1662 berichten die Rechnungsbücher des Marktes Rohrbach erstmals von der Aufführung einer „Passionscomedie“. Die große Zahl überlieferter Nachrichten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (1663, 1665, 1666, 1667, 1674, 1678, 1699) zeugt von einer lebendigen Spieltradition, wobei sich fließende Übergänge zwischen Passionsspiel und Spielprozession beobachten lassen. Die theatralen Inszenierungen, an denen Spielleute und Trompeter, aber auch "reuterei" beteiligt waren, reichen bis 1705. Wichtige Einflüsse gingen wohl von den prächtigen Karfreitagsprozessionen der Jesuiten in Linz aus, ausdrucksstarken Geißler- und Büßerumzügen, die eine immer weitergehende szenische Ausgestaltung erfuhren. Als Initiator und Vermittler dürfte das nahegelegene Chorherrenstift Schlägl, das in reger Verbindung mit dem Jesuitenkolleg stand, gewirkt haben. Unter den Spielleitern der „Passionscomedie“ finden sich der Marktrichter, Marktschreiber, Pfarrer und Schulmeister. Für alle Mitwirkenden, die sich "zu 2 malen zum probieren" im Rathaus zu versammeln hatten, gab es eine ausgiebige Bewirtung. Ein Spieltext oder eine Prozessionsordnung, die einen Eindruck von der Inszenierung vermitteln könnten, sind nicht erhalten.
Manfred Knedlik
Basisdaten
Ort: A-4150 Rohrbach im Mühlviertel
Land: Oberösterreich
Diozöse: Linz (vor 1785 Passau)
Informationen
Quelle: Kein Spieltext erhalten
Datierung: 1622-1705
Wird noch gespielt: Nein