Die erste Spielnachricht ist aus dem Jahr 1468 überliefert. Danach brachte die Fleischhackerzunft am Fronleichnamstag ein „Spil [von] sant Jorge und de[m] lintwurm“ zur Aufführung, das mit einiger Sicherheit in die kirchliche Prozession eingebunden war; wir müssen uns dabei bewusst machen, dass der Begriff Spiel in dieser Zeit mehrdeutig ist und einen szenischen Dialog ebenso bezeichnen kann wie eine stumme Pantomime oder ein regelrechtes Schauspiel. Nicht auszuschließen ist, dass in den Kampf des Ritters Georg mit dem Drachen – als Symbol für den Sieg über das Böse – Szenen aus der Leidensgeschichte eingefügt waren, wie dies z.B. für entsprechende Umgänge in Bozen seit 1472 bezeugt ist.
Die nächste Nachricht stammt aus dem Jahr 1524. In einem Ladungsschreiben von Bürgermeister und Rat an die Nachbarstädte werden „figuren [Spielszenen] des passion unnd leiden Christi“ am Palmsonntag angekündigt – in Anwesenheit des Kurfürsten Ludwig V. Die Formulierung „so gewondlichen zu osterlichen zeiten gehalten“ lässt darauf schließen, dass sich in Amberg zu diesem Zeitpunkt bereits eine Spieltradition herausgebildet hatte. Zu denken ist an ein großes Schauspiel im Freien, das „umb mittags zeitten angefangen wurdet“, mit einer Vielzahl von Laien als Mitwirkenden.
1558 verfasste der berühmte Meister des Knittelverses aus Nürnberg, der dichtende Schuhmacher Hans Sachs, ein geistliches Schauspiel mit dem Titel Der gantz Passion. 1560 erschien das Spiel im Druck, gewidmet war es dem Rat der Stadt Amberg. Dass Der gantz Passion „vor einer Christlichen Gemain zu spilen“, also für eine szenische Darbietung angelegt war, ist unumstritten, eine tatsächliche Aufführung lässt sich in Amberg jedoch nicht nachweisen.
Überaus bemerkenswert ist die Tatsache, dass gerade das Stück des reformatorischen Autors, der in der strengen Konzentration auf den Ernst der biblischen Begebenheiten ganz dem Geist Luthers folgte, in hohem Maße auf das Passionsspiel im katholischen süddeutsch-österreichischen Raum einwirkte.
Manfred Knedlik
Basisdaten
Ort: D-92224 Amberg
Bezirk: Oberpfalz
Diozöse: Regensburg
Überlieferungen
Titel: Der gantz Passion
Jahr: 1560
Typ: Textzeugnis
Informationen
Überlieferung: Druck
Umfang: 45 Bll.
Verfasser: Hans Sachs
Aufbewahrungsort: Staatliche Bibliothek Amberg (L.germ. 565)
Edition: Polheim 1980
Wird noch gespielt: Nein