Passions-spiele
in Bayern

Mettmach Passionsspiele

An ältere Theatertraditionen anknüpfend, erfolgte am 1. Oktober 1946 die Gründung der Spielgemeinschaft Mettmach, die ihre Aufgabe darin sah, bei der ländlichen Bevölkerung des Innviertels … Sinn und Verbundenheit … zur echten Volkstümlichkeit zu fördern“. Anlässlich des Heiligen Jahres 1950 entschied man sich zur Aufführung eines Passionsspieles. Auch wollte man Dank für die glückliche Heimkehr aus dem Zweiten Weltkrieg abstatten, weshalb das Spiel „Heimkehrer-Passion“ genannt wurde. Die Grundlage bildete der Text eines nicht näher bekannten Mönchs Berthold C. Withalm. Als geistlicher Leiter wirkte Pater Karrer vom Konvikt St. Josef in Ried. 1960 baute die spielfreudige Gemeinschaft für die zweiten Passionsspiele ein Festspielhaus („Kulturstadl“), das weit über 1000 Zuschauern Platz bot. Bereits 1970 wurde Kritik an dem oft frömmelnden, rührseligen Ton der „alten Passion“ laut, doch sollte der Withalm-Text 1979 und 1985 wiederum die Spielgrundlage bilden. Eine gründliche Revision unternahm der örtliche Pfarrer Kurt Leitner für die Passionsspiele 2000, die nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs - mit Besuchern aus Krumau (Ceský Krumlov) und Friedberg (Frymburk) im Böhmerwald - nun auch eine europäische Dimension erhielten. Die überarbeitete Fassung kam 1995 und 2000 erneut zur Aufführung.

Schließlich war der Wunsch nach einer „neuen Passion“ nicht mehr zu überhören, und der Regisseur Otmar Wenzl aus Ried erhielt den Auftrag, einen zeitgemäßen Text zu verfassen. Das Spiel mit dem Titel „Der Tod hat nicht das letzte Wort“, das 2007 seine Premiere erlebte, rückt von der üblichen Darstellung der Leidensgeschichte Christi ab. Im ersten Teil wird das Ringen um die Neugestaltung selbst zum Thema. Der Spielregisseur, der ein modernes Konzept verfolgt, gerät in eine heftige Auseinandersetzung mit den Akteuren - revolutionär-theologisches Gedankengut prallt gegen die überlieferte Form. Die Widerstände erwachsen aus den Spielgewohnheiten der Mettmacher Darsteller, die sich um ihre „schönen Rollen” betrogen sehen - viel Menschliches-Allzumenschliches kommt ans Licht: Neid, Falschheit, Missgunst. Jedoch liegen diese Widerstände viel tiefer, wie die Streitgespräche sehr bald beweisen. Die Konflikte zwischen Alt und Jung, Fortschrittlichen und Konservativen entzünden sich an grundsätzlichen Fragen: Alternative Theorien zur Schuldfrage am Tod Jesu - Entlastung der Juden als Gottesmörder bzw. Belastung des römischen Statthalters Pilatus - verleihen den Diskussionen Brisanz. Das leidenschaftliche Ringen führt letztlich sogar zum psychischen Zusammenbruch des Jesus-Darstellers, das Projekt droht zu scheitern. Doch bietet das Stück im zweiten Teil einen Ausweg an: Der Regisseur selbst übernimmt dessen Rolle, verkörpert also einen beträchtlichen Anteil der radikalen Erneuerung, und mit kritischer Leidenschaft bringen nun die Mettmacher Darsteller, namentlich die drei Frauen, die sich zu einem Neuanfang durchgerungen haben, die neue Geschichte auf die Bühne. Ganz im Sinne der jüngsten Bibelforschung rückt der zweite Teil die beiden Prozesse („Hoher Rat” / „Jesus vor Pontius Pilatus”) ins Zentrum und verzichtet auf Details der Hinrichtung. An ihre Stelle tritt die künstlerische Ausgestaltung, die der sakralen Kunst ihren gebührenden Platz einräumt. Nach Aussage des Autors verzichtet „die ‚Mettmacher Passion‘ großteils auf eine Glaubensvermittlung, die die biblische Botschaft entweder einfach nur wiederholt oder aufzwingt, ganz im Gegenteil: Sie will diese Botschaft Jesu so darstellen, dass im Zuschauer selbst so etwas wie religiöses Erleben ermöglicht wird, und dies in einer unverstellten Form, die ihn dazu verleitet, die Bibel wieder und wieder zu lesen.“ 

Manfred Knedlik

Basisdaten

Ort: A-4931 Mettmach
Land: Oberösterreich
Diozöse: Linz

Überlieferungen

Titel: Sog. "Heimkehrer-Passion"
Jahr: 1950
Typ: Textzeugnis

Titel: Der Tod hat nicht das letzte Wort
Jahr: 2007
Typ: Textzeugnis

Informationen

Verfasser: Berthold C. Withalm (1950); Otmar Wenzl (2007)
Datierung: 1950; 2007
Wird noch gespielt: Ja