Passions-spiele
in Bayern

Mainburg Passionsspiele

Die Passion Commedien, verfasst von Patres des Kapuzinerklosters, dürfte im Rahmen einer Prozession am Karfreitag aufgeführt worden sein. 1751 berichtete der Pfarrer von einem „Theatro“ am Rathausplatz, das den Ausgangspunkt eines frommen Umgangs bildete. Auf der Bühne waren zunächst der Rat der Juden, die Gefangennahme Jesu „auf dem S. Salvatorberg“ und die anschließenden Verhandlungen vor den Hohepriestern zu sehen, „sodan gienge die Procession an“, wiederum begleitet von einzelnen „Vorstöllungen“,  die den Leidensweg des Herrn vergegenwärtigten.

Überliefert ist das heterogene Textkorpus in einer Aufzeichnung des Mainburger Kantors Johann Michael Schiesl, die den Titel Andöchtige Betrachtung vnd Verurtheillung Christi zum Todt auf den Charfreytag in Sprüchen (1762) trägt. Den Beginn des „Stückes“ bildet ein allegorischer Prolog der göttlichen Liebe, die über Welt, Tod und Teufel triumphiert. Dem folgenden Klagegesang der „Geistlichen Braut“ schließt sich unvermittelt die Verleugnung Petri an. Breit ausgeführt ist das Verhör Jesu vor Pilatus, unterbrochen von Klagen der „Ratio“. Daraufhin folgt der Gang nach Golgatha mit vier „Fällen“ Christi. Den Schluss bilden Zwiegespräche zwischen Petrus und „Ratio“ bzw. Maria, die zu seiner Bekehrung führen. Die Spielszenen, so uneinheitlich sie auch erscheinen mögen, führen doch zentrale Glaubenswahrheiten bildhaft vor Augen: Unter Verweis auf die heilbringende Erlösungstat des Gottessohnes, die stichwortartig (Gang nach Golgatha) aufgerufen wird, vermittelt bereits der Prolog die tröstende Gewissheit der Erlösung. Und selbst im Wissen um die eigene Fehlbarkeit (Verleugnung Petri) darf der Mensch auf die göttliche Barmherzigkeit vertrauen. Mit der gläubigen Umkehr des Apostels schließlich wird das Bühnengeschehen zu einer Handlungsanweisung zu rechter Lebensführung. 

Manfred Knedlik 

 

Basisdaten

Ort: D-84048 Mainburg
Bezirk: Niederbayern
Diozöse: Regensburg

Überlieferungen

Titel: Andöchtige Betrachtung und Verurtheilung Christi zum Todt auf den Charfreytag in Sprüchen
Jahr: 1762
Typ: Textzeugnis

Informationen

Überlieferung: Original-Hs.
Schreiber: Kantor Johann Michael Schiesl
Aufbewahrungsort: BZA Regensburg (OA Gen. 2016)
Quelle: BZA Regensburg (OA Gen. 2016)
Wird noch gespielt: Nein