Passions-spiele
in Bayern

Selzach Passionsspiele

Unter dem Eindruck einer Aufführung der „Oberammergauer Passion“ fand sich 1890 im schweizerischen Selzach bei Solothurn, maßgeblich auf Initiative des Fabrikanten Adolf Schläfli, eine Schar theaterbegeisterter Laien zusammen. In dem Oratorium Die Passion unseres Herrn Jesu Christi in sieben Bildern (1892) des Fuldaer Priesters und Komponisten Heinrich Fidelis Müller (1837-1905) erkannte man eine geeignete Spielvorlage, und 1893 brachte man dessen Passion, ergänzt um Prologe, Deklamationen und szenische Bilder, im Gasthof zum Kreuz erstmals auf die Bühne. Bereits 1895 errichtete man ein eigenes Schauspielhaus, das 1600 Besuchern Platz bot. Zur Aufführung kam ein wesentlich erweitertes Spiel, das von der „Höritzer Passion“ beeinflusst war. Es umfasste zwei Teile mit jeweils mehr als 20 Bildern: Am Vormittag reichte der Handlungsbogen von der Erschaffung der Welt über alttestamentliche Präfigurationen (u.a. Abraham und Isaak, Joseph wird von seinen Brüdern verkauft, Gesetzgebung auf Sinai), über Szenen aus der biblischen Weihnachtsgeschichte (u.a. Engelsgruß, Verkündigung an die Hirten, Anbetung der Weisen), die Taufe im Jordan und die Bergpredigt bis zum Einzug Jesu in Jerusalem. Am Nachmittag schloss sich das eigentliche Passionsgeschehen an, gefolgt von der Auferstehung, und das Schlussbild zeigte die Himmelfahrt Christi. In regelmäßigen Abständen von vier bis fünf Jahren wurde die „Selzacher Passion“ bis 1952 aufgeführt, wobei das Spiel stets seinen fast oratorischen Charakter beibehielt. Nach einer 20-jährigen Unterbrechung nahm eine Laienspielgruppe, die sich im „Dramatischen Verein Selzach“ zusammengeschlossen hatte, 1972 die Aufführungstradition wieder auf. Den Text der Selzacher Passion schrieb Otto Wolf, die Musik komponierte Alban Roetschi. 

Manfred Knedlik

Basisdaten

Ort: CH-2545 Selzach
Land: Solothurn
Diozöse: Basel

Überlieferungen

Titel: Die Passion unseres Herrn Jesu Christi in sieben Bildern
Jahr: 1893
Typ: Spielzeugnis

Informationen

Datierung: 1893-1952, Wiederaufnahme 1972