In einer zweiteiligen Inszenierung brachte die Bürgerschaft, vermutlich einem älteren Brauch folgend, am Gründonnerstag 1741 die Leidensgeschichte Jesu Christi unter dem Titel Des unsterblichen in dem sterblichen leib leydenden gottes sittliches trauerspiel zur Aufführung. Den ersten Teil bildet ein Bühnenspiel, das inhaltlich bis zur Verurteilung Christi reicht. In wirkungsvollem Kontrast stehen Szenen des Leidens Jesu und des Mitleidens Marias, die – in ihrer realistischen Drastik – ganz offensichtlich auf die Erschütterung des gläubigen Betrachters abzielen. Ein besonderer Akzent liegt auf der sinnenhaften Vergegenwärtigung seelischer Vorgänge. Genaue Regieanweisungen geben dabei Aufschluss über den intendierten Aufführungsstil: So heißt es z. B. bei Jesu „Urlaub“ von seiner Mutter: „Maria kiest Christo … Christo küset auch seine muetter … Weinen beide und halten ein wenig einander. Christo geht weinent mit den jüngeren davon, schauet ein wenig zurück und Maria sinckht in die ohne mächte.“
Gespielt wurde unter freiem Himmel, auf einer einfachen, neutralen Simultanbühne, auf der nur einige raumdeutende Versatzstücke die Spielfelder bezeichneten. Mit dem „Ecce homo“ endet das Spiel auf der Bühne: Der verurteilte Heiland wird mit Purpurmantel und Dornenkrone zur Schau gestellt, während sich vor der Bühne bereits Darsteller und Zuschauer zum symbolischen Gang nach Golgatha vereinigen. Im Rahmen des prunkvoll ausgestatteten Zuges kommen die weiteren Passionsereignisse bis zur Grablegung zur Darstellung. Die Figuralprozession mit „lebenden“ Bildern, denen auf Tragegerüsten mitgeführte Gemälde („laub[e]rum“) zugeordnet sind, stellt auch Sinnbezüge zu typologischen Begebenheiten des Alten Testaments her: „Abraham und Isac“ verweist etwa auf den Opfertod Christi, „Judith und Bethuliä“ auf die Erlösung der Menschen. In gleicher Weise dienen allegorische Figuren der religiösen Belehrung: Als Anstifterin alles Bösen tritt die personifizierte „Hoffart“ in Erscheinung, sie rühmt sich ihrer (weltlichen) Macht, gelangt aber durch den Aufruf eines Engels zu Einsicht und Umkehr. Zu den bildlichen und pantomimischen Darstellungen treten also kurze Dialogszenen, die das Vorgeführte erläutern und vertiefen. So kommentiert ein „engl spruch bey den siben fäll“ die verschiedenen Kreuzwegstationen, um daraufhin die Gemeinschaft der Gläubigen eindringlich zu Buße und Reue zu mahnen. In dieser Verknüpfung der Darstellungsmittel gewinnt die Prozession schlechthin schauspielartigen Charakter.
Manfred Knedlik
Basisdaten
Ort: A-4580 Windischgarsten
Land: Oberösterreich
Diozöse: Linz
Überlieferungen
Titel: Des unsterblichen in dem sterblichen leib leydenden gottes sittliches trauerspiel
Jahr: 1741
Typ: Textzeugnis
Informationen
Aufbewahrungsort: Stiftsarchiv Kremsmünster (Nachlaß Amand Baumgartner)
Datierung: 1741
Wird noch gespielt: Nein