Passions-spiele
in Bayern

Kirchschlag in der Buckligen Welt Passionsspiele

1932 - in einer Zeit wirtschaftlicher Not mit hoher Arbeitslosigkeit, besonders unter der Jugend - rief Pfarrer Franz Füssl die Kirchschlager Passionsspiele ins Leben, um den Menschen durch die geistliche Inszenierung Sinn und Halt für das Leben zu geben. Professor Josef Neumair (1877-1960), Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Wien und Präsident des Österreichischen Bundesverlages, hatte 1923 für den „Wiener Katholischen Jünglingsverein Mariahilf“ ein Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi verfasst, das die Grundlage für die Passion in der niederösterreichischen Gemeinde bildete; die Musik stammte von Vinzenz Goller. In einer eigens erbauten Spielhalle brachten Mitglieder des Katholischen Burschenvereines und der Katholischen Jugend die biblischen Szenen zur Aufführung. Der große Erfolg ermutigte die Laienspieler zu Wiederholungen in den Jahren 1933 und 1935. Nach einer Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg wurde 1950 die Spieltradition wieder aufgenommen. Erstmals wirkten nun erwachsene Darsteller an den Passionsspielen mit, die mehr als 25000 Besucher anzogen. 1959 konnte das neue Festspielhaus im Stil eines hellenistischen Theaters - nach Plänen des Theaterarchitekten Alexander Schuster - eröffnet werden, das fast 1200 Zuschauern Platz bietet. Seit 1975 hat sich ein Fünf-Jahres-Rhythmus eingebürgert.

In fünfzehn Szenen vergegenwärtigt das Spiel, biblische und apokryphe Überlieferungen aufnehmend, die Ereignisse der Karwoche und verkündet die Botschaft von der Erlösung der Menschheit durch Christi Opfer: Einzug in Jerusalem, Auf der Straße (seit 1990), Das letzte Abendmahl, Abschied von der Mutter, Beratung bei Kaiphas, Ölberg, Verleugnung des Petrus, Jesus vor Pilatus, Dornenkrönung, Verurteilung, Kreuzweg, Verzweiflung des Judas, Christus am Kreuz, Marienklage, Auferstehung und Sendung. Im Heiligen Jahr 1975 verfasste die österreichische Dichterin Erika Mitterer (1906-2001) für das Passionsspiel einen neuen Prolog: „Wir spielen euch heute / Das Spiel von Jesus Christ, / Weil es noch lange nicht vergangen ist. / Es ändert sich der Ort, / Es ändert sich die Zeit, / Die Bräuche ändern sich, / Nicht ändern sich die Leut!“ Durch den Regisseur Rainer Holzbauer erfuhr der Spieltext 2000 eine Überarbeitung, die dem Spiel „die jugendliche Dynamik der frühen Jahre zurückgeben und im neuen Jahrtausend erhalten“ sollte. Für die grundlegende Neuinszenierung schuf der Komponist Herbert Pichler, Chorleiter in Kirchschlag, eine neue Musik; die Liedtexte stammten aus der Feder des Theologen Josef Dirnbeck. 2005 sorgten Projektionsbilder für ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches Bühnenbild. Trotz moderner Akzentsetzungen aber sollen die Kirchschlager Passionsspiele stets den Auftrag Jesu erfüllen: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15). 

Manfred Knedlik

Basisdaten

Ort: A-2860 Kirchschlag in der Buckligen Welt
Land: Niederösterreich
Diozöse: Linz

Informationen

Verfasser: Josef Neumair
Datierung: 1932-1935, Wiederaufnahme 1950
Wird noch gespielt: Ja