Passions-spiele
in Bayern

Feldkirchen bei Graz Passionsspiele

Auf Initiative des Ortspfarrers Josef Gschanes, der auch den Text verfasste, wurde 1973 erstmals ein Spiel vom Leiden und Sterben Jesu Christi in der Fastenzeit aufgeführt. In sieben Bildern fanden – getreu dem Bibeltext – die Geschehnisse vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzigung eine szenische Darstellung. Nach der Tradition der Osterspiele kamen 1974 zwei Auferstehungsbilder hinzu. Auch in den folgenden Jahren erfuhr das Spiel ständige Erweiterungen: Schattenspiele mit den entsprechenden Präfigurationen aus dem Alten Testament in den Pausen zwischen den einzelnen Bildern (1975), stumme Darstellungen und Texte mit Musik zu den Bezügen im Leben des Menschen als Zwischenspiel (1976). Vom Erfolg der „Passion“ künden nicht zuletzt die Gastspiele in den umliegenden Orten. 

Seit 1981 tritt die „Schauspielgruppe Feldkirchen“ als Spielträger auf. Gleichzeitig wurde der Text durch Hans-Jürgen Weitschacher (geb. 1944) einer erweiternden Neugestaltung (13 Akte in 10 Bühnenbildern) unterzogen. Blieb auch der Szenenbestand, wie er von der Bibel vorgegeben ist, über die Jahre hinweg unverändert, so gelang durch literarische, musikalische und mediale Zusätze eine stetige Aktualisierung des vorgeführten Geschehens. Die eigens für jede Aufführungsserie geschriebenen Zwischentexte bauten eine Brücke zwischen der biblischen Leidensgeschichte und der heutigen Zeit: Ihr Blick richtete sich 1998 auf Randgruppen und Außenseiter der Gesellschaft, 2001 auf Märtyrer und Bekenner des 20. Jahrhunderts wie Mutter Teresa, Maximilian Kolbe, Oscar Romero und Martin Luther King; Tagebucheintragungen einer krebskranken Frau, verknüpft mit Psalmworten des Trostes, verliehen dem Feldkirchner Passionsspiel 2004 eine neue Dynamik und Tiefe. Von der Widersprüchlichkeit, von der Zerrissenheit der aktuellen Gegenwart kündet die Passionsspielmusik: Die elektronische Musik in den Zwischenakten, die zuweilen an die musikalische Untermalung von Filmen erinnert, bildet einen bewussten, starken Kontrast zum Chorgesang, zu den alten steirischen Passionsliedern. Als kommunikatives Element dienten 2007 einige Video-Sequenzen während der Zwischenakte, die Szenen aus dem Alten Testament (Saul und David, Kain und Abel, Hiob, Joseph und seine Brüder, Abraham und Isaak) zeigten, wobei die entsprechenden Inhalte in die heutige Erlebniswelt der Jugend übertragen wurden. Gleichzeitig formuliert die Inszenierung auch auf dieser Ebene – parallel zur Leidensgeschichte des Gottessohnes – den Gedanken von Versöhnung und Vergebung und führt so zu einer verinnerlichenden Rezeption.  

Lässt schon der Spielort, das Pfarrheim mit seiner familiären Atmosphäre, keine Distanz zwischen Zuschauerraum und Bühne aufkommen, so verdeutlicht auch das Ende des Spieles den besonderen Charakter der „Feldkirchner Passion“: Im gemeinsam gesungenen Schlusslied „Und er wird Auferstehen“ konstituiert sich eine (Glaubens-)Gemeinschaft von Darstellern und Zuschauern, die „ihre“ Sache verhandelt wissen. 

Manfred Knedlik

Basisdaten

Ort: A 8073; A 8401 Feldkirchen bei Graz
Land: Steiermark
Diozöse: Graz-Seckau

Informationen

Datierung: 1973-1977; 1981; seit 1983 im Drei-Jahres-Rhythmus
Wird noch gespielt: Ja