Nach der zeitgenössischen Chronik des Chorherren Laurencius Bosshart (gest. 1532) wurde 1470, 1482 und 1518 in Winterthur ein „osterspiel unnsers herren liden“ mit großem Aufwand („costet die statt vil“) aufgeführt. Das Spiel von 1518 war für zwei Aufführungstage konzipiert. Den Rechnungsbüchern des Säckelamtes lassen sich indirekt einige Details der Handlung entnehmen. Eine Lazarus-Szene („Laserus grab“) antizipierte den Triumph von Christi Auferstehung, enthalten waren weiterhin der Selbstmord des Judas, vorreformatorischen Usus entsprechend von Teufelsauftritten begleitet, eine Höllenszene zwischen Grablegung („hergotz grab“) und Auferstehung (Salvator“), sowie der Gang nach Emmaus.
Die Chronik des Ulrich Meyer gibt Nachricht von einer Spielaufführung („Urstend Jesu Christi“) am Montag nach Ostern, dem 22. April 1566. Das Auferstehungsspiel, gehalten „von einer burgerschafft, von Jungen Eelütten, auch Jüngern gesellen“, stammte aus der Feder des Züricher Glasmalers Jos Murer (1530-1580). 1567 erschien seine „Vfferstäntnus Vnsers Herren Jesu Christi“ im Druck. Die Grundlage des Spieles bilden die neutestamentlichen Berichte der synoptischen Evangelien - dem Johannes-Evangelium sind nur Einzelzüge entnommen - und der Apostelgeschichte.
Der erste Akt umfasst die Beratung der Juden, die Bestellung der Wächter und die Versiegelung des Grabes (nach Mt 27,62-66). Der zweite Akt setzt ein mit der Höllenfahrt Christi, die streng genommen nicht biblisch ist, sondern lediglich im apokryphen Nikodemus-Evangelium eine Darstellung findet. Der Höllenszene folgt der Gang der vier (!) Marien zum Grab (Mk), simultan dazu geht die Auferstehung vor sich (Mt). Der Auftritt des ewigen Todes, der seine Niederlage beklagt, gehört zur Darstellung des Erlösungsplans Christi. Die Verkündigung der Auferstehung an die Frauen durch die beiden Engel (Lk), der Bericht der Wächter und ihre Bestechung (Mt) sowie der in den mittelalterlichen Spielen so beliebte und ausgeweitete Jüngerlauf (Joh), hier jedoch in gemessener Form, schließen sich an. Die Erscheinung zu Emmaus (Lk) im dritten Akt ist verbunden mit einer langen Aufzählung von Verheißungen des Messias. Der vierte Akt reicht von der Erscheinung des Auferstandenen in Jerusalem (Lk) über die Episode des ungläubigen Thomas (Joh) bis zur Himmelfahrt (Apg).
Manfred Knedlik
Basisdaten
Ort: CH-8402 Wintherthur
Land: Zürich
Diozöse: Chur
Informationen
Wird noch gespielt: Nein