Passions-spiele
in Bayern

Perlesreut Passionsspiele

Mit dem Stück „Die letzten Stunden und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus“ aus der Feder des bekannten Autors Michael Sellner wurde im August 2005 die geistliche Spielkultur in Perlesreut wieder zum Leben erweckt. In 16 Szenen, in einer Mischung von Text und Musik, brachten die 120 Laiendarsteller die Passion zur Vorstellung. Eine besondere Wirkungskraft erwuchs nicht zuletzt aus der modernen, auch Elemente des Musicals aufnehmenden Inszenierung in zeitgemäßer Sprache, die das Publikum direkt in ihren Bann zog. Der szenische Bogen reicht vom Einzug in Jerusalem bis zur Verkündigung der Auferstehung: „Jesus lebt, er lebt bei Gott. Jesus lebt, er ist nicht tot! Halleluja, halleluja!“, wobei der Akzent immer wieder auf menschlichen Regungen, Gefühlen und Handlungen liegt: auf Feigheit und Furcht (Verleugnung des Petrus), Gleichgültigkeit und Opportunismus (Pilatus), Hochmut und Spott (Herodes), aber auch auf Beistand und Mitgefühl (Simon von Cyrene), Wohltätigkeit und Hilfsbereitschaft (Joseph von Arimathäa). Nach einer erfolgreichen Neuauflage 2007, die mehr als 4500 Besucher tief bewegte, sind für 2010 weitere Aufführungen in Vorbereitung. Seit 2004 besteht mit der tschechischen Passionsspielgemeinde Ho?ice na Šumav? (Höritz) ein Übereinkommen über kulturelle Zusammenarbeit, das bereits mit wechselseitigen Auftritten zum Leben erfüllt wurde. Erste Spuren lassen sich ins ausgehende 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Auf einem eigens errichteten „theatrum“ in der Pfarrkirche St. Andreas brachte man regelmäßig eine „Carfreytags-Comedi“ zur Aufführung. 1698 beklagte sich Pfarrer Martin Hefele gegenüber dem bischöflichen Ordinariat in Passau, dass dabei das Gotteshaus vom Rauch der Fackeln geschwärzt würde, aber schlimmer noch: „Gelachter, Getrang, Hin- und Herlaufen und andere Ungebiehr“ störten die Andacht vor dem heiligen Sakrament. Die geistliche Oberbehörde untersagte daraufhin „auf alle konfftige Jahr“ die „Exhibition oder Vorstellung des Passions“, rückte aber in der Folgezeit von dieser starren Haltung wieder ab. Erst mit dem Generalverbot vom 17. Januar 1762 fanden die „theatralischen Passions-Vorstellungen“ im bayerischen Gebiet der Diözese Passau ein Ende.

Basisdaten

Ort: 94157 Perlesreut
Bezirk: Niederbayern
Land: Bayern

Informationen

Datierung: 1698 bis 1762
Wird noch gespielt: Nein