Passions-spiele
in Bayern

Oberstdorf Passionsspiele

1673 stiftete Pfarrer Georg Mayr einen Bußumgang mit Geißlern und Kreuzschleifern, der sich allmählich zu einer reich figurierten Schauprozession entwickelte. Spätestens 1775 gelangten während des Umzuges auch einzelne Passionsszenen zur Aufführung. Danach brach die Spieltradition – wohl infolge obrigkeitlicher Verbote – für mehr als zwei Jahrzehnte ab. Eine in der Karwoche 1797 „auf offener Bühne“ am Marktplatz vorgestellte „Passion“ dauerte zwei Tage und umfasste das Abendmahl, den Verrat durch Judas und die Gefangennahme am Ölberg (I) sowie die weitere Leidensgeschichte Jesu bis zur Kreuzigung (II). Weitere „Vorstellungen“ aus dem Alten und Neuen Testament ergänzten die Szenen in typologischer Absicht. Die große Zahl der teilnehmenden Reiter lässt an eine Spieltradition denken. 1798 wurde in der Pfarrkirche der Baum des Lebens aufgeführt, „an dem unser Heiland durch den Kreuzestod das ganze Menschengeschlecht erlöst hat“. Das kleine Spiel bildete wohl ebenfalls den Schlusspunkt eines Umgangs. 1816 erhielt die Gemeinde zum letzten Mal eine Aufführungsgenehmigung, danach scheint die Spieltätigkeit endgültig erloschen zu sein. 

Manfred Knedlik 

Basisdaten

Ort: D-87561 Oberstdorf
Bezirk: Schwaben
Diozöse: Augsburg

Überlieferungen

Titel: Passion
Jahr: 1797
Typ: Spielzeugnis

Titel: Baum des Lebens
Jahr: 1798
Typ: Spielzeugnis

Informationen

Datierung: 2.H. 17.Jh.; 1797-1816
Wird noch gespielt: Nein