Passions-spiele
in Bayern

Saal an der Donau Passionsspiele

Als intensives Erlebnis der Fastenzeit, als „persönliches Glaubensbekenntnis“ versteht die niederbayerische Gemeinde Saal an der Donau ihr Passionsspiel, das 1986 ins Leben gerufen wurde. In einer Folge von zehn Szenengruppen bringt der „Passionsspielkreis“, mehr als 130  Laiendarsteller aus beiden christlichen Konfessionen, gemeinsam mit den Kirchenchören und dem Liederkranz Saal in der Christkönigskirche die Leidensgeschichte Jesu Christi auf die Bühne. Musik und Spiel gehen dabei eine gelungene Verbindung ein; die karge Bühne, die das Publikum in einen Tempel in der Stadt Jerusalem versetzt, mit wenigen, aber prägnanten Requisiten bietet einen betont schlichten, jedoch wirkungsvollen Rahmen. Den Text, in den die biblische Überlieferung in Form einer Evangelienharmonie, die Historie und christliche Legenden (Veronika mit dem Schweißtuch) eingeflossen sind, schrieben Spielleiter Peter Buberger und Regisseur Klaus Kern.

Den Beginn des Spiels bildet der Einzug Jesu in Jerusalem, gefolgt von der Tempelreinigung und der Empörung der Hohenpriester. Zur gleichen Zeit hegt Judas erste Zweifel an seinem Herrn (I). Ein rührendes Moment bietet der Abschied von Bethanien (II). Fußwaschung und Abendmahl mit den Einsetzungsworten der Eucharistie – womit die Bühne zum Raum christlichen Gedächtnisses wird – schließen sich an (III). In enger Verklammerung stehen sodann der Verrat des Judas (IV) und die Ereignisse auf Gethsemane (V), das eindringliche Ölberggebet (So soll also diese Stunde über mich kommen. Die Stunde der Finsternis“) und die Gefangennahme Jesu (Mit einem Kuss verrätst du mich“). Die folgenden Szenen zeigen Jesu vor dem Hohen Rat (VI) und vor Pilatus und Herodes (VII). In wirkungsvollem Kontrast präsentiert das Spiel Petrus, der seine dreimalige Verleugnung zutiefst bereut, dabei jedoch nicht seinen Glauben an die Gnade Gottes verliert, und Judas, der über seine Tat verzweifelt: Soll ich noch länger dieses Marterleben hinschleppen? Diese Qualen in mir tragen?? Nein! Keinen Schritt mehr weiter. Hier und heute will ich dieses verfluchte Leben beenden!!“ Auf die Verurteilung Jesu (VIII) folgen Kreuzweg und – als vielfältiger Szenenkomplex – die Kreuzigung (IX) mit anschließender Kreuzabnahme und Beweinung Jesu, die den Blick auf die heilbringende Erlösungstat des Gottessohnes lenkt: „Durch dein vergossenes Blut am Kreuze hast du der Menschen Schuld gesühnt und uns alle von der Kette des Bösen erlöst.“ Im Schlussbild tritt der auferstandene Christus mit dem Friedensgruß auf die Bühne (X).

1992 und 2004 wurden die Passionsspiele vor einer großen Zuschauermenge wiederholt, und auch für die Zukunft sind – in einem Zehn-Jahres-Rhythmus – weitere Aufführungen geplant. 

Manfred Knedlik

Basisdaten

Ort: D-93342 Saal an der Donau
Bezirk: Niederbayern
Diozöse: Regensburg

Informationen

Datierung: seit 1986
Wird noch gespielt: Ja