Spiel belegt 1755. HS von 1661 im 19. Jh. verschollen; HS von 1724, Sonthofen Stadtarchiv, o. Sign.
Im Anschluss an den Sonthofener Spieltext von 1724 ist – von anderer Hand – auch eine Prozessionsordnung überliefert, die mit einiger Sicherheit in diese Zeit gehört. Der Zug, der vermutlich unmittelbar dem Passionsspiel folgte, führte von der Pfarrkirche zur Richtstätte. Weitere Aufführungsnachrichten liegen nicht vor.
Eröffnet wurde die figurenreiche Schauprozession durch den Tod zu Pferd. Ihm folgte ein Präfekt mit dem Richterstab (als Symbol für die Gerechtigkeit Gottes), ein Junge, der einen Apfelbaum mit Schlange trug, Adam und Eva mit dem Teufel sowie der Erzengel Michael, der das erste Menschenpaar mit dem Schwert aus dem Paradies vertrieb. Sinnbildhaft brachte diese Gruppe den Gedanken der Ursünde, die den Tod bedingt, und die Auslieferung des menschlichen Lebens an die Unfreiheit zur Darstellung. Abraham und Isaak (Opfer), Josef mit seinen Brüdern (Verrat) und David mit dem Haupt des Goliath (Überwindung des Bösen) – typologisch auf Christus vorausweisend – schlossen sich an. Johannes der Täufer mit dem Christusknaben und zwölf Jungen, „so Creitzlein Schleipfen“, präfigurierten den Kreuzestod Jesu. Hierauf folgten Judas, von einem Teufel am Strick gezerrt, der gefangene Heiland, Petrus und Jakobus, Personifikationen von Liebe und Gerechtigkeit, Maria Magdalena und „Christus illustrissimus“. Das Passionsgeschehen vergegenwärtigten Pilatus, Annas und Kaiphas, Herodes, Longinus mit dem Speer, die beiden Schächer, erst danach der Kreuztragende selbst mit „einigen Juden als seinen Peinigern“, Maria und Johannes, begleitet von einigen Frauen, sowie Nikodemus und Joseph von Arimathia. Den Schluss des Zuges bildete ein Engel, der Tod und Teufel züchtigte, solcherart auf die heilbringende Erlösungstat Christi verweisend. Zwischen diesen Gruppen bewegten sich Reiter mit Fahnen, Geißler, Kreuzschlepper und Ausgespannte, die ihr gläubiges Mitleiden – wie in barocken Karfreitagsprozessionen üblich – auf drastische Weise zum Ausdruck brachten.
Basisdaten
Ort: 87527 Sonthofen
Bezirk: Schwaben
Land: Bayern
Informationen
Datierung: 1661 bis 1756