Bahnhofs
• 1962:
 - Einweihung der evangelischen Auferstehungskirche
 - Eröffnung des Hallenbads
• 1964: Schließung des Bergbaus
• 1968: Aufgabe des letzten Hochofens
• 1978 Wiedereröffnung des Stadttheaters nach kompletten Um- und Ausbau (1953: Schließung wegen Brandschutzmängel)

Literatur

FLEIßER, Hannelore: Amberg in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, in: Amberg 1034 – 1984. Aus Tausend Jahren Stadtgeschichte, Amberg 1984, S. 321 – 348.
FUCHS, Achim: Die Stadt im 19. und 20. Jahrhundert, in: Amberg 1034 – 1984. Aus Tausend Jahren Stadtgeschichte, Amberg 1984, S. 509 – 532.
RAMBACH, Günther: Hakenkreuz und Martinskirche. Schicksalsjahre in der Oberpfalz. 1933 – 1959, Kümmersbruck 2010.
RAMBACH, Günther: Die 50er Jahre in Amberg und der Oberpfalz – Politik. Militär. Alltagsleben. Eisenhütten, Kümmersbruck 2013.
SCHÜTTIG, Helmut: Die Stadt Amberg in der Nachkriegszeit von 1945 – 1949, Bayreuth 1969.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1952. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1952, S. 494.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1955. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1955, S. 18.
STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR BAYERN 1969. Hrsg. vom Bayerischen Statistischen Landesamt, München 1969, S. 18.

DANK:
Für weitere Auskünfte danken wir dem STADTMUSEUM Amberg und Günther Rambach, Amberg.

Weitere Bilder