Passions-spiele
in Bayern

Nesselwang Passionsspiele

Auf Ansuchen des Ortspfarrers erteilte der Augsburger Bischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen der Gemeinde Nesselwang 1799 die Erlaubnis zur Aufführung eines Passionsspiels. Wie aus dem Bittgesuch hervorgeht, konnte man auf eine lange Spieltradition zurückblicken, und noch in die 1770er Jahren war das „Leiden unseres Herrn mit allem Eifer und höchster Auferbäulichkeit unserer Jugend“ vorgeführt worden. Angeregt durch das Beispiel des nahegelegenen Oberstdorf, wo 1797 und 1798 die Passion gespielt wurde, war auch in Nesselwang der Gedanke der Wiederaufnahme entstanden. Am Dienstag nach Pfingsten 1799 wurde das Spiel vom „Leiden unseres Herrn“ am Kirchplatz auf die Bühne gebracht. Für die Wahl des Aufführungstermins führte der Pfarrherr praktische Gründe an: So sei „in Nesselwang in der Karwoche die meiste Feldarbeit zu tun“ und müsse er „sich viel mit Anhören der Osterbeicht so vieler Kinder abgeben“. Ganz offensichtlich nahm er regen Anteil an den Vorbereitungen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde der alte Spieltext „von den Reimen gereinigt“ und „in Prosa geläutert“, eine Aufgabe, der sich wohl der Exjesuit und Lehrer Franz Xaver Jann (1750-1828) in Augsburg, der mit volkstümlichen Bühnenstücken hervorgetreten war, unterzog.  

Manfred Knedlik

Basisdaten

Ort: D-87484 Nesselwang
Bezirk: Schwaben
Diozöse: Augsburg

Informationen

Datierung: 18. Jh.
Wird noch gespielt: Nein